
- Barock-Wappen am Tor des Barock-Schlosses Weilburg - © Thomas Max Müller / pixelio.de
Der deutsche Dichter Martin Opitz gilt als einer der bedeutendsten Dichter des Barock – seine Gedankenwelt und seine Lebensweise sind durchaus repräsentativ für den Geist dieser Epoche, denn der gelehrte und der liebende Opitz lagen in ständigem Widerstreit miteinander. Die Liebe, die ihm durchaus Quelle schöpferischer Inspiration war, empfand er auf der anderen Seite als ein ihn nieder zerrendes Joch, das ihn von der Verwirklichung seines unbändigen Ehrgeizes abhielt.
Vor allem die Anziehungskraft des schönen Geschlechts nahm er als störenden Einfluss wahr. Bereits seit früher Jugend reflektierte er immer wieder seinen inneren Widerstreit zwischen Begehren und Vernunft. Darin kann zugleich ein grundsätzlicher Konflikt des Barock-Menschen gesehen werden, denn hier begegnen sich die mittelalterliche Liebesfeindlichkeit, bei der jedes Begehren als lasterhaft verachtete wird und das aufblühende Liebesbejahen der Renaissance. Ein Verschmelzen der Lebenseinstellungen erscheint noch unmöglich und führt bei den Menschen zu einer bestimmten Art innerlicher Zerrissenheit, die für diese Epoche charakteristisch ist.
Opitz opfert die Liebe seinem dichterischen Vorankommen
Opitz studiert unter anderem Jura und Philosophie. Als er 1620 Heidelberg verlässt, bricht er seine Liebschaften tatsächlich endgültig ab und trifft damit die Entscheidung, der Liebe zugunsten der Karriere ganz zu entsagen. So bringt der Dichter schließlich sein persönliches Liebesleben dem ehrgeizigen Streben zum Opfer. Auf diese Weise von den vermeintlichen Fesseln befreit, schafft Opitz tatsächlich den Aufstieg vom Fleischersohn zur national anerkannten Persönlichkeit, der sogar ein Adelstitel verliehen wird.
Der didaktische Charakter von Opitz’ Werken
Der Hauptverdienst von Opitz kann aber in seinem Engagement für die Deutsche Sprache gesehen werden. Durch seine zahlreichen Übersetzungen und nicht zuletzt durch seinen größten Erfolg, das 1624 veröffentlichte Buch von der Deutschen Poeterey, gelang es Martin Opitz, die Deutsche Sprache von ihrem provinziellen Charakter zu befreien und ihr zu internationalem Ansehen zu verhelfen. Das darin festgehaltene umfassende Regelwerk zum Umgang mit Poetik in der Deutschen Sprache bildete noch lange nach Martin Opitz die unumstößlichen Richtlinien poetischen Schaffens in Deutschland.
Obwohl die Liebe bei Opitz stets eine wichtige Rolle spielte, war er doch in erster Linie ein Verstandesmensch. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1639 schuf er vor allem Lehrgedichte, keine lyrischen Beschreibung eigener Gefühle. Dennoch spiegeln sich in einigen seiner Gedichte auch seine persönliche Situation, seine eigenen Anschauungen und Auffassungen wider. Ohne es zu wollen, legt er damit – in einem durch und durch didaktischen Kontext – den Grundstein der modernen Erlebnislyrik.
Man muss hier natürlich beachten, dass es sich nicht um emphatische Gefühlsbeschreibungen der eigenen Empfindungen handelt, wie wir sie etwa in der Goethe-Zeit vorfinden. Trotzdem ist es bemerkenswert, dass in seiner Dichtung ein Ich mitteilt, dass es von der Liebe ergriffen ist und unter ihr leidet. Opitz selbst stritt den Erlebnischarakter seiner Liebesgedichte allerdings stets ab, da er befürchten musste, seine Tugendhaftigkeit – die Grundlage seines gehobenen Ansehens – einbüßen zu müssen. Auch dies ist eine der zahlreichen Paradoxien, in der Martin Opitz, als ein typischer Künstler des Barock, aussichtslos eingesperrt war.
Quellen:
- Berent, Eberhard: Die Auffassung der Liebe bei Opitz und Weckherlin und ihre geschichtlichen Vorstufen. The Hague u.a.1970
- Kühlmann, Wilhelm: Martin Opitz. Deutsche Literatur und deutsche Nation. Heidelberg 2001
- Meid, Volker: Barocklyrik. Stuttgart 1986
