Marken als Botschafter

Deutsche Marken transportieren ihr positives Image in den Welt. Welche bekannten Marken stehen für die Wirtschaftsregion Köln/Bonn?

Marken kennzeichnen Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens. Sie stehen für seine Qualität und zählen - ebenso wie Patente - zu dessen geistigem Eigentum. Der Kunde zieht eine vertraute Marke anderen Kriterien vor. Starke Marken stellen damit nicht nur einen großen Vermögenswert dar, von ihnen kann eine ganze Region oder auch Nation profitieren. Denn Marken transportieren ihr positives Signal für Leistungsqualität in die Welt hinaus. Sie schaffen Vertrauen, aber ihre Bildung ist ein langjähriger Prozess, der entsprechendes Geld kostet. Ebenso wie ihre Pflege, denn ein guter Markenname bedingt auch ein entsprechend hohes Werbebudget. Unser „Land der Dichter und Denker“ hat zahlreiche Marken hervorgebracht, einige namhafte stehen auch für die Region Köln-Bonn.

Ein duftendes Vermächtnis – 4711

So hat der Name „4711“ die Glockengasse mit der gleichnamigen Hausnummer in Köln weltweit bekannt gemacht. „Echt Kölnisch Wasser“ war als erste globale Marke „Made in Germany“ der Verkaufshit schlechthin. Das einst von Wilhelm Mülhens im Jahr 1792 gegründete Unternehmen erhielt der Legende nach die Rezeptur des Duftes von einem Kartäusermönch. Das „Aqua mirabilis“ enthielt Lavendel, Rosmarin, dazu das Öl der Zitrone, Orange und Bergamotte, gelöst in Alkohol. Seinen weltbekannten Namen erhielt der Duft später durch die Hausnummer 4711 in der Glockengasse. Nach einem jahrhundertelangen weltweiten Triumph von 4711 gingen die Erlöse des Duftwassers in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück. Unter Leitung der Cousins Dieter Steve und Ferdinand Mülhens versuchte die Mühlens KG mit neuen Marken wie Gabriela Sabatini und Priscilla Presley den Parfümverkauf wieder anzukurbeln und mit einer Namensänderung in Muehlens der Internationalität des Duftwassers gerecht zu werden. Die Cousins aber zerstritten sich und verkauften die Firma an die sechsmal größere Wella. 1997 landete 4711 nach etlichen internen Umbauten bei der Wella-Tochter Cosmopolitan Cosmetics und wurde 2003 von Procter & Gamble geschluckt.

Da der Umsatz weiter sank und der Handel die Verkaufsflächen zusammenstrich, suchte auch Procter & Gamble einen neuen Besitzer, der sich 2006 in dem Familienunternehmen Mäurer & Wirtz GmbH & Co. KG (Dalli-Gruppe) aus Stollberg fand. „Diese Marken sind eine perfekte Ergänzung zu unserem bestehenden Duftportfolio“, lautete die Begründung von Geschäftsführer Dr. Hermann Wirtz. Die Stolberger, die mit Düften pro Jahr 100 Millionen Euro erlösen, sehen laut eigener Aussage viel Potenzial unter dem Markendach 4711. Das Haus in der Glockengasse präsentiert das Unternehmen stolz als seine Perle. Mit neuen Kreationen setzt das Unternehmen auf die eine internationale Zukunft: „Unsere Erfahrung ist die Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, mit ihr hat Herkunft auch Zukunft“, sagt Dr. Wirtz.

Im Namen der Gesundheit – Klosterfrau

Einen Bekanntheitsgrad von 94 Prozent hat das Emblem mit den drei Nonnen im gotischen Spitzbogen – Klosterfrau Melissengeist. Für Generationen von Menschen wurde es zu einem Symbol für Gesundheit, und seine Wirkungen sind wissenschaftlich belegt. Der Ursprung des Unternehmens Klosterfrau Healthcare Group in Köln geht auf das 19. Jahrhundert zurück, denn es gab sie wirklich, die Klosterfrau, die im Mai 1826 unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ ihre Firma zur Herstellung von Heilmitteln im Handelsregister der Stadt eintragen ließ. 1775 in Brüssel geboren, trat sie 1792 in das Kloster Sankt Anna in Coesfeld bei Münster ein und beschäftigte sich mit der Pflanzenheilkunde. Im Jahr 1825 kam sie nach Köln, um den 86-jährigen Domvikar Gumpertz in seinem Haus neben dem Dom zu pflegen und gründete während dieser Zeit ihr kleines Unternehmen. Weitere Forschungen ließen es nach ihrem Tod im Jahr 1843 weiter wachsen. Basierend auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und verbunden mit der Erschließung neuer Märkte, wurde das Sortiment ständig erweitert.

