
- Beyer - Klett
Die Mitteilung kam steif und förmlich und im Amtsdeutsch daher: „Am Dienstag Abend (15.11.2011) wurde im Großen Haus des E.T.A.-Hoffmann-Theaters der Kulturförderpreis 2011 der Stadt Bamberg verliehen. In diesem Jahr ging er an den Bamberger Autor Dr. Martin Beyer“. An den Bamberger „Autor“ Martin Beyer also, den Schriftsteller mit den dunklen Augen und dem leicht schwermütigen Blick, der sich selbst immer so zurücknimmt; dessen stets gebremstem Temperament man es kaum hat zutrauen können, dass er vor zwei Jahren „von der obsessiven Beziehung des Dichters Georg Trakl zu seiner Schwester Grete und den Leidenschaften junger Künstler in all ihrer Zeitlosigkeit“ erzählt hat.
Der Trakl-Roman „Alle Wasser laufen ins Meer“
So hieß es seinerzeit im Klappentext zu seinem stark beachteten Trakl-Roman, der unter dem Titel „Alle Wasser laufen ins Meer“ Furore gemacht hat. Der Künstler und sein, also dieses Werk - Ruth Lisa Knapp hat es seinerzeit in einer bei suite101 veröffentlichten Rezension in die Worte gefasst: „Es mag paradox klingen, doch es funktioniert hier: Indem der Autor respektvolle Distanz hält zu seinen Figuren, verringert er die Distanz, die wir zu ihnen und ihrer Zeit haben. Wir verstehen ihre innere Zerrissenheit, Halt- und Ratlosigkeit und werden nach der Lektüre dieses Romans die Trakl’schen Gedichte aufmerksamer und mit mehr Verständnis lesen“. Und Caroline Werner schrieb in ihrer Buchbesprechung, der Autor „entfaltet eine Geschichte, die – durch dessen Auge betrachtet – zu etwas großem Reinen wird“.
Mit dem Wort nicht leichtfertig umgehen
Dieser Blick auf Beyer mit Georg Trakl als Medium war natürlich auch Gegenstand der jüngsten Ehrung. Auch Bambergs Kulturreferent Werner Hipelius zitierte Trakl aus dem Roman „Alle Wasser laufen ins Meer“: „Ein falsches Wort konnte den ganzen Eindruck zerstören, man musste jedes auf die Waagschale legen. Man durfte sich mit Wörtern keine Leichtfertigkeit erlauben…“. Und auch Martin Beyer habe sich dieser Leichtfertigkeit nie hingegeben.
Die erste Erzählung hieß „Fragezeichen“
Der 1976 in Frankfurt geborene Martin Beyer lebt seit 1997 in Bamberg. Mit dem Kultur-Förderpreis der Stadt wird ausgezeichnet, wer „durch innovative Aktivitäten das kulturelle Angebot in und für Bamberg bereichert“. So steht es in der Satzung. Im Jahr 2011 hatte sich die Jury einstimmig für Beyer entschieden; vielleicht auch deshalb, weil der frühere suite101-Redakteur in diesem Jahr das kleine aber feine Literaturfestival „Bamberg liest“ mit initiiert hat. Die jüngste Auszeichnung gehört in eine ganze Reihe von Ehrungen. Das reicht vom Preis der „Mühlheimer Literaturtage“ (1996) bis zum Walter-Kempowski-Preis 2009. Dazwischen lagen immer wieder Autorenstipendien mit Auslandaufenthalten. Mit 18 Jahren hatte er seine erste Erzählung mit dem Titel „Fragezeichen“ veröffentlicht. Daraus ist inzwischen ein Ausrufezeichen geworden.
Ergänzende Hinweise: Stadt Bamberg
