Marschall Michel Ney - Der Tapferste der Tapferen

Marschall Michel Ney - Charles Meynier (1768 - 1832)
Marschall Michel Ney - Charles Meynier (1768 - 1832)
Nicht nur Napoleon I. bewies im 18./19. Jahrhundert militärisches Geschick und Mut, sondern auch seine genialen Befehlshaber, wie etwa Michel Ney einer war.

Die napoleonischen Koalitionskriege haben viele Helden hervorgebracht, aber neben den großen Heerführern wie Napoleon Bonaparte und Arthur Wellesley, konnte vor allem ein französischer Befehelshaber von sich Reden machen: Marschall Ney.

Michel Ney privat - Geboren als Sohn der Unterschicht

Ney wurde am 10.1.1769 im französischen Saarlouise als Sohn eines einfachen Böttchers (auch Küfer; stellt Eimer oder Behältnisse her) geboren. Nach dem Abschluss seiner Lehrzeit in der Dillinger Hütte (traditionsreiche Anlage im Saarland zur Erzeugung von Eisen oder Stahl aus Eisenerz), trat Ney bereits 1788 einem französischen Husarenregiment bei.

Über Ney als Privatmensch ist nicht viel bekannt. Er war Zeit seines Lebens vier Mal verheiratet, hinterließ drei Söhne sowie ein uneheliches Kind. Imposanter hingegen war eindeutig seine militärische Karriere.

Militärische Karriere des Michel Ney unter Napoleon Bonaparte

Zum Zeitpunkt des Revolutionsausbruchs in Frankreich bekleidete Michel Ney den Rang eines Unteroffiziers. Sein Aufstieg vollzog sich sprunghaft. 1792 brachte er es zum Kapitän, 1796 zum Brigadegeneral, bevor er 1799 in den Rang eines Divisionsgenerals erhoben wurde.

Ney zeichnete sich bei Kämpfen in der Schweiz und in Deutschland (z.B. der Mannheimer Überfall) aus. Nach seiner Kaiserkrönung 1804 ernannte Napoleon I. Ney zum Marschall von Frankreich, einem der höchsten militärischen Ränge überhaupt. Dem frisch gebackenen Marschall wurde die Ehre zu Teil, als Befehlshaber seines eigenen Korps den Feldzug von 1805 zu eröffnen.

Seine Glückssträhne folgte Ney bis 1807, bevor er Napoleon auf seiner Reise nach Spanien begleitete und sich 1811 mit Kommandant Massena zerstritt, was Neys Entfernung aus der Grande Armée bedeutete. Sich seinem Schicksal beugend, lebte Ney bis 1812 allein und zurückgezogen, bevor ihn Napoleon persönlich für den Russlandfeldzug von 1812 zurück in den Sattel beorderte.

Ney bewährte sich erneut und wurde zum Fürsten von Moskwa ernannt, noch am selben Abend an dem die Schlacht an gleichnamigen Fluss geschlagen wurde. Es handelte sich um eine der blutigsten Schlachten der damaligen Zeit. Er befehligte während des Rückzuges die gesamte Zeit über die Nachhut der Armee und sorgte für Sicherheit.

1814 brachte es der Marschall zum Kommando über Napoleons Elite: Die Kaiserliche Garde. Doch Napoleons aufstrebender Stern war bereits im Sinken begriffen, weshalb Ney bald zuzusehen hatte, wo er blieb, wenn das Kaiserreich Geschichte war.

Die Herrschaft der Hundert Tage - Bruch und Versöhnung mit dem Kaiser Napoleon Bonaparte

Ney, der sich nach Napoleons Verbannung den Bourbonen unter Ludwig dem XVIII. angeschlossen hatte und zum Pair von Frankreich (höchster Titel im französischen Adel) ernannt wurde, brach nach dem Bekanntwerden der Flucht des ehemaligen Kaisers von Elba unverzüglich auf, den Flüchtling mit Hilfe einer bewaffneten Eskorte zu stellen, ehe er im Stande wäre, die Flammen des Krieges erneut zu schüren. Als Loyalitätsbeweis schwor der Pair sogar, Bonaparte in einem eisernen Käfig auszuliefern.

