Marburgs neuer Dekan

Oberweimarer Pfarrer geht nach Marburg

Pfarrer zur Nieden - Patricia Kutsch
Pfarrer zur Nieden - Patricia Kutsch
Nach sechs Jahren verabschiedete Pfarrer zur Nieden sich aus dem Kirchspiel Oberweimar um dem Ruf nach Marburg zu folgen. Dort wird er Dekan der Stadt.

Genau sechs Jahre hat Pfarrer Burkhardt zur Nieden im Kirchspiel Oberweimar gepredigt und gelebt. Am 1. Februar tritt er sein neues Amt als Dekan des Kirchenkreises Marburg an. Nun blickt er auf eine positive und ereignisreiche Zeit zurück, in der er Menschen mit „verschiedenen Dosen des Glaubens“ kennen gelernt hat.

Schwerer Abschied vor dem Neuanfang

„Ich gehe mit ausgesprochener Wehmut“, betonte der Pfarrer im Gespräch mit dieser Zeitung. Seiner Ehefrau gehe es ebenso: Man sei sehr freundlich aufgenommen worden. „In der Kirchengemeinde war gut arbeiten, in Oberweimar gut leben“. Das habe er in seiner Laufbahn auch anders kennen gelernt, bevor er die fünfte Stelle seiner beruflichen Laufbahn in Oberweimar antrat. Zuerst verschlug es den Hamburger an die Uni, bevor er seine erste Stelle als Gemeindepfarrer annahm: Damals war er in der Innenstadt Kassels tätig. „Es war ein Problemgebiet: 38 Prozent Arbeitslosigkeit, Drogen und Rotlichtmilieu“, erinnert sich zur Nieden. Gerne hätte er diese Gemeinde weiter betreut, da die meisten Einwohner seines Gebiets allerdings Menschen mit Migrationshintergrund und selten Christen waren, ist diese Stelle gestrichen worden.

Danach verschlug es den Gottesmann nach Baunatal, wo er sich vor allem an die Jugendarbeit zurück erinnert. Der 46-Jährige lernte in seiner Laufbahn ebenso die Arbeit des Ministeriums kennen, denn für das Hessische Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL) arbeitete er an der Landesausstellung über Philipp den Großmütigen im Landgrafenschloss.

„Dann wollte ich einen völlig neuen Bereich kennen lernen und suchte bewusst eine Landpfarrstelle“, so verschlug es zur Nieden schließlich nach Oberweimar. Dort begleitete der Pfarrer einige Projekte, unter denen er als wesentlichste Aufgaben die Kirchenrenovierungen in Allna und zuletzt in Oberweimar benennt. Zwar fehle in Oberweimar noch die Gestaltung des Außenbereichs und der Einbau der Orgel, darum muss sich jetzt aber wohl jemand anderes kümmern. Viel getan hat der Pfarrer nach eigener Einschätzung in diesen Bereichen, daher sieht er es auch als Chance für das Kirchspiel, dass er eine neue Stelle antritt: So sei wieder mehr Luft und Bedarf für engagierte Mitarbeiter.

Nicht nur wegen aufwendiger Sanierungen sieht zur Nieden sein Kirchspiel gut aufgestellt für das Kommende: Der Posaunenchor blüht und wächst“, hier biete man dem Nachwuchs, der nicht zur „Musikschulklientel“ gehöre eine instrumentale Ausbildung. Ebenso seien Singkreis, Kirchenkreis und Kindergruppe Selbstläufer, die sich alleine sehr gut organisieren.

Der Pfarrer hebt an seiner Arbeit in Weimar hervor, dass er im seelsorgerischen Bereich tätig werden konnte. „Das ist keine besondere Leistung, ich habe nur die Zeit, weil ich eine relativ kleine Gemeinde betreue. Daher habe ich viele Hausbesuche machen können, das gibt eine besondere Intensität der Bindung“. Oft sei er auch bei an Sterbebetten gerufen worden. Ihm sei der Brauch wichtig, mit der Familie am Bett des Sterbenden zu beten. „In der Stadt erfährt man von Todesfällen meistens erst durch den Bestatter“. In Weimar sei auch sein Angebot angenommen worden, ihn nachts zu rufen.

Jeder Mensch glaubt anders

„Gott gibt verschiedene Dosen an Glauben“, ist zur Nieden nach seinen Erfahrungen überzeugt. Er habe unterschiedliche Gruppen von Menschen kennen gelernt: Engagierte, die den Pfarrgarten ehrenamtlich aufräumten und andere die jeden Sonntag in die Kirche gehen. „Das ist in Ordnung. Viele Leute bilden die Kirche und alle auf sehr unterschiedliche Weise“.

Auf unterschiedliche Weise müsse der Pfarrer daher auch der Gemeinde begegnen: „Das Evangelium bleibt gleich, aber verschiedene Situationen erfordern verschiedene Antworten“. Für seine Arbeit könne er sich daher nichts anlesen und es genau umsetzen. So habe er bei einer früheren Stelle in den Räumen der Kirche für die Jugend eine LAN-Party organisiert. „Heute und hier würde ich das nicht machen“, auf die Kirchengemeinden müsse man unterschiedlich reagieren, daher war für ihn die Landpfarrstelle eine neue Herausforderung. Dennoch fand zur Nieden in Oberweimar die Möglichkeit, seinen „Ausgleichssport“ zu integrieren. Er spielt in der Rockcoverband „Overback“ und ist mit der Band im Rahmen des 850. Geburtstags von Oberweimar im vergangenen Jahr in der Kirche aufgetreten. Auch in anderen Punkten habe man das Jubiläum auf eigentümliche Weise gefeiert und „unglaubliche Projekte“ umgesetzt: Neben Konzerten unter anderem ein Theaterstück und eine historische Wanderung. „Ich habe nicht viel mehr getan, als nicht im Weg zu stehen“, es sei unglaublich, was geschehen kann, wenn man es zulasse. Dabei hat zur Nieden doch mehr getan: er beteiligte sich aktiv, indem er etwa als Schauspieler bei dem Theaterstück mitwirkte.

Für sein neues Amt hat zur Nieden sich nicht beworben, „ich wollte nicht hier weg, es gibt keinen Grund dafür“. Schließlich sei er aber zum Pfarrer der Kirchengemeinde am Rotenberg und damit zum Dekan für die Kernstadt berufen worden. „Es wird eine Umstellung: Ich werde sicher weiterhin viel predigen, aber den Konfirmandenunterricht und den Schulunterricht in Cyriaxweimar vermissen“. Stattdessen wird er zukünftig reformieren, verwalten und repräsentieren müssen.

Seinen letzten Abschlussgottesdienst leitete zur Nieden am Sonntag, 17. Januar um 10 Uhr in Oberweimar. Dabei berührt ihn besonders, dass er bei seinem Abschied den gleichen Predigttext hat, wie bei seinem Bewerbungsgottesdienst vor sechs Jahren.Im Anschluss daran überraschten die Oberweimarer ihren Pfarrer mit einer Feier, zu der zahlreiche Mitglieder des Kirchspiels erschienen. Sie überreichten zur Nieden einen Scheck, der den Einbau der Orgel mitfinanzieren soll.

Patricia Kutsch, Patricia Kutsch

Patricia Kutsch - Ich bin in Marburg geboren und lebe noch heute im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Von 2005 bis August 2010 war ich dort für die ...

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