
- Mark Selby in Wuppertal - Falko Jakobs (Skyroad Media)
Mark Selby, nicht zu verwechseln mit dem Billardspieler gleichen Namens, ist hierzulande kaum bekannt. Er nimmt es mit Humor. Als während eines Akustikgigs vor kaum zwanzig Zuschauern im Wuppertaler Café Zweistein Ende 2007 mitten im Set die Tür aufging und der neue Gast nach einen beiläufigen Blick zur Bühne geradewegs die Bar ansteuerte, rief Selby ihm, ohne den Song zu stoppen, hinterher: „Yeah, Mark Selby doesn’t know you either“.
Ganz entspannt
Selby ist ein sympathischer Mittvierziger, sehr offen und ohne Berührungsängste. Auf die diversen Nummer-1-Hits, die er für andere Künstler schrieb (darunter „There’s Your Trouble“ für die Dixie Chicks und „Blue On Black“ für Kenny Wayne Shepherd) ist er stolz, aber er bildet sich nichts darauf ein. Er ist am Boden geblieben, ohne Allüren. Er spielt gerne in kleinen Läden, Cafés, Bars, Clubs, sowohl mit Band als auch alleine, nur mit Akustikgitarre. Mit von der Partie ist stets seine Frau – „my Baby“, wie er sie liebevoll nennt -, Grammy-Gewinnerin Tia Sillers. In Wuppertal gesellte sich außerdem Henrik Freischlader dazu. Selby will nicht bloß seine Stücke spielen. Wenn er schon da ist, dann will er auch wissen, wer extra wegen ihm gekommen ist, und so nimmt er sich stets die Zeit für ein Bier und einen Plausch mit seinen Fans – was nicht selten auch bis spät in die Nacht hinein dauern kann. Mark Selby ist die Verkörperung des Blues. So entspannt und gut gelaunt wie seine Musik ist er selbst. Er hat es nicht eilig, nimmt sich Zeit, genießt. Ein Abend mit Mark Selby ist ein Abend der Entschleunigung.
Gelebte Musik
In Oklahoma geboren, zog er in seinen Zwanzigern nach Nashville, einfach um zu sehen, ob es ihm gelingt, die Musik zum Beruf zu machen. Ohne große Erwartungen, voller Ehrgeiz und Motivation. Inzwischen stand er gemeinsam mit B.B. King, Lynyrd Skynyrd, Jeff Beck, Kenny Wayne Shepherd, John Mayer und zahlreichen weiteren Blues- und Country-Stars auf der Bühne, schrieb Songs und spielte als Sessiongitarrist unter anderen für Kenny Rogers und Jimmy Hall. Inzwischen hat er auch Arbeiten als Produzent abgeliefert und mehrere eigene Alben veröffentlicht. Die letzte der bisher drei Soloscheiben, „Mark Otis Selby And The Horse He Rode In On“ (2006), ist die wahrscheinlich interessanteste. Das Pferd, auf dem er ankam, erzählt er auf seiner Website, ist seine 1974er Mossman, seine erste Gitarre. Mit der setzte er sich im Frühjahr 2006 – nein, nicht ins Studio, sondern in sein Wohnzimmer. Eine ganz simple Produktion, nur Mark und seine Moss, mit gelegentlicher Unterstützung durch Tia. Neben Selbys eigenen Hits und neu geschriebenen Stücken enthält dieses Blues-Juwel auch ambitionierte Coverversionen von Jimi Hendrix’ „Little Wing“ und Bob Dylan’s „Down In The Flood“.
Das Beste aus Nashville
2007 trommelte er für die Compilation „Nashville Picks Vol.1“ Musikerfreunde und frische Jungtalente aus Nashville zusammen. Er schrieb die Songs, spielte die Gitarre, und brillante Vokalisten wie Sean Locke, Tania Hancheroff und Helen Darling liehen ihm ihre Stimmen. Aber auch Mark und Tia selbst ließen es sich nicht nehmen, einige Stücke selbst zu singen, darunter das melancholische „Some Days Are Better Than Others“ und das optimistisch-treibende „Carry On“. Die Duette mit Tia wurden von der US-Fachpresse bereits mit Cash & Carter verglichen.
Zur Zeit legt Selby letzte Hand an seinen neuen Longplayer „Nine Pound Hammer“, der am 7. März erscheint – dann kommt er auch wieder nach Deutschland.
Diskographie
- More Storms Coming (2000)
- Dirt (2002)
- And The Horse He Rode In On (2006)
- Nashville Picks Vol.1 (2007)
- Nine Pound Hammer (2008)
