
- Japanerin im Kimono - joeywan, flickr.com
Wer am 3. Oktober 2011 von der einen Seite in die Marburger Schulstraße einbog, wurde empfangen von dem Rauch eines Grillfeuers. Hier wurde eine Döner-Variante mit gegrillten Rindswürstchen angeboten. Wer aus der anderen Richtung kam, den empfing der Duft von Räucherwerk aus einem Beduinenzelt. Nun gut; es war ein teilweises Beduinenzelt. Die Wände bestanden zwar aus arabischen Decken, das Dach jedoch aus einem Gartenpavillon. Aber der islamische Kulturverein Hadara hätte ja schließlich auch schlecht Zeltpflöcke in den Straßenteer treiben können.
Hier konnten sich Besucher auf Teppichen und Kissen niederlassen, Gläschen mit Tee trinken und getrocknete Datteln essen. Das strahlende Sonnenwetter passte hervorragend zu beidem. Bis zum einen Ende des Festes und zurück hätte man Waffeln, Crêpes und Blini essen können, Süßkartoffeln, schwarze peruanische Maiskolben und japanischen Teekuchen.
Beeindruckend war die Ruhe und Konzentration, mit der die junge Japanerin im herbstlichen Chrysanthemen-Kimono die klassische Teezeremonie zelebrierte; ihre etwas lebhaftere Kollegin kniete neben ihr auf dem Tatami und erklärte auf Englisch das Prozedere. Überhaupt - die Sprachen. Dass es da nicht zu einem babylonischen Durcheinander kam, sondern dass Sprachen auch verbinden, bewies die junge Frau, die für Portugal und Brasilien einen Gemeinschaftstisch organisiert hatte. Hier wurde portugiesisches Birnengelee mit Portwein verkauft und gleichzeitig für ein Waisenhaus in Sao Paulo gesammelt.
Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene
Die Kunstwerkstatt Marburg war vertreten und hatte Straßenkreide mitgebracht. Zwei Stunden nach der Eröffnung des Festes um 13 Uhr war kaum noch ein unbemalter Flecken Straße zu finden. Selbstgebastelte Astronauten-Puppen machten sinnfällig, dass wir uns eine Erde teilen und keine zweite in Reserve haben. Am Stand des Weltladens standen Kinder und Erwachsene an den Mörsern, um sich ihre eigene Schokolade zu mischen. Ein Jongleur führte am einen Ende des Festes in seine Kunst ein, am andern Ende war ein Zelt zur Trommelwerkstatt geworden. Reggae-Rhythmen wurden ausprobiert und mitgetrommelt. Und mittendrin wurde Apfelsaft aus der Ernte der interkulturellen Gärten gepresst.
Für erwachsene Frauen war die Kleiderkammer ein besonderer Anziehungspunkt. Farbenprächtige russische Trachten hingen da auf den Bügeln und leichte, bestickte arabische Gewänder. Die Besitzerinnen halfen beim Anlegen der Kleidung, zwei kichernde junge Mädchen erklärten, wie eine fromme Muslima ihre Kopfbedeckung feststeckt, und anschließend konnte von dem Ergebnis ein Erinnerungsfoto gemacht werden. Der Sinn der Übung bestand darin, einmal nicht in die Schuhe, aber doch ein wenig in das Körpergefühl und damit das Leben der anderen zu schlüpfen. Gegenüber bei Remid, dem religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst, gab es die passenden Henna-Tattoos dazu.
Vorführungen - interkulturelle Bühne frei!
Das Marburger KFZ hatte seine Bühne zur Verfügung gestellt, und im Halbstunden-Rhythmus wechselten sich die Vorführungen ab. Erstaunlich, was Marburg alles zu bieten hat. Hier ist es nicht so sehr die Industrie, die Menschen von überall her anzieht, sondern eher die Universität. Und auch da kommen etliche Kulturen zusammen. Westafrikanische Trommeln und orientalischer Tanz, Reggae und Salsa, jüdische, philippinische und usbekische Tänze wurden vorgeführt.
Den Zuschauern wurde mehr abverlangt als der Weg von den Bierbänken auf der Straße zu den Stühlen vor der Bühne. Mitmachaktionen und Workshops setzten sie in Bewegung. Das begann mit Salsa, erreichte seinen Höhepunkt im B-Boying und endete harmonisch in der Polonaise der bis 19 Uhr Dagebliebenen - zum Abschluss des Tages der kulturellen Vielfalt in Marburg.
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