Mark Lawrence: Prinz der Dunkelheit

Mark Lawrence - Prinz der Dunkelheit - Heyne Verlag
Mark Lawrence - Prinz der Dunkelheit - Heyne Verlag
Der erste Band der Dark Fantasy Trilogie von Mark Lawrence überzeugt mit hohem Tempo, gruseligem Horror, dunkler Poesie und knallharter Action.

Mark Lawrence hat mit dem ersten Band seiner Trilogie einen psychopathischen Jugendlichen als Helden eingeführt, der kaum Sympathien weckt. Trotzdem funktioniert das Buch, denn der Autor versteht es, brutal-realistische Kampfszenen und düster-poetische Traumsequenzen zu einem temporeichen Abenteuer zu vermischen.

Prinz der Dunkelheit: Ein mordender Teenager kämpft um den Königsthron

Das Gefallene Reich befindet sich im Hundertkrieg. Unzählige Anwärter kämpfen um den Kaiserthron. Der 14jährige Prinz Jorg ist einer der aussichtsreichen Kandidaten, denn er ist intelligent, skrupellos und brutal. Seit er als Kind mit ansehen musste, wie Mutter und Bruder vom Grafen Renar abgeschlachtet wurden, ist Hass sein einziges Gefühl. Er zieht seitdem als Anführer eines Bande von Gesetzlosen mordend und plündernd durchs Land. Als Jorg an den väterlichen Hof zurückkehrt, will er endlich seine Rache, aber der Vater verlangt eine Gegenleistung. Er schickt ihn auf ein Himmelfahrtskommando, bei dem Magier, Necromanten und Mutanten seinen Weg kreuzen. Jorg kommen zum ersten Mal Zweifel, ob er aus freiem Willen handelt oder nur eine Spielfigur dunkler Mächte ist.

Prinz der Dunkelheit: Gewalt als Taktik

Die Geschichte wird in der ersten Person erzählt. Jorgs Erzählstil ist so emotionslos wie sein Gefühlsleben, in dem er nur Hass zulässt. Mark Lawrence findet dafür ein passendes Sinnbild: Jorg fällt in einen Dornenbusch (Prince of Thorns heißt der englische Titel), der ihn verwundet und vergiftet. Für Jorg ist die Welt ein Schachspiel und er glaubt irrtümlich, dass er ein Spieler ist, die anderen nur Schachfiguren. Zynismus, Berechnung und Nihilismus prägen seinen Umgang mit anderen: „Manche Argumente erfordern ein Messer, wenn man der Sache ans Herz gehen will. Bei anderen ist es nötig, einen Schädel mit dem Stein der Weisen einzuschlagen.“ Jorg kennt Nietzsche, Shakespeare, Plato und Sun Zi aber auch die pragmatischen Gesetze der Straße. Aus beiden Welten hat er sich seine eigene Philosophie gebastelt: Es gibt keine Helden, nur Sieger.

Prinz der Dunkelheit: Postapokalyptisches Mittelalter

Mark Lawrence gibt seiner Geschichte einen originellen Subplot. Auf den ersten Blick spielt „Prinz der Dunkelheit“ im Mittelalter. Erst im Lauf der Geschichte wird klar, dass es in der postapokalyptischen Zukunft angesiedelt ist. Die Zivilisation ist am Tag der Tausend Sonnen vor 1100 Jahren ausgelöscht worden. Die Welt in „Prinz der Dunkelheit“ ist in die Finsternis und Brutalität des Mittelalters zurückgefallen. Es gibt nur noch mysteriöse Relikte, deren Bedeutung der Leser im Gegensatz zu den Romanfiguren versteht und die dem Geschehen eine interessante Dimension geben. Da „Prinz der Dunkelheit“ als Trilogie angelegt ist, dürften die nächsten Bände noch stärker darauf eingehen.

Prinz der Dunkelheit: Amoralischer Held

Die bluttriefende Handlung und die derbe Ausdrucksweise der Hauptfiguren ist nichts für Feingeister. In „Prinz der Dunkelheit“ reiht sich eine Kampfszene an die nächste und dazwischen wird gemordet, gefoltert und verstümmelt. Der Held ist ein durch und durch amoralischer Charakter, dem der Leser kaum Sympathie entgegen bringen kann. Er wird von bohrenden Kopfschmerzen geplagt, von Mordfantasien und Alpträumen. „Ich fühlte es, das Gift in meinen Adern, die Dornen in meinem Fleisch, das einfache Verlangen, zu töten – das reinste Gefühl, das ich kannte.“ Rückblenden erklären die Handlung, die in der Gegenwart geschieht und lassen den Leser verstehen, warum Prinz Jorg so ein gefühlloser Bastard geworden ist. „Der Schmerz wurde mein Feind….Er eiterte und schwärte wie die Fäulnis in einer Wunde, und nahm mir Kraft. Ich wusste und verstand genug, um das Gegenmittel zu kennen. Ich schnitt alle Schwächen aus mir. Die Liebe für die Getöteten legte ich in einer Urne beiseite…die Fähigkeit zu neuer Liebe brannte ich fort.“

Prinz der Dunkelheit: Poesie und Brutalität

Bei einem weniger sprachbegabten Autor wäre „Prinz der Dunkelheit“ nur triviale Action geworden. Mark Lawrence Sprache aber gibt dem Buch einen eigenen, besonderen Ton. Es gibt atemlose, brutale Actionszenen, zynische Reflektionen des Helden, wirklich gruselige Horrorszenen und Passage voller dunkler Poesie. Die Handlung wird straff erzählt, auf nur 380 Seiten bringt Lawrence jede Menge spannender Abenteuer unter ohne schmückende Adjektive und ablenkende Nebenstränge.

Prinz der Dunkelheit: Größtenteils gelungene Dark Fantasy

„Prinz der Dunkelheit“ ist Dark Fantasy im Sinne des Wortes. Das Buch ist düster, brutal und fantastisch. Es verbindet Action, Horror und Science Fiction auf originelle Weise. Die drastische Sprache und die gewalttätige Handlung sind Geschmackssache. Nur in einem Punkt überzeugt das Buch nicht: Jorgs Alter (14) ist absolut unglaubwürdig. Einerseits wird er physisch als Kind geschildert, andererseits benimmt er sich nie wie ein Kind. Er wird als überragender Taktiker, ausgezeichneter Kämpfer und kaltblütiger Mörder geschildert, hat Sex und hält an einer Stelle einen erwachsenen Mann an einem Arm über einen Abgrund. Davon abgesehen ist „Prinz der Dunkelheit“ ein Buch, das sprachlich und inhaltlich überzeugt und Lust auf die Fortsetzung macht.

Mark Lawrence. Prinz der Dunkelheit. Heyne Verlag. Juni 2011. Paperback. 380 Seiten. 13 €

Brigitte Grahl, Brigitte Grahl

Brigitte Grahl - Nach meinem Studium der Germanistik und Publizistik an der FU habe ich als freie Journalistin bei Print- und Online-Medien ...

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