Mario Adorf – der Patriarch des deutschen Films wird 80 Jahre alt

Der Schauspieler Mario Adorf - Henkel KGaA
Der Schauspieler Mario Adorf - Henkel KGaA
Mario Adorf wird 80 Jahre alt. Der Schauspieler überzeugte in vielen Rollen als Bösewicht, Patriarch und kantiger Charakterdarsteller.

Wenn es einen Prototypen des Bösewichts und bärbeißigen Patriarchen im deutschen Film und Fernsehen nach dem Zweiten Weltkrieg gibt, ist es Mario Adorf. Der voluminöse, deutsch-italienische Charakterdarsteller spielte alles vom deutschen Nachkriegskino über europäische Massenware und Hollywood-Produktionen bis zum Neuen Deutschen Kino. Am 8. September 2010 feiert er seinen 80. Geburtstag.

Maria Adorf – bekannt u.a. aus Produktionen von Dieter Wedel und Helmut Dietl

Geht es um große Rollen für Mario Adorf, sind es sicherlich die Patriarchen in den TV-Meilensteinen von Dieter Wedel und Helmut Dietl, die man mit ihm verbindet. Bei Dietl spielte er den medienhungrigen Klebstofffabrikanten Haffenloher in der Kultserie "Kir Royal" (1986) sowie einen Schicki-Micki-Restaurantbesitzer in "Rossini" (1997).

Mit Wedel überzeugte er neben "Der Schattenmann" (1996) und "Die Affäre Semmeling" (2002) vor allem als Kaufhausbesitzer und Familienpatriarch Peter Bellheim in "Der große Bellheim" (1993) – eine Rolle, die er vielfach belegte, z.B. als sadistischer Familientyrann in "Via Mala" (1984) oder als griesgrämiger Opa im TV-Remake von "Der kleine Lord" (2000).

Mario Adorf – der Prototyp des Bösewichts in Film und Fernsehen

Mario Adorf wurde am 8. September 1930 als Sohn einer deutschen Röntgenassistentin und eines italienischen Chirurgen in Zürich geboren. Als uneheliches Kind wuchs er bei seiner Mutter in Mayen in der Eifel auf. Ab 1950 studierte er in Mainz Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musik und Theater, boxte in der Studentenstaffel und trat auf der Studentenbühne auf.

1953 arbeitete er als Statist und Regieassistent am Schauspielhaus Zürich und als Schauspielschüler an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Von 1955 bis 1962 gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Nach einigen kleinen Filmrollen wurde er 1957 über Nacht als psychopathischer Frauenmörder in "Nachts, wenn der Teufel kam" von Robert Siodmak berühmt, für die er den ersten Bundesfilmpreis bekam.

Von nun an war der stämmige, dunkelhaarige und vollbärtige Mime auf die Rollen als Bösewicht festgelegt, und wegen seines südländischen Aussehens häufig auf Mafiosi, Mexikaner, Araber und Bandenchefs. So spielte er z.B. in der ersten Karl-May-Verfilmung "Winnetou I" (1963) den Schurken Santer, der Winnetous Schwester Nscho-tschi tötete.

Mario Adorf – Erfolge auf der Leinwand in Europa und Hollywood

Bereits in den 1960er Jahren, als sich das kommerzielle deutsche Kino in einer Krise befand und von den 1968er-Autorenfilmern abgelöst wurde, setzte Adorf seinen Erfolgsweg im Ausland fort. In Italien und Frankreich drehte er viele Genrefilme, darunter Western, Horrorstreifen, Krimis, Agentenfilme, Psychothriller wie den Giallo "Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe" (1969) von Dario Argento und unzählige Mafia-Thriller.

Neben anderen Deutschen wie Gert Fröbe, Horst Buchholz, Horst Frank und Hardy Krüger füllte er in diesen internationalen Kinoproduktionen meistens den Part des Schurken aus. In "Die Ermordung Matteotis" (1973) spielte er den faschistischen italienischen Diktator Mussolini, und als Gangster lieferte er sich im Agententhriller "Unser Mann aus Istanbul" (1964) einen ansehnlichen Unterwasserkampf mit Horst Buchholz in einem Swimmingpool.

