Wohl ihre berühmteste Fotografie, eine Filmszene aus „Das verflixte 7. Jahr“. Marilyn steht über einem vergitterten Lüftungsschacht. Das weiße Kleid schmiegt sich über ihren üppigen Busen. Der Windstrom weht ihr das Kleid in die Höhe und lässt ihre schlanken Beine sehen. Sie drückt kokett den weichen Stoff an die Schenkel und zeigt dieses bezaubernde Lächeln. So kannten und liebten sie Millionen Menschen zwischen Los Angeles und Sydney.
In ihren Filmen spielte Marilyn Monroe immer nur das naive Mädchen
Sie war die Stilikone der fünfziger und sechziger Jahre. Millionen Männerherzen lagen ihr zu Füßen. Sie war reich und berühmt, wie keine andere Schauspielerin vor ihr. Doch wofür wurde sie geliebt? Für ihre schauspielerischen Leistungen sicher nicht. Kein einziger ihrer Filme lässt sich mit dem Prädikat "Kunst" bezeichnen. Marlene Dietrich oder Sofia Loren verehrte man aufgrund ihres Könnens auf der Leinwand, aber nicht Marilyn Monroe. Hollywood hatte sich eine andere Rolle für den blondierten Star aus Kalifornien ausgesucht. Sie sollte das „leichte Mädchen“ spielen, in deren Kopf sich alles nur um Männer und das eigene Aussehen dreht.
Verwandlung vom Mädchen Norma Jean zu Marilyn Monroe
Dafür nahm sie einen lagen Weg auf sich. Zumindest formal und äußerlich. Sicher, hübsch war sie schon bevor sie Marilyn Monroe heiß. Krauses braunes Haar hatte sie als sechzehnjährige Norma Jean. Das passte irgendwie besser zu ihr, sah natürlicher aus. Doch für eine Hollywoodkarriere brauchte es dann etwas mehr, als natürlich auszusehen. Die Nase richten lassen etwa und die Zähne dazu. Auch ein kamerataugliches Lächeln musste sie erstmal emsig antrainieren. Ganz zu schweigen von den glatten blonden Haaren, die ja auch ihre Pflege brauchen.
Sexsymbol, das lieber als ernsthafte Schauspielerin wahrgenommen werden wollte
"Ich wusste, dass ich in die Öffentlichkeit und in die Welt gehörte, aber nicht etwa, weil ich talentiert oder schön war sondern, weil ich nie zu etwas oder jemand anderen gehörte", lautet eines ihrer berühmten Zitate. Sicher, in die Öffentlichkeit hatte sie es geschafft. Doch die Bedingungen der Massen waren nicht ganz nach Marilyns Geschmack. Das Amerika der 50er Jahre schrie nach einem Star wie Marilyn Monroe. Nach einem schillernden Sexsymbol, das die Fantasien der Männer befriedigte. Und nach einer ernsten Schauspielerin?
Marilyn beklagte sich oft darüber, dass sie niemand als ernsthafte Schauspielerin wahrnahm Vor allem das Seximage störte sie. Zu dem berühmten Filmfoto aus „Das verflixte 7. Jahr“ sagte sie: „Die Leute hatten die Gewohnheit, mich anzuschauen, als sei ich eine Art Spiegel und keine Person. Sie sahen nicht mich, sondern ihre eigenen lüsternen Gedanken, und dann spielten sie selbst die Unschuldigen, indem sie mich als lüstern bezeichneten“.
Die Öffentlichkeit hatte ihr Urteil gefällt
Doch was konnte sie dagegen tun? Wie sollte sie sich in einer männerdominierten Welt durchsetzen? Da half auch kein Schauspielunterricht beim berühmten Lee Strasberg, sie bekam weiterhin nur „Püppchenrollen“. Doch wenn es doch nur diese Filmrollen gewesen wären. Denn auch im öffentlichen Leben glaubte niemand so recht, dass in dem „blonden Püppchen“ auch ein ernsthaft denkender Mensch stecken könnte.
Ganz nach dem Motto „Schuster bleib bei deinen Leisten“ spottete die Presse über alles, wofür sich die Schauspielerin interessierte. Marilyn trüge Bücher von James Joyce und Dostojewski mit sich herum, um sie bei der passenden Gelegenheit in die Kamera zu zeigen, hieß es bei Klatschreportern. Bei den Dreharbeiten zu „All About Eve“ sah der Regisseur Joseph L. Mankeiwicz Marilyn mit einem Gedichtband von Rilke. Ganz verwundert darüber fragte Mankeiwicz die Schauspielerin, wie sie gerade auf Rilke komme. Sie habe ihr ganzes Leben lang nicht sonderlich viel gelesen, sagte Marilyn, und wisse einfach nicht wo sie anknüpfen solle. Das war die Antwort eines Menschen, der ernst genommen werden will.
Nach ihrem Tod: Weiterhin Inbegriff für Sexappeal und Schönheit
Und auch Jahre nach ihrem Tod bleibt der Name Marilyn Monroe nur ein Symbol für Sex und Schönheit. Die Zeitschrift Playboy ernannte Marilyn Monroe 1999 zum Nummer eins Sexstar des 20. Jahrhunderts. Ebenso das People Magazin, das sie im selben Jahr zur „Sexiesten Frau des Jahrhunderts“ wählte.
„Irgendwann werde ich ein großer Filmstar sein“, lautet ein weiteres ihrer Zitate. Doch es sind nicht ihre Filme, dank derer sich die Welt an Marilyn Monroe erinnert.