Heute ist das Unternehmen zu einem international führenden Anbieter im Bereich der Selbstmedikation herangewachsen. Zur Klosterfrau-Gruppe gehören unter anderem die Firmen Diapharma GmbH, Cassella-med GmbH & Co. KG und die YUL-Kerzenfabrik Vollmar GmbH. Neben den bekannten Klosterfrau-Produkten werden insgesamt noch über 200 weitere vertrieben. Im Juni 2006 kaufte die Klosterfrau Gruppe die Produkte der Lichtwer Healthcare und nannte sich um in „Klosterfrau Healthcare Group“. Am Stammsitz in Köln beschäftigt das Unternehmen 720 Mitarbeiter. Die Produktion findet seit 1971 überwiegend in Berlin statt. Das gesamte Unternehmen unter dem Vorstandsvorsitzenden Friedrich Neukirch hatte im Jahr 2008 einen Umsatz von 429 Millionen Euro.

Süße Botschafter aus Bonn - HARIBO

Wer kennt ihn nicht, den Spruch „HARIBO macht Kinder froh“? Bereits seit 1935 wirbt der in Bonn-Kessenich beheimatete Süßwarenhersteller mit diesem Werbeslogan, der 1962 um den Zusatz „und Erwachsene ebenso“ ergänzt wurde. Der Bekanntheitsgrad dieses Werbespruchs sucht seinesgleichen, sein Texter erhielt als Entlohnung 20 Reichsmark. Startkapital des am 13. Dezember 1920 von dem gelernten Bonbonkocher Hans Riegel ins Bonner Handelsregister eingetragenen Unternehmens war ein Sack Zucker. Die erste Fabrikationsstätte befand sich in einem Haus in Kessenich, das Hans Riegel erworben hatte. So leitet sich der Firmenname aus den beiden ersten Buchstaben des Vor- und Nachnamens ihres Gründers und des Standortes her: HAns RIegel BOnn.

Zwei Jahre später erfand Riegel die „Tanzbären“ - die heutigen Goldbären und im Jahr 1925 begann HARIBO mit der Herstellung von Lakritzprodukten. Schon Anfang der 1930er Jahre wurde eine neue Fabrikationsanlage gebaut und eine Vertriebsorganisation in Deutschland aufgestellt. Nach dem frühen Tod des Firmengründers im März 1945 wurde das Unternehmen von den Söhnen Hans und Paul Riegel weitergeführt. Hans repräsentierte die Firma nach außen, Paul war für Forschung und Entwicklung zuständig - seine bekannteste Erfindung war die Lakritzschnecken-Wickelmaschine.

Im Jahr 1957 übernahm HARIBO die Firma Kleutgen & Meier in Bad Godesberg, in der einst Vater Hans das Bonbonkochen gelernt hatte. Ab 1980 erfolgte der Ausbau des Bonner Standorts und 1982 wurden die Goldbären in den USA eingeführt. Heute produziert HARIBO in mehreren Betrieben in Deutschland und im europäischen Ausland seine Produkt-Palette, die in mehr als 100 Ländern vertrieben wird.

Nach dem Tod seines Bruders Paul im August 2009 leitet der über 80-jährige Dr. Hans Riegel als geschäftsführender Gesellschafter die neu gegründete HARIBO Holdung GmbH & Co. KG zusammen mit seinem Neffen Hans-Guido Riegel. Als führender Hersteller im Fruchtgummi- und Lakritz-Segment beschäftigt HARIBO 6.100 Mitarbeiter an 16 Standorten weltweit, Umsatz 1,7 Milliarden (Stand: 2008).

Inga Sprünken - Kommunikation ist die Essenz jeder Gesellschaft. Darum finde ich für jeden die richtigen Worte, die richtigen Sätze, die ...

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