
- Martina Kempff Pendelverkehr - Piper Verlag
Eifelkrimis sollten ernst genommen werden! Zwar liegt die Eifel für viele am Arsch der Welt. Aber – so hat es einmal der Eifelkrimiguru Jaques Berndorf formuliert – ein verdammt schöner Arsch! Und der ist nicht nur attraktiv, sondern es ereignen sich dort auch die meisten Morde in Deutschland – zumindest auf dem Papier.
Ex aus Berlin kommt in die Schneifel
Sie kann eigentlich nichts mehr erschüttern – denkt sie. Trotz oder gerade wegen Mord, Verrat, Betrug geht Katja Klein wieder auf Verbrecherjagd. In ihrem zweiten Eifel Krimi lädt Martina Kempff noch einmal in die Schneeeifel ein – für Eingeweihte kurz die Schneifel –, um mit der Ex-Modejournalistin gleich drei Todesfälle aufzuklären. Dabei holt die ihre Vergangenheit aus der deutschen Metropole ein. Nicht nur ihr Ex, auch gleich dessen Ehefrau und ein Berliner Schnüffler mieten sich im deutsch-belgischen Grenzgebiet ganz in der Nähe ein. Bei all den Morden wird es natürlich wieder nichts mit der Eröffnung von Katjas Restaurant direkt an der Grenze.
Eine Tote kommt selten allein
Am Anfang des Totenreigens steht Agnes. Fein zu Recht gemacht auf ihrem Totenbett unter einer Eibe im Wald stolpert Katjas Hund Linus über die Mutter ihres schwulen Bekannten. Und es sieht nicht nach einem natürlichen Tod der Alten aus. Aber was hat die Eifelerin mit ihrem toten Ex und einem ebenso mausetoten Berliner Schnüffler zu tun? Gott sei Dank steht Katja ihr Freund Marcel zur Seite. Der belgische Polizeibeamte erweist sich bei der zukünftigen Restaurantbesitzerin und Hobbydetektivin als äußerst bürgernah. Auf belgische Art und Weise – versteht sich. Und gemeinsam schaffen es die Beiden am Ende, Licht ins Dunkle zu bringen. Allerdings müssen Marcel und Linus wieder einmal alles aufbieten, um Katja – buchstäblich im letzten Moment – aus den Klauen der Täterin zu retten. Aber so sind nun mal Krimis – sie haben immer ein gutes Ende.
Holen ist seliger als nehmen
Eifelkrimis haben alle eines gemeinsam – sie finden in einer Region statt, die für viele nicht der Rede wert ist. Ganz anders für die Krimi Autoren. Ob Jacques Berndorf, Ralf Kramp, Hubert vom Venn oder Martina Kempff, sie alle kommen aus der Großstadt und haben sich – wenigstens für eine Zeit – in den entferntesten westlichen Winkel Deutschlands, da wo die Zivilisation aufhört zurückgezogen. Einer Landschaft, die manchmal so kalt, wie ihre Bewohner erscheint. Die andere Gewohnheiten und eine besondere Sprache pflegen. Und da ist es – so ganz neben der Krimihandlung – einfach schön zu erfahren, dass man in der Schneeeifel das „holen“ dem „nehmen“ vorzieht. „