
- Marienlieder mit Drehorgelbegleitung - Ruth Weitz
Die Verehrung der Gottesmutter Maria in der christlichen, vor allem römisch-katholischen Kirche, drückt sich in verschiedenen Marienfesten aus. Gerade das Fest von Mariä Himmelfahrt am 15. August ist eng mit Traditionen des Brauchtums verbunden, das in ländlichen Gebieten noch intensiv gepflegt wird. Der katholische Feiertag wird auch „Großer Frauentag“, „Maria Würzweih“ oder „Büschelfrauentag“ genannt. Warum gerade dieses Fest mit der Kräuterweihe verbunden ist, gründet sich auf Spekulationen.
"Legenda aurea" beschreibt betörenden Duft
Nach der „Legenda aurea“ , dem ökonomischen Heiligenlexikon, hatte ein Engel bestimmt, dem Leichnam Mariens eine Palme vorauszutragen. Als Christus selbst drei Tage nach dem Tod seiner Mutter auf Erden erschien, um sie auf ihrem Weg in den Himmel zu begleiten, berichtet dieselbe Legende, habe sich ein betörender Duft verbreitet. In einer weiteren Legende ist beschrieben, dass sich im Grab Mariens nur Rosen befunden hatten, nachdem es später geöffnet worden war. Wahrscheinlicher ist es, dass die Getreidereife und Hochblüte der Natur in Verbindung zu Maria gebracht wurden, die traditionell als "Blume des Feldes und Lilie in den Tälern" (Hoheslied 2, 1) verehrt wurde. Seit dem fünften Jahrhundert gilt die Gottesmutter als "guter und heiliger Acker", der eine göttliche Ernte bringt. Daraus entwickelte sich die Darstellung Maria im Ährenkleid.
Heilige Zahl Sieben
Die Symbolhandlung - mit Gottes Hilfe die Kräfte der Natur zu Gunsten von Mensch und Tier einzusetzen - bezog auch die Anzahl und die Auswahl der Kräuter ein. Ihre Anzahl betrug - landschaftlich und zeitlich unterschiedlich - zwischen sieben oder 99 Kräutern. Die Zahl Sieben gilt als alte heilige Zahl wie auch die Neun (Drei mal Drei), aber auch zwölf, 24, 72 oder gar 99 sind überliefert. Die meist verwendeten Kräuter sind Johanniskraut, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Tausendgüldenkraut, Eisenkraut, und gelegentlich Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Alant, Klee und die verschiedenen Getreidearten. Sie sollen die Zusammenhänge zwischen Heil und Heilung vermitteln. Wenn die ersten Baum- oder Strauchnüsse (Wal- und Haselnüsse) reif waren, schenkte man sie den Kindern am 15. August, am Fest Mariä Himmelfahrt, als Mariennüsse.
Marienlieder am 15. August
Das Singen von Marienliedern zur Ehre der Muttergottes und in der Hoffnung, von der Stärke Mariens Kraft und Trost zu erfahren, wird am 15. August ebenfalls gepflegt. In den überwiegend katholischen Landstrichen der Bundesrepublik, besonders in Südbayern, ist dies mit kirchlichen Prozessionen verbunden. Auch in Unterfranken lebt diese Tradition wieder auf. Zum Beispiel nutzte der Frauenkreis in Wörth am Main den Feiertag am 15. August 2010, um zur Marienkapelle am Waldrand zu pilgern und Marienlieder zu singen, die im katholischen Gesangbuch Gotteslob aufgeführt sind. Begleitet wurden sie mit Drehorgelklängen.
Die Melodien dazu hatte sich der „Leierkastenmann“ Adolf Kraich eigens auf Walzen schreiben lassen, die in das mechanische Instrument eingelegt werden und durch die entsprechende Drehgeschwindigkeit Ton und Rhythmus in Einklang bringen. „Gegrüßet seist du, Königin, oh Maria, erhabne Frau und Herrscherin…“, war das erste Lied, das am Waldrand hoch über dem Maintal erklang. Dass Maria nicht nur die Mutter Gottes war, sondern eine starke Persönlichkeit, eine temperamentvolle Frau, erläuterte Adolf Kraich mit einem Text aus einer Marienbiografie, die sich vordergründig mit der Person der Gottesmutter befasst und sich nicht allein auf die enge Verbindung mit Jesus konzentriert.
