Manuskripte einreichen – vermeidbare Fehler bei der Verlagssuche

Verlagssuche - ein steiniger Weg... - Claudia Lampert
Verlagssuche - ein steiniger Weg... - Claudia Lampert
Sie suchen einen Verlag für Ihr Manuskript? Diese Sätze sollten Sie zu einem Verlagslektor oder Literaturagenten besser nicht sagen.

Puh! Endlich ist es so weit. Nach Wochen, Monaten, vielleicht sogar Jahren harter Arbeit ist Ihr Manuskript fertig, und Sie sind bereit, damit die Bestsellerlisten zu stürmen. Fehlt nur noch eins: ein Verlag. Wie Sie den finden? Da gibt es leider kein garantiertes Erfolgsrezept. Aber wenn Sie einige oder gar alle der hier aufgeführten Sätze verwenden, dann ist das immerhin ein nahezu garantiertes Misserfolgsrezept, denn auch Verlagslektoren oder Literaturagenten sind nur Menschen. So manches Urteil wird "aus dem Bauch“ gefällt, und so manche Bemerkung kommt anders und weit weniger gut an, als sie gemeint war.

"Soeben habe ich mein Werk vollendet …"

Eine eher ungünstige Formulierung. Verlage suchen Menschen, die Bücher schreiben, nicht solche, die Werke vollenden. In Verlagen wird auch erwartet, dass ein Autor bereit ist, Kritik anzunehmen und sein Manuskript zu überarbeiten. Ein-, zwei-, drei- oder auch zehnmal. Das ist harte Arbeit und erfordert Selbstdisziplin und Frustrationstoleranz.

Von vollendeten Werken zu sprechen wirkt ein wenig suspekt – da könnte man glatt meinen, Sie seien der Ansicht, Ihr Text sei fertig und bräuchte keine Korrekturen oder Änderungen mehr. Man könnte auch annehmen, dass Sie dazu neigen, um jede einzelne Zeile zu kämpfen, da Ihr Werk ja schon vollendet ist. Das wiederum macht eine Zusammenarbeit mühsam und nervenzerrüttend, auch wenn das „Werk“ Potential hat.

Bleiben Sie lieber sachlich bescheiden und lassen Sie Ihr Werk ein „Manuskript“ oder sogar eine „erste Fassung“ sein. Damit signalisieren Sie Ihre Bereitschaft, weiter an dem Text zu arbeiten.

"Zu Kapitel fünf muss ich Ihnen noch etwas erklären"

Das ist nicht nur ungünstig, das ist fast immer tödlich. Ein Text muss sich selbst erklären (Ausnahmen der Weltliteratur bestätigen die Regel ...). Das heißt nicht, dass er vorhersehbar und durchsichtig sein soll oder dass er keinen Interpretationsspielraum lassen darf. Im Gegenteil. Aber wenn Sie das Gefühl haben, noch einen inhaltlichen Zusammenhang oder einen Handlungsstrang erklären zu müssen, dann steckt für gewöhnlich noch ein Fehler im Text. Den sollten Sie beheben – schließlich kann Ihr zukünftiger Verleger Sie nicht klonen und jedem verkauften Exemplar als Erklärer beilegen. Was für Kapitel fünf gilt, gilt selbstverständlich auch für Kapitel sieben, Teil zwei und Seite 256.

"Meine Eltern und Freunde finden meine Geschichte ganz toll ...“

Das ist schön für Sie, aber es sagt mehr über die Qualität Ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen aus als über die Qualität Ihres Manuskriptes. Außerdem sind Verlagslektoren Profis. Sie können und wollen sich selbst eine Meinung zu einem Text bilden – und sie tun das auch.