Auch in Hollywood und Europa drehte er mit großen Regisseuren wie Sam Peckinpah ("Sierra Charriba", 1964), Billy Wilder ("Fedora", 1978) und Claude Chabrol ("Stille Tage in Clichy", 1990). Bald hatte Adorf keine Lust mehr auf den stereotypen Bösewicht und lehnte Angebote in den Hollywood-Klassikern "The Wild Bunch" (1969) von Sam Peckinpah und "Der Pate" (1972) von Francis Ford Coppola ab, in denen er im US-Kino als böser Mexikaner und Mafiaboss etabliert werden und die Nachfolge von Anthony Quinn und Eli Wallach antreten sollte.

Seine Lebensrolle als Patriarch im deutschen Film und Fernsehen

Dagegen parodierte er in der deutschen Komödie "Die Herren mit der weißen Weste" (1969) seine Mafiosorolle als Bandenchef, der von einer Gruppe Rentner an der Nase herumgeführt wird. In den 1970er Jahren entdeckten die Regisseure des Neuen Deutschen Kinos die markante Gestalt Mario Adorfs. Fortan spielte er z.B. in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) und "Die Blechtrommel" (1978) von Volker Schlöndorff und in "Lola" (1981) von Rainer Werner Fassbinder.

In den 1980er Jahren schließlich gelangte der inzwischen ergraute Bestager in den Ruhm, vor allem im Fernsehen den Typen des grantigen, beherrschenden Patriarchen zu spielen, den er bis heute gerne mimt – wie jüngst den Marzipanfabrikanten Konrad Hansen im ARD-Zweiteiler "Der letzte Patriarch" (2010). Im seiner nächsten Rolle spielt der bekennende Fußballfan und Ehrenmitglied von Alemannia Aachen in "Gegengerade – Niemand siegt am Millerntor" einen kauzigen Bierbudenbesitzer am Fußballstadion vom FC St. Pauli.

Dazu taucht er immer noch in internationalen Filmen auf, ob im Fantasydrama "Momo" (1986), im Psychothriller "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" (1997), im Kinderfilm "Die Rote Zora" (2007) oder in der vierten Staffel der Mafia-TV-Serie "Allein gegen die Mafia" (1989). Dazu lieh er seine Stimme in Animationsfilmen einem Kater in "Felidae" (1993) und dem Drachen in "Dragonheart" (1996). Bisher wartet er noch auf die Verfilmung seiner Traumrolle – dem Leben von Karl Marx.

Das vielseitige Talent Mario Adorf

Doch Mario Adorf hat neben der Schauspielerei noch viele andere Seiten. Bis heute kehrt er gerne auf die Theaterbühne zurück und betätigt sich als Buchautor, Bildhauer, Sänger, Geschichtenerzähler und Schirmherr der Mayener Burgfestspiele. 2005 erschien seine Autobiografie "Mit einer Nadel bloß", eine Hommage an seine Mutter und Heimat.

Mario Adorf war in den 1960er Jahren kurzzeitig mit der Schauspielerin Liz Verhoeven verheiratet. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Stella. Seit 1985 ist er mit der Französin Monique Faye liiert.

Die Liste seiner Auszeichnungen ist sehr lang – darunter der Bambi, der Bundesfilmpreis, die Goldene Kamera, der Adolf-Grimme-Preis, der Telestar, das Bundesverdienstkreuz (1993) und das Große Bundesverdienstkreuz (2001). 2009 erhielt er zudem den Orden wider den tierischen Ernst. 2007 gehörte er zur Jury der Filmfestspiele in Berlin.

80 Jahre Mario Adorf und noch lange nicht am Ende

Großer Medienrummel ist ihm ein Gräuel, deshalb will er seinen 80. Geburtstag am liebsten im kleinen Kreis feiern. Bis heute bleibt der Halbitaliener ein erfreulich bodenständiger, humorvoller und bescheidener Mensch, anders als seiner vielen gewalttätigen, exponierten und dominanten Rollen auf der Leinwand.

Seinen 80. Geburtstag sieht Mario Adorf nur als "Durchgangsstation" auf dem Weg zu weiteren spannenden Rollen. Inzwischen ist der frühere stämmige "Junge aus der Eifel" aber längst ein großer, internationaler Charakterdarsteller, der 2010 zurecht von Medien und Publikum mit anderen "Elder Statesmen" des Kinos wie Clint Eastwood und Sean Connery für seine Leistungen gewürdigt wird.

Mehr Infos zum Schauspieler finden sich auf Mario Adorfs Website.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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