Marie Antoinetts Persönlichkeit

Man hatte sie für viele Missstände verantwortlich gemacht, doch erst im Unglück offenbarte sich ihre wahre Persönlichkeit.

Marie Antoinette wurde von der Geschichte mitgerissen ohne die Ereignisse zu verstehen. Sie war ein ganz normaler Mensch in einer außergewöhnlichen Situation. Es war ihr Schicksal in der entscheidendsten Phase der französischen Geschichte mit dem König von Frankreich verheiratet zu werden.

Dennoch scheiden sich bei ihr die Geister: war sie ein Engel, oder ein Monster? Jungfrau oder Hure? Eine leichtfertige Person oder eine materialistische Intrigantin?

Marie Antoinette im Hause Österreich

Sie war ein sehr unbekümmertes Kind, das Musik und Tanz liebte. Sie war sehr anhänglich, aber auch ein wenig oberflächlich. Maria Theresia vernachlässigte ihre Erziehung, da sie nicht dachte, dass etwas Großes aus ihr werden würde. Sie fand Maie Antoinette reizend, aber auch ziemlich unbedeutend.

Vorsichtig äußerte sich jedoch Abbe über die Kenntnisse und Lernfreude seiner Schülerin:

„Sie hat mehr Verstand, als man lange bei ihr vermutet hat, doch leider ist dieser Verstand bis zum zwölften Lebensjahr an keine Konzentration gewöhnt worden. Ein wenig Faulheit und viel Leichtfertigkeit haben mir den Unterricht bei ihr noch erschwert. Ich begann während sechs Wochen mit den Grundzügen der schönen Literatur, sie fasste gut auf, urteilte richtig, aber ich konnte sie nicht dazu bringen tiefer in die Gegenstände einzudringen, obwohl ich fühlte, dass sie die Fähigkeit dazu hätte. So sah ich schließlich ein, dass man sie nur erziehen kann, indem man sie gleichzeitig unterhält.“

Fast wörtlich werden noch zehn, noch zwanzig Jahre später alle Staatsmänner über diese Denkunwilligkeit bei großem Verstand, über dieses gelangweilte Davonhuschen aus jedem gründlichen Gedanken, klagen.

Die Autoren Stefan Zweig und Antonia Fraser über Marie Antoinette

Stefan Zweig beschrieb sie als eine durchschnittliche Frau ohne besondere Charakterstärken. Seiner Ansicht nach war sie leichtfertig, eher passiv und sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, da sie kaum jemals einen Schritt aus ihrer sehr begrenzten, luxuriösen Welt getan habe. Er betont aber auch, dass Marie Antoinettes Sturz, ihre Leiden und Demütigungen sie zu einer verantwortungsbewusst und mutig handelnden Frau hätten reifen lassen. Und so sah Stefan Zweig in Marie Antoinette eine im Grunde gewöhnliche Frau die ihre von historischen Zufällen bestimmte Rolle erfüllen musste.

Antonia Fraser sieht in Marie Antoinette eine Frau, die mit der ihr zugedachten Rolle überfordert war und die Zeichen der Zeit schlichtweg übersehen hat.

Das Leben in Versailles

Sie war ein unschuldiges Mädchen, das die beste Partie Europas heiraten sollte. Man hatte ihre den Versaillerhof als ein wahres Märchenland beschrieben, doch sie wurde auf das Äußerste enttäuscht, denn sie hatte keine Ahnung was sie erwartete.

Zu den Überraschungen, die Marie Antoinette in Versailles erlebte, gehörte die Tatsache, dass sie niemals allein sein durfte. Das begann schon am morgen, wenn sie die Augen öffnete. Ihr Leben spielte sich wie auf einer Theaterbühne ab, dieser ständige Druck war für sie schwer zu ertragen.

Das Leben in Versailles war eine nicht enden wollende Abfolge von immer gleichen Ritualen und Formalitäten. Alles war zeremoniell festgelegt. Um bei diesen ganzen Zwängen bei Laune zu bleiben verlegte sich Marie Antoinette auf ein immer auffälliger werdendes Äußeres. Marie war von der Mode besessen, besonders von meterhohen Frisuren, die Stunden um Stunden erforderten. Auf viele Menschen wirkte dies obszön, sie versinnbildlichten alles was mit ihr, Versailles und der Kultur nicht stimmte.