Etwas anderes sind Empfehlungen von Menschen, die im Literaturbetrieb einen Namen haben oder schon bei diesem Verlag/dieser Agentur unter Vertrag sind. Wenn Iny Lorentz oder Elke Heidenreich Ihren Historienroman brilliant finden, dürfen Sie das ruhig beiläufg erwähnen. Damit haben Sie zwar noch immer nicht gewonnen, sichern sich aber eine gewisse Grundaufmerksamkeit. Ihre Oma, Ihren Onkel in Schottland oder den Redakteur Ihrer Lokalzeitung lassen Sie besser unerwähnt. Und: Erfinden Sie niemals Referenzen – nichts ist peinlicher, als dabei erwischt zu werden.

"Mein Werk ist inspiriert von Jane Austen/ganz im Stil von Thomas Bernhard/in der Tradition von William Faulkner“

Auch hier gilt: Lektoren bilden sich ihre eigene Meinung. Wenn Ihr Text die deutsche Antwort auf Fred Vargas ist, wird ein Berufslektor das merken – und das später im Klappentext verwenden. Sie selbst sollten auf solche Aussagen und Bewertungen verzichten; Sie klingen doch einigermaßen arrogant. Und noch was: Wer allzu deutlich betont, dass er sich am Stil eines anderen Autors orientiert, gerät schnell in den Verdacht, keinen eigenen zu haben und stattdessen eine billige Kopie abzuliefern.

"Ich schreibe seit meiner Schulzeit …"

Natürlich schreiben Sie seit Ihrer Schulzeit – so wie jeder andere, der die Grundschule erfolgreich besucht hat. Eine solche Aussage weist Sie nicht als besonders talentierten Experten aus und hat für einen Verleger, Lektoren oder Agenten keinen Nutzwert. Gute Platzierungen in Literaturwettbewerben, Veröffentlichungen in Anthologien oder Beiträge in Literaturzeitschriften sind bessere Referenzen.

"Ich hatte immer große Schwierigkeiten mit der Sprache, bis …"

Ihre Offenheit ehrt Sie, aber – lieber nicht. Nach so einem Satz reicht ein einziger Grammatikfehler, und Sie geraten in den Verdacht, Ihre alten Schwierigkeiten noch immer nicht überwunden zu haben.

„Ich FREUE MICH wenn sie mein Manuskriept prüfen!“

Solche und ähnliche Sätze dürfen Sie schreiben. Aber bitte korrekt. Wegen eines Tippfehlers oder eines vergessenen Kommas wird Sie kein Verlagslektor steinigen. Steckt allerdings schon das Anschreiben voller Fehler, wird er sich doch fragen, ob das wirklich jemand geschrieben hat, der seine Sprache beherrscht, und was da noch auf ihn zukommt. Hinzu kommt, dass ein Mangel an Form immer auch einen Mangel an Sorgfalt nahelegt. Da hat jemand schlampig gearbeitet und nicht versucht, vermeidbare Fehler zu vermeiden. Und ob man mit so jemanden zusammenarbeiten möchte, überlegt man sich zweimal.

Was den Rest angeht: Wenn Sie nicht wollen, dass Ihr Schreiben wie das Werbeblättchen einer verbissen missionarischen Sekte oder einer fanatisch angehauchten politischen Partei wirkt, dann verzichten Sie auf Stilmittel wie Fettdruck, Unterstreichungen, Großbuchstaben oder Rufezeichen- Rudel. Und, ganz wichtig: bevor Sie einen Verlag oder eine Literaturagentur anschreiben, recherchieren Sie ein wenig im Netz. Denn nicht alles, was glänzt ist Gold. Damit Ihnen nicht das Geld aus der Tasche gezogen wird ist es wichtig, unseriöse Verlage und Agenten zu erkennen. Sobald Sie Ihr Buch veröffentlicht haben, sollten Sie sich auch Gedanken zur Autoren-Selbstvermarktung machen: Rezensionen und Lesungen organisieren, Lesungen halten und Honorare festlegen, sind dann wichtige Punkte.

Claudia Lampert - Autorin. Fotografin. Journalistin. Spielegrafikerin. - Darüber hinaus: Mensch.

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