
- Cover - avant-verlag
Die Hamburgerin Marie Pohl alias Marijpol debütiert mit ihrer Graphic Novel Trommelfels im avant-verlag. Sie hat Visuelle Kommunikation und Illustration an der Hochschule für bildende Kunst und an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg studiert. Zudem hat sie ein Semester lang die Bezalel Academy in Jerusalem besucht. Marijpol lebt und arbeitet in Hamburg.
Archäologie mal anders
Ein alterndes Forscherpaar erhält eine letzte Bewährungsprobe. Nachdem sich der nervlich labile Holger einen Ausrutscher erlaubt hat, bekommen er und seine Frau Rosemarie eine letzte Chance. Eine archäologische Grabung fördert rätselhafte Funde zu Tage und sie sollen die Arbeiten der Studenten überwachen.
Zunächst entlarven die Archäologen vermeintliche Artefakte als versteinerten Kot. Schrittweise häufen sich dann aber die Hinweise auf eine unterirdische Zivilisation. Holger und Rosemarie beobachten nachts seltsame Kreaturen, die eine mysteriöse Puppe hinterlassen, was die beiden als Indiz für schöpferisches und intelligentes Leben ansehen.
Das Experiment
Um ihren offiziellen Forschungsauftrag fortzusetzen, lassen sie sich schließlich auf ein riskantes Experiment ein: Wie lange kann ein Mensch ohne Licht und Kontakt zu Menschen unter Tage in einer Höhle leben? Die junge Altenpflegerin Miriam meldet sich freiwillig für das Forschungsexperiment, weil sie in diesem Projekt eine ersehnte Ruhepause erhofft. Doch dann wird sie mit einer unvorstellbaren Überraschung konfrontiert.
Schwache Erzählung
Marijpol entpuppt sich als keine gute Erzählerin. Schon nach wenigen Seiten wirkt die Geschichte recht krude. Zudem wirkt die Erzählung nicht homogen, sondern wie zwei Kurzgeschichten – das Forscherpaar auf der einen und die Altenpflegerin auf der anderen Seite. Die Autorin wartet zwar immer wieder mit guten Ideen auf, aber die überraschenden Wendungen und der absurd angelegte Humor wollen nicht zünden. Letztlich wirken selbst die Phantasiewelt und die Figuren nicht überzeugend.
Schwache Illustration
Auch als Illustratorin kann Marijpol nicht überzeugen. Ihre kräftige Strichführung wirkt hölzern und steif. Die schwarzweißen Zeichnungen haben zudem das Manko, dass die Zeichnerin ihre Bleistiftvorzeichnungen nicht vollständig wegradiert hat, wodurch unnötigerweise überflüssige Striche sichtbar sind, was die Qualität der ohnehin nicht herausragenden Zeichnungen um ein weiteres schmälert.
Auch wenn im Ansatz gute Ideen in Trommelfels vorhanden sind – zum Beispiel das Forschungsexperiment –, kann Marijpol mit ihrem Debüt nicht überzeugen. Weder die krude Geschichte noch die mangelhafte Illustration können den Leser mitreisen oder begeistern. Auf der Verlagsseite ist es natürlich lobenswert, den deutschen Nachwuchs zu fördern, aber Trommelfels ist ein Beweis dafür, dass nicht alles, was mit „Graphic Novel“ etikettiert wird, gleichzeitig gut ist.
Wertung: 1,5 von 5
Marijpol: Trommelfels. avant-verlag, 2011. Softcover, 112 Seiten. Euro 19,95.
