Versemmelte Töne ist noch nett ausgedrückt, wenn man zwei von Mark Medlocks neuen Songs seines fünften Albums „Rainbow's end“ anhört. Der Kölner würde sagen: „Watt soll datt sein?“ Helium. „Hungry for your love“ und „Mr. Love“ erschrecken verachtenswert mit Schlümpfe-Gesang. Mark Medlock erklärte sein neues Album als „den richtigen Sound, wenn man im Sommer mit Freuden grillt“. Dass er das anscheinend auf dem Mars macht, ist neu – und Dieter Bohlen offensichtlich überarbeitet.

Mark Medlock – Erfolgreiche Ausnahme der sehr schnell in Vergessenheit geratenden „Superstars“

Dass DSDS-Gewinner in Wahrheit keine echten Superstars sind (Madonna, Michael Jackson, Lady Gaga, Depeche Mode, Nena, The Cure oder Rosenstolz dürfen sich durch unvergleichlichen Erfolg Superstars nennen), hat sich spätestens dann erwiesen, wenn man die Bilanz betrachtet: Nach dem Gewinn durch wochenlange TV-Promotion zwar auf Platz 1 der Charts, dann aber schnell wieder vergessen – die zu Unrecht betitelten „Superstars“ oder besser noch One-Hit-Wonders: Alexander Klaws, Elli Erl, Tobias Regner, Thomas Godoj, Daniel Schuhmacher.

Mark Medlocks Erfolgs-Rezept: Neue Single nur mit neuem Album, von Bohlen produziert

Ganz anders bei Mark Medlock, der mit „Rainbow's end“ sein inzwischen fünftes (!) Dieter-Bohlen-produziertes Erfolgsalbum vorlegt und zwar nach folgender Strategie: Während andere Stars mindestens drei Singles mit Remixen aus dem neuen Album auskoppeln, wurde bei Mark Medlock bisher nur einmal eine zweite Single aus demselben Album ausgekoppelt („You can get it“, in neu aufgepeppter Single-Version). Oder man veröffentlicht einen brandneuen Song wie damals „Baby Blue“, der wurde dann einfach sehr clever auf die „Club Tropicana“-Re-Edition drauf gepackt. So kaufen Hardcore-Fans das Album gleich zweimal. Ganz klar, dass man mit dieser These und dem Fleiß immer frisch zur Urlaubszeit in den Top-5 landet.

Einige von Bohlen getextete Hetero-Songs sind für einen homosexuellen Künstler wie Mark Medlock unpassend

„Real love“ stieg auf Platz 2 der deutschen Single-Charts ein und der Sommer-Song ist diesmal im Refrain mit Enrique Iglesias' Sound vergleichbar: die hohen Töne elektronisch hochgefahren. „Back in my arms“, ein Gute-Laune-Lied, das im Refrain absolut mit The Flying Pickets A-Capella-Hit „Only you“ identisch ist.

„I'm not over you, pretty girl with the secret smile / I'm not over you, can't you wait another night?“ Hä? Mark Medlock ist doch schwul, wieso singt er in „Not over“ – wie auch zuvor auf einigen Songs seiner anderen Alben Liebes-Lieder über Girls, und über Girls, über die er nicht hinwegkommt? Dieter Bohlens Musik-Archiv ist bestimmt groß, aber weshalb sucht sich ein Homosexueller dann regenbogenfarbene Songs wie „Maria Maria“ mit Hetero-Lyrik aus? Von Authentizität kann bei etlichen Mark-Medlock-Songs wahrlich nicht die Rede sein – wenn man Englisch versteht.

Mark Medlocks CD „Rainbow's end“ erschien am 30.04.2010 bei Columbia (Sony Music)