Dies erweckte den Zorn ihrer Mutter in Wien, die sie in vorwurfsvollen Briefen zurecht wies:

„Lassen Sie sich nicht zu Spott hinreißen. In Ihrem Alter verzeiht einem die Welt viele Leichtfertigkeiten und kindische Handlungen, doch letztendlich werden Sie dafür büßen müssen. […] Versuchen Sie sich doch den Kopf mit guter Lektüre zu füllen, Sie ist für sie notwendiger als für jeden anderen. […] Die Liebe anderer zu gewinnen, ist eine Gabe, die Sie perfekt beherrschen. Gefährden Sie sie nicht, indem Sie Ihr gutes Herz, Ihre Aufrichtigkeit und Liebenswürdigkeit verlieren. Sie verdanken Sie weder Ihrer Schönheit, die so groß nicht ist, noch ihrer Kultur. Sie wissen genau, dass Sie weder das eine, noch das andere besitzen. […]“

„Wie ich höre haben sie Armbänder gekauft und ihre Finanzen in Unordnung gebracht. Es ist schön und gut mit der Mode zu gehen, aber eine Gutaussehende Königin sollte vor allem mit Charme ausgestattet sein. Eine schlichte Toilette ist ihrem Rang angemessener, eine Königin entwürdigt sich nur. […] Ich, die ich meine kleine Königin liebe und über jeden Schritt wache, darf nicht zögern, Sie wegen Ihres Leichtsinns zu warnen.“

Marie Antoinette während der französischen Revolution

Die Königin veränderte sich im Verlaufe der französischen Revolution. Sie gab sich weniger ihren Vergnügungen hin und widmete sich viel stärker der Politik.

“Der König hat nur einen Mann, auf den er sich verlassen kann: seine Frau.“, schrieb ein Revolutionär. Sie zeigte sich entschlossen, wenn er schwankte. Sie bewies Mut, wo er zögerte. Trotz ihrer Bemühungen wurde 1792 die königliche Gewalt per Gesetz abgeschafft.

In jenen Tagen sah mal den König täglich in den Gemächern der Königin – weinend. Er hielt den Druck nicht aus. 1787 hatte er so etwas, was wir heute einen „Nervenzusammenbruch“ nennen würden. Marie Antoinette erkannte, dass sie stark sein musste, für die Zukunft ihrer Kinder und die der Monarchie, an die sie, auf Grund ihrer Erziehung, fest glaubte.

Einmal vertraute die Königin einem Freund mit einem traurigen und nachdenklichen Blick an, dass sie eine jämmerliche Ehe führe. Ich denke, sie war verzweifelt. Sie sehnte sich nach körperlicher Erfüllung, stattdessen ging Sie tanzen, liebte das Glücksspiel und wandte sich leblosen Dingen wie Juwelen und schönen Kleidern zu.

Im Grunde war es jedoch Marie Antoinettes hochmütige harte, diese unerschütterlich starre Haltung gegen die Revolution, die ihr zum Verhängnis wurde. Sie empfand entgegen vieler Befürchtungen nicht den geringsten Hass gegenüber einem Großteil ihres Volkes, denn sie sah dieses als ein durchaus gutartiges, doch nicht sehr vernünftiges Wesen an. Dieses Nichtverstehenwollen war Marie Antoinettes historischer Fehler.

Die seelische Wahrheit Marie Antoinettes liegt hier, wie meist, in der Nähe der Mitte. Sie war vermutlich weder die große Heilige des Royalismus noch die Dirne der Revolution.

Quellenangaben

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Antoinette
  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Theresia
  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_XVI.
  4. http://de.wikipedia.org/wiki/Franz%C3%B6sische_Revolution
  5. http://www.dieterwunderlich.de/Marie_Antoinette.htm
  6. http://www.maedchenrat.ch/frauengalerie-marie-antoinette.html
  7. Stefan Zweig: Marie Antoinette. Bildnis eines mittleren Charakters
  8. Antonia Fraser: Marie Antoinette
  9. Geo Epoche: Die Habsburger