Marburger Stadtwerke schaffen erneuerbare Energien

Energie durch Windräder - EURegional, flickr.com
Energie durch Windräder - EURegional, flickr.com
Marburg hat seine Netze nicht an Konzerne verkauft, hat in alternative Energien investiert, und die Verbote des hessischen Energiekonsens kommen zu spät.

Vor zwei Jahrzehnten machte die Bundesregierung mit einem neuen Gesetz den Weg frei für die Privatisierung städtischer Energieversorgung. Viele Städte und Gemeinden haben seither diesen Weg beschritten und den kommunalen Besitz verkauft; damit haben sie einen kurzfristigen Gewinn in die Stadtkassen gespült, dafür aber auf langfristige stetige Einnahmen verzichtet. Und auf die Entscheidungsgewalt über die Versorgung ihrer Bürger mit der nötigen Energie.

Als Investoren kamen dabei nur die großen Energiekonzerne in Betracht; nur sie haben das nötige Kapital für den Ankauf und für die fälligen Investitionen, und nur sie können auch die nötigen Sicherheiten für die Versorgung der Bürger bieten. Zumeist haben die Gemeinden um die 20 Prozent der Anteile selbst behalten. Auf diese Weise sind die Großen immer größer geworden, und die Stromversorgung der Kommunen wurde von außerhalb geregelt.

Die Stadtwerke Marburg verkaufen Ökostrom

Die Stadt Marburg ist einen anderen Weg gegangen. Auch sie hat ihre Stadtwerke in eine private Gesellschaft überführt; aber sie hat 100 Prozent dieser Gesellschaft selbst behalten. Außerdem hat diese neue Gesellschaft Stadtwerke Marburg GmbH von Anfang an auf erneuerbare Energien und auf regionale Versorgung gesetzt. Die Bürger konnten sich zunächst mit einem Öko-Pfennig auf jede Kilowattstunde Strom daran beteiligen. Viele haben sich an dieser Investition in die Zukunft beteiligt. Davon wurde das erste Windrad gekauft, das erste Schuldach mit Solarzellen gedeckt.

Inzwischen stellen die Stadtwerke Marburg zehn Prozent ihrer Energie selbst her. Innerhalb von zehn Jahren haben sie mehrere Windräder installiert, Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden angebracht, Blockheizkraftwerke und Biogasanlagen gebaut und sogar die alte Wassermühle am Wehrdaer Wehr für die Stromerzeugung wieder in Betrieb genommen. Sie beliefern ihre Kunden mit Strom ausschließlich aus erneuerbaren Energien; 90 Prozent davon stammen allerdings bisher noch von österreichischen Wasserkraftanlagen. Aber der Prozentsatz des selbst erzeugten Stroms soll stetig weiter steigen.

Das neue hessische Energiegesetz

Was die Stadt Marburg vor zehn Jahren getan hat, das dürfte sie nun bald nicht mehr. Die Erfolgsgeschichte der Marburger Stadtwerke wird in Hessen keine Nachahmer mehr finden. Auf einem Energiegipfel im November 2011 wurde ein neuer Energiekonsens beschlossen, der zwar eine hessenweite Energieversorgung aus erneuerbaren Energien bis 2050 anstrebt. Gleichzeitig wird aber in diesem Energiekonsens festgehalten, dass Städte und Gemeinden sich höchstens mit 51 Prozent an Anlagen zur Energiegewinnung beteiligen dürfen.

Von SPD und Grünen wird dieser Teil des Energiekonsens scharf kritisiert. Es würden dadurch dem Ausbau der erneuerbaren Energien überflüssige Hindernisse in den Weg gelegt, für die Kommunen würden Hürden aufgebaut. Andere kritisieren, mit diesem Teil des Gesetzes würde den großen Energiekonzernen zu viel Mitentscheidungsgewalt eingeräumt und eine Monopolstellung gefördert.

Bild.de berichtet, dass allein im Kreis Kassel 15 Kommunen die Energieversorgung wieder zu mindestens 51 Prozent selbst übernehmen wollten. Das hatte Manfred Schaub der Zeitung erklärt, der Bürgermeister von Baunatal. Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf wird das Marburger Modell von immer mehr Gemeinden als Vorbild gesehen.

Dezentral und ohne neue Stromleitungen

Seit dem offiziellen Ausstieg Deutschlands aus der Atomenergie wird von den neuen Hochspannungsleitungen gesprochen, die nun gebaut werden müssten. Anders wäre die Umstellung auf neue und möglichst erneuerbare Energien nicht möglich. Den Grünen wurde es in jeder Talkshow unter die Nase gerieben, dass ihre Klientel da ja nun sicher auch wieder dagegen wäre.

Die Grünen befürworten Erdleitungen. Erdleitungen kosten doppelt bis zweieinhalbmal so viel, haben aber auch deutliche Vorteile. Unter anderem den, dass sich keine Bürgerinitiativen dagegen bilden, weil sie weder die Optik verschandeln noch Strahlung abgeben. Noch vorteilhafter wäre es jedoch, wenn der Strom gleich dezentral hergestellt würde, meint unter anderen Marburgs grüner Bürgermeister.

Quellen:

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