
- Bundeswehr nimmt Piraten fest - Bundeswehr
Die Hälfte der Welt-Öl-Produktion wird mit Tankern über die Wasserstraßen transportiert. In 2007 waren dies täglich 43 Millionen Barrel Öl. Die globale Energiesicherheit hängt von der Zuverlässigkeit dieser Transporte ab: Wasserstraßen sind Lebensadern der Weltwirtschaft. Werden sie durchtrennt, wird unser Wirtschaftskreislauf nicht mehr ausreichend mit lebenswichtigen Ressourcen versorgt, wie zum Beispiel mit Öl. Die strategisch wichtigen, stark befahrenen Wasserstraßen haben sechs maritime Engpässe: Sie sind ein Angriffspunkt für Terroristen und Piraten und stehen daher im Fokus der globalen Politik.
Die Straße von Hormuz
Die Straße von Hormuz ist weltweit der strategisch wichtigste Engpass. Die Meerenge liegt zwischen dem Oman und Iran und verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer. Täglich passieren durchschnittlich 15 Tanker die Meerenge und transportieren rund 17 Millionen Barrel Öl. Das sind 40 Prozent des weltweit auf See transportierten Erdöls und 20 Prozent des weltweiten Erdölhandels. Drei Viertel des japanischen Ölbedarfs passiert dieses Nadelöhr, das an der engsten Stelle nur 38 Kilometer breit ist und drei Kilometer breite Fahrrinnen hat. Das Öl stammt von Anrainerstaaten wie Saudi Arabien, Iran, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hauptabnehmer sind die USA, Westeuropa und Asien. Um die Gefahr von Kollisionen zu verhindern, werden die Schiffe wie auf einer Autobahn in circa 3 Kilometer breite inbound-Bahnen (einfahrend) und outbound-Bahnen (ausfahrend) aufgeteilt. Eine dritte Bahn trennt die beiden Bahnen.
In der Meerenge liegen die Inseln Abu Musa, Greater Tunb und Lesser Tunb. Sie sind das Ziel wiederkehrender Gebietsstreitigkeiten: Wer die Inseln beherrscht, besitzt die Macht über die Straße von Hormuz. 1992 wurden die Inseln von iranischen Truppen besetzt und als „untrennbarer Teil Irans bezeichnet“. Im Falle des Angriffs der USA auf den Iran droht Teheran mit der Schließung der Meerenge.
Die Alternative zu dieser Route durch die Straße von Hormuz ist eine fast 2.000 Kilometer lange Ost-West-Pipeline (Petroline) mit einer Kapazität von 5 Millionen Barrel pro Tag über Saudi-Arabien zum Hafen von Yanbu am Roten Meer. Die parallel laufende Abqaiq-Yanbu-Erdgasleitung hat eine Kapazität von 290.000 Barrel pro Tag. Beides bedeutet höhere Transportkosten. Zusätzlich könnte die deaktivierte Pipeline IPSA (Iraq Petroleum Saudi Arabia) genutzt werden, die über Saudi-Arabien läuft und eine Kapazität von 1,65 Millionen Barrel täglich hat.
Die Straße von Malakka
Die Straße von Malakka ist das maritime Nadelöhr zu den asiatischen Märkten und eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Rund 25 Prozent des maritimen Welthandels läuft über diese Meerenge, das sind jährlich fast 50.000 Schiffe und täglich rund 15 Millionen Barrel Öl. Die Straße von Malakka verläuft nördlich von Sumatra zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur. Sie verbindet das Südchinesische Meer und den Javasee mit dem Andamanischen Meer beziehungsweise den Pazifischen Ozean mit dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer. Es ist die kürzeste Seeroute zwischen die Öllieferanten am Persischen Golfs und Westafrika und den asiatischen Märkten wie China, Japan, Südkorea und Indonesien. An der engsten Stelle sind es nur 2,8 Kilometer und für die Schiffe bestehen hier große Gefahren von Kollisionen oder das Aufgrundlaufen. Schlechte Sichtverhältnisse begünstigen die konstante Gefahr von Piratenüberfällen und Angriffen von Terroristen. Um das Tanker-Aufkommen zu reduzieren und die Ölversorgung zu sichern, haben Malaysia, Indonesien mit saudischen und iranischen Ölfirmen in 2007 einen Vertrag für eine 7-Milliarden Dollar-Pipeline unterzeichnet. Die Pipeline soll über den Norden von Malaysia und im Süden von Thailand verlaufen.
Eine Blockade der Straße von Malakka würde bedeuten, dass fast die Hälfte der weltweiten Flotte eine andere Route nutzen müsste, zum Beispiel die Lombok Strasse (zwischen Bali und Lombok) oder die Sunda Straße (zwischen Java und Sumatra).
