
- Marianne Gruber/Bellissimas Orientpalast - Marianne Gruber
Mit ihrem Bellissimas Orientpalast betreibt Marianne Gruber im Wiener Bezirk Hernals einen der größten Läden für Bauchtanz-Zubehör in Europa. Nebenbei organisiert sie Tanz Veranstaltungen, tritt selbst auf und gibt auch Unterricht. Sie gilt als profunde Kennerin der österreichischen Orientalischen Tanzszene und deren Entwicklung im Laufe der Jahre.
suite101.de: Frau Marianne Gruber, Sie gelten in Österreich als Kennerin der Orientalischen Tanzszene. Ist der in den neunziger Jahren eingetretene Bauchtanz-Boom mittlerweile verebbt oder werden einfach Veranstaltungen und Angebote rund um den Orientalischen Tanz nicht mehr bewußt wahrgenommen?
M.Gruber: Ich denke, daß der Boom noch lange nicht verebbt ist, momentan ist eher eine Sättigung eingetreten, da zu viele Veranstaltungen angeboten werden und das Interesse auch etwas schwächer geworden ist. Der Boom generell hält sicher noch weiter an. Vielleicht trennt sich auch ein bißchen "Die Streu vom Weizen" - bei manchen geht es zurück, bei anderen boomt es geradezu.
suite101.de: Mittlerweile gibt es ein breites Angebot von Tanzstudios und TänzerInnen, die Unterricht im Orientalischen Tanz anbieten. Gibt es hierbei eine friedliche Zusammenarbeit oder kommt es mitunter auch zu Konflikten zwischen den Anbietern?
M.Gruber: Ich habe den Eindruck, daß jeder lieber "seine eigene Suppe kocht". Zusammenarbeit gibt es kaum, da ist der Konkurrenz-Neid doch zu groß. Es könnte ja dann die eine oder andere Schülerin abwandern. Konflikte kann ich selbst nicht feststellen. Eine friedliche Zusammenarbeit sehe ich nicht, aber ein friedliches Nebeneinander
suite101.de: Sie Sind Inhaberin des Orientpalastes, treten auch als Tänzerin auf und unterrichten auch selbst. Zudem sind Sie auch gern gesehener Gast in diversen Talk-Shows im In- und Ausland. Ihre Fangemeinde ist groß. Wie gehen sie mit allfälligen kritischen Stimmen bzw. mit Neidern um?
M.Gruber: Da ich selbst ein Mensch bin, der sich auch gerne am Erfolg anderer erfreut, bin ich wahrscheinlich eher blind, was Neid mir gegenüber betrifft. Wahrscheinlich gibt es den aber schon, nach dem Motto" Neid muß man sich erarbeiten, Mitleid bekommt man geschenkt", sehe ich Neid auch gar nicht so negativ. Kritische Stimmen können nie schaden, nur wenn sie nur hinten rum existieren habe ich nichts davon. Ich vertrage es auch, daß man mir kritisch gegenübertritt. Nur so kann man an sich arbeiten und sich weiterentwickeln. Allerdings ist es schon sehr relevant, von wem diese kritische Stimme kommt. Wenn es jemand ist, der selbst gut und erfolgreich ist, freu ich mich sehr über Kritik und nehme sie auch dankbar an. Hat der Kritiker jedoch selbst wenig Ahnung von der Materie, interessiert mich diese Kritik nicht, da sie eher aus Neid heraus entstanden ist. Und da sage ich mir immer: "Jeder darf es ja nachmachen, wenn er kann...."
suite101.de: Sie beziehen Ihre Ware direkt aus Ägypten. Hat der Umstand, dass der Preis für Ägyptenreisen enorm gesunken ist, Auswirkungen auf den Handel mit Waren rund um den Orientalischen Tanz in Österreich?
M.Gruber: Prinzipiell ist der Marktanteil der Ware, die aus ägyptischen Bazaren bezogen wird, nicht zu unterschätzen. Das war aber auch in der Vergangenheit nicht anders. Ich selbst grenze mich mit meiner Ware ab, da ich nur Sachen von namhaften Schneidern beziehe und die Erfahrung gemacht habe, daß die Ware die in Touristen-Bazaren angeboten wird, eher für den Fasching als zum ernsthaften Trainieren tauglich ist. Die in Touristen-Bazaren gekauften Kostüme halten nicht besonders lange. Ich habe viel Mühe, extra alles für mich anfertigen zu lassen. Dennoch lohnt es sich, denn meine Qualität ist unvergleichlich. Natürlich auch etwas teurer, aber wenn die Damen oft bis zu zehn Jahren jede Woche mit dem gleichen Outfit tanzen und es entsprechend strapazieren und die Ware immer noch in Ordnung ist, spricht das ohnehin für sich.
suite101.de: Als Geschäftsfrau, Tänzerin und Veranstalterin kann man Sie getrost als Allrounderin nennen. Kommt hierbei das Privatleben zu kurz oder beziehen Sie Ihren Partner in Ihre Aktivitäten mit ein?
M.Gruber: Erfreulicherweise habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht und meine Arbeit ist auch mein Privatleben - gibt es etwas Schöneres?
suite101.de: Ein namhafter deutscher Orientalischer Tänzer hat vor ein paar Monaten in seinem Blog eine Diskussion über das angemessene Alter, in dem eine Tänzerin nicht mehr die Bühne betreten soll, losgetreten und damit heftige Kontroversen in der Orientalischen Szene losgelöst. Wie stehen Sie zu der Thematik?
M.Gruber: Ich zitiere hier aus der Bibel: "Wer selbst ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein". Dieser Mann, der sich so über unsere Weiblichkeit mokiert hat, darf gerne mal sich selbst gegenüber kritisch sein, bevor er dermaßen unqualifiziert über andere urteilt.
Er selbst ist auch nicht mehr ganz jung, er könnte somit auch bei sich selbst diese "Zensur" ausüben, was er wohl nicht bereit ist, zu tun. Es ist auch anmaßend, zu bestimmen, wer auf die Bühne darf und wer nicht. Das Wichtigste ist doch die Freude und der Spaß und der kommt garantiert rüber. Wenn vom Publikum solche Begeisterungsstürme kommen, dann kann es wohl nicht falsch sein, wenn die Tänzerinnen nicht dem Model-Maß entsprechen oder eine Altersgrenze überschritten haben. Im Orient selbst gab es immer Tänzerinnen mit großem Erfolg, die nicht mehr jung waren. Mein ägyptischer Tanzlehrer Taha Musa, dem ich sehr viel verdanke, hat einmal gesagt: "Erst eine voll erblühte Rose entfaltet ihren Duft“. Warum soll man sich dann einer Altersbeschränkung unterwerfen? Ich hab eine Freundin, die ich immer einlade, bei mir zu tanzen. Sie ist jetzt 68 Jahre alt und hat vielfach mehr Applaus und Bewunderung als Tänzerinnen, die halb so alt sind wie sie.
suite101.de: Die Zahl der Orientalischen Tänzerinnen die in Wien auftreten ist im steigen. Ist der Markt für Orientalischen Tanz in Wien dadurch mittlerweile zu klein oder bedient jede Tänzerin ein eigenes Klientel?
M.Gruber: Hier muß man - glaube ich - etwas differenzieren. Der Markt ist garantiert sehr sehr heiß umkämpft, zumindest in Restaurants. Da sind die Gagen mittlerweile kaum höher als ein Trinkgeld, da auch von den Nachbarstaaten enormer Zuzug an meist sehr guten, aber gleichzeitig billigen Tänzerinnen stattfindet. Sonst kann man sicher auch sagen, daß im privaten Kreis sich jede Tänzerin ihren kleinen "Kundenstamm" geschaffen hat.
suite101.de: Sie haben in Ihrer Laufbahn immer wieder Mut zu Neuem bewiesen. Haben Sie sich schon mit dem Gedanken gespielt ein Orientalisches (Tanz-) Lokal zu eröffnen?
M.Gruber: Ja, ehrlich gesagt, hab ich schon mal von einem Club oder einem "Cafe Oriental" geträumt, aber ich habe einfach keine freien Kapazitäten dafür, so reizvoll es auch ist.
suite101.de: Haben Sie für 2012 schon Veranstaltungen, wie den Carneval Oriental geplant und wird es mitunter Überraschungen für Ihre Fan-Gemeinde geben?
M.Gruber: Selbstverständlich wird es 2012 auch wieder eine Show geben, nachdem die letzte ja binnen einer Woche ausverkauft war. Die Wiederholung war auch wochenlang im Voraus bereits ausgebucht. Wir arbeiten schon an einem neuen wunderschönen Programm. Es macht uns allen unheimlich Spaß und das Publikum wird wieder total begeistert sein.
Quellen: http://www.orientpalast.at/
