
- Portrait Mark Twains - Matthew Brady
Kennen sie Huck? Oder Thomas? Nein? Mit einem Floß den Mississippi hinunter und die anderen Bengels austricksen, den "schönen" Zaun zu streichen?
Wenn sie jetzt an Huckleberry Finn und Tom Sawyer denken, dann liegen sie richtig. Und dann kennen sie auch Mark Twain, ihren geistigen Vater.
Der weltbekannte Autor, Kritiker, Novellist und oft als "Amerikas erster Romancier" bezeichnete Mann, dessen bürgerlichen Namen Samuel Langhorne Clemens die wenigsten kennen, starb am 21. April 1910 und hinterließ außer seinem gigantischen Lebenswerk noch eine weitere Arbeit: seine Autobiographie, versehen mit der Notiz, diese nicht vor einhundert Jahren nach seinem Tod zu veröffentlichen.
Wer bringt sie raus?
Im November wird nun die Universität von Californien das langgehütete Schriftstück aus seinem Tresor befreien und der breiten Öffetlichkeit zur Verfügung stellen.
Hundert Jahre sind eine lange Zeit um Spekulationen anzustellen und so werden natürlich die abenteuerlichsten Vermutungen angestellt, was der Mann, der sich einst als Amerikas schärfsten Kritiker und wildesten Liebhaber bezeichnete für eine Generation bereithält, die sich den neuen Medien sei Dank, ganz ohne Aufwand täglich selbst persifliert.
Mark Twain über sein Leben
Wer die Werke Twains kennt, wird wissen, dass sich unter ihnen auch einige mit autobiographischem Charakter befinden. In The Innocents Abroad & Roughing It sind zahlreiche Einflüsse und Beschreibungen der Reisen zu finden, die Twain Zeit seines Lebens städig unternahm. Lotse auf dem Mississippi, Militär,Goldgräber, Hawai und die Staaten, Reisen in Europa und der Welt: Gestatten? Mark Twain, erster "Jetsetter" der Weltgeschichte.
Bummel durch Europa und The Awful German Language verarbeiten zwar seine Erfahrungen im Europa des 19. Jahrhunderts, sind jedoch keineswegs historisch akkurat, vielmehr vom eigenen Leben inspiriert. Ganz im Gegensatz zur bereits erschienenen Autobiographie.
Die erste(n) Autobiographie(n)
Leben auf dem Mississippi ist eine von Twain verfasste Retrospektive auf sein Leben und seine Erfahrungen als Lotse auf dem großen Fluss. Leser des Buches begleiten die Lehrjahre des Autors und können nachvollziehen, was Ihn und damit auch Tom Sawyer und Huckleberry Finn, beides Werke und Figuren der Weltliteratur, prägte. Nicht umsonst erschien Leben und Abenteuer des Huckleberry Finn 2 Jahre und damit direkt nach diesem ersten Ausschnitt seines Lebens.
Mit Reise um die Welt verarbeitet Twain die Eindrücke seiner Weltreise, unternommen im "Herbst" seines Lebens.
Wir kennen also den Anfang und das Ende seines Lebens, seiner Karriere. Was fehlt ist die Zeit dazwischen, die Zeit als "Rockstar der Weltliteratur". Was die Welt zu ihm zu sagen hatte ist wohlbekannt, nicht jedoch seine eigene Meinung, denn außer den (oft aus de Zusammenhang gerissenen) Zitaten wie
"Man vergisst vielleicht, wo man die Friedenspfeife vergraben hat. Aber man vergisst niemals, wo das Beil liegt. "
sind direkte Kommentare zum Leben seinerseits schwer zu finden.
Es bleibt also abzuwarten. So viel ist für Liebhaber seiner Werke jedoch gewiß: auch sein eigenes Leben wird er, wie in den meisten seiner Texte, sicherlich mit einem weinendem und einem lachendem Auge betrachten.