Der Suez-Kanal
Der ägyptische Suez-Kanal verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer und stellt eine erhebliche Abkürzung zwischen dem Nordatlantik und Asien und Vorderasien dar. Der schmale Kanal ist 190,25 Kilometer lang und kann nur einspurig befahren werden. Jährlich passieren über 3.000 Tanker den Kanal, täglich werden rund 4,5 Millionen Barrel Öl durch den Kanal geschleust. Der Großteil des Öls stammt von den Nationen am Persischen Golf und wird nach Europa und in die USA transportiert.
Eine Alternative zu dem Suez-Kanal bietet die 321 Kilometer lange Suez-Mediterranean Pipeline. Sie verläuft über Nordägypten vom Ain Sukhna zum Sidi Kerir Terminal und kann 3,1 Millionen Barrel Öl täglich transportieren. Das Schließen des Suez-Kanals und der Pipeline würde einen langen Umweg um Südafrika erfordern. Nach dem Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien in 1967 wurde der Suez-Kanal für acht Jahre geschlossen.
Bab el-Mandab
Die Meerenge Bab el-Mandab ist die Verbindung zwischen dem Arabischen Meer und dem Roten Meer. Auf der Seite des mittleren Ostens befindet sich der Jemen, auf der afrikanischen Seite Eritrea und Dschibuti. Täglich werden rund 3,3 Millionen Barrel Öl vom Persischen Golf über den Golf von Aden durch die 27 Kilometer breite Meerenge transportiert, um dann den Suez-Kanal in Richtung Europa und USA zu passieren. Ein Schließen von Bab el-Mandab würde für die Tanker einen Umweg um die afrikanische Südspitze bedeuten. Eine Alternative ist die 2.000 Kilometer lange Ost-West-Pipeline (Petroline) mit einer Kapazität von fast fünf Millionen Barrel pro Tag über Saudi-Arabien zum Hafen von Yanbu am Roten Meer. Eine große Gefahr für die Tanker stellen Piratenangriffe an den Küsten vom Yemen und Somalia dar. Zur Sicherung der Seewege ist die Bundeswehr mit der Operation Atalanta beteiligt. In 2002 wurde ein französischer Tanker von Terroristen angegriffen.
Die türkischen Straßen / Bosporus
Der Bosporus und die Dardanellen trennen Asien und Europa. Der rund 30 Kilometer lange Bosporus verbindet das Schwarze Meer und das Kaspische Meer mit dem Marmarameer, dem Ägäischen Meer und dem Mittelmeer. Rund 2,4 Millionen Barrel Öl aus der kaspischen Region (zunehmend aus Aserbaidschan und Kasachstan) nimmt diesen Weg in Richtung West- und Südeuropa. Gefahren lauern hier aufgrund der geographischen Bedingungen sowie durch Piratenangriffe. Eine klare Alternative zu dieser Route gibt es bisher nicht. Russland, Bulgarien und Griechenland haben in 2010 den Start der Öl-Pipeline Burgas-Alexandroupolis beschlossen mit einem jährlichen Transportvolumen von 257 bis 368 Millionen Barrel.
Der Panama-Kanal
Der Panama-Kanal verbindet den Pazifischen Ozean mit dem Karibischen Meer und dem Atlantischen Ozean. Jährlich wird eine halbe Million Barrel Öl und Petrolium Produkte durch diese Meerenge transportiert. Viele Tanker sind aber mittlerweile zu groß, um den schmalen Kanal zu durchfahren. Hauptsächlich wird Öl der USA in andere US-amerikanische Regionen gebracht. Hier besteht die Gefahr, dass ein Tanker Opfer von terroristischen Angriffen wird. Eine alternative Route ist ein Umweg über die Magellanstraße, Kap Horn und die Drake Passage.
Deutschland ist das weltweit zweitgrößte Exportland und auf sichere Wasserstraßen angewiesen. Das liegt auch im europäischen Interesse, denn unser Wohlstand beruht ganz wesentlich auf Energiesicherheit. Der weltweite Kampf gegen die zunehmenden Gefahren auf See durch Piraten und Terroristen wird vermutlich verstärkt werden müssen: Güter wie Öl und Gas werden aufgrund einer zu erwartenden Ressourcenverknappung kostbarer werden. Außerdem könnten Terroristen beladene Öl- oder Gastanker als schwimmende Bomben nutzen. Wie das gehen könnte, hat der britische Bestseller-Autor Forsyth in seinem Roman »Der Afghane« ausführlich geschildert.
QUELLEN
U.S. Energy Information Administration
Bundeswehr