Auf den Feldern von Auxerre, am 17. März 1815, traf Ney auf den Exil-Kaiser, umschart von dessen Anhängern. Ehe es zu Ausschreitungen kommen konnte, vereinten sich die Eskorten und Ney lief tief bewegt über zu seinem ehemaligen Anführer.

Die Schlacht um Waterloo - Napoleons letztes Aufbäumen

In der den Krieg entscheidenden Schlacht um Waterloo führte Ney die rechte Flanke und die vierte Kavalleriekompanie persönlich in die Schlacht. Sein todesverachtender Ansturm kostete ihn nicht weniger als fünf Pferde, die man unter ihm weg schoss. Schließlich stürmte er an der Spitze von Napoleons Alter Garde zu Fuß gegen die Engländer an, aber selbst diese ehrenvolle Tat konnte das Kriegsglück nicht mehr wenden. Napoleon war endgültig geschlagen.

Napoleon soll beim Anblick solches Wagemutes gesagt haben: „Ney – er ist der Tapferste der Tapferen.“ - und bezog sich dabei auf ihn als Anführer seiner persönlichen todesmutigen Elite, der kaiserlichen Garde. Napoleon brachte diese nur zum Einsatz, wenn es unabwendbar war, doch selbst das konnte den Sieg der Engländer und Preußen unter dem Duke of Wellington und Blücher nicht abwenden.

Schattenseiten und Michel Neys Ende

Obwohl spätestens mit Waterloo aus Ney eine (noch) lebende Legende wurde, kam im Laufe der Jahre Kritik an Neys taktischem Vorgehen und Geschick auf. So wird ihm zu Lasten gelegt, dass er die Preußen in Ligny entkommen ließ, wodurch Blücher dem Duke of Wellington bei Waterloo schlachtentscheidend zur Seite stehen konnte („Ich wünschte es wäre Nacht oder die Preußen kämen“ – Wellington).

In der Schlacht selber führte er die Kavallerie erfolglos gegen die im Karree angeordnete Linieninfanterie des Feindes und musste hohe Verluste hinnehmen. Obwohl zeitweise feindliche Artillerie unter Kontrolle gebracht werden konnte, versäumte Ney, diese ‚vernageln‘ zu lassen, so dass diese nach Rückeroberung wieder gegen die anstürmenden Franzosen eingesetzt werden konnte.

Manchmal wird behauptet, dass diese irrationale Handlungsweise ein posttraumatisches Ergebnis des Russlandfeldzuges von 1812 darstellte. Ob er damit mit für die Niederlage von Waterloo verantwortlich ist, bleibt fraglich, da viele zusätzliche Elemente mit ein spielten (etwa die regnerischen Wetterbedingungen, die Napoleons schwere Artillerie im Schlamm versinken ließen).

Die Legende Michel Ney - der Tapferste der Tapferen

Tatsache ist: Michel Ney weigerte sich nach Frankreichs Kapitulation das Land zu verlassen, wurde vor Gericht gestellt und wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Seine Exekution fand am 7. Dezember 1815 statt, wobei er den Schützen persönlich den Feuerbefehl mit folgenden Worten gab: "Soldaten, wenn ich den Feuerbefehl gebe, schießt ihr auf mein Herz. Wartet auf den Befehl. Es wird der Letzte sein, den ich euch gebe. Ich protestiere gegen meine Verurteilung. Ich habe in hundert Schlachten für Frankreich gekämpft, aber nicht gegen es [...] Soldaten schießt!"

Neys Legende aber lebte weiter. Zunächst wurden Gerüchte laut, die Exekution wäre ein Schauspiel gewesen und der ehemalige Pair wäre in die USA emigriert, wo er eine Stelle als Lehrer antrat und wo heute noch ein Grab mit der Inschrift „Soldat der Französischen Revolution unter Napoleon Bonaparte“ stehen soll.

Ganz gleich ob Realität oder Fitkion: Marschall Michel Neys Name findet sich heute verewigt neben den der größten Generäle und Befehlshabern unter Bonaparte am Arc De Triomphe in Paris.

Dominik Krug, Nina Mertens

Dominik Krug - Dominik Krug, geboren am 24.08.1985 in Frechen und aufgewachsen in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Von 1992 bis 1996 besuchte er die ...

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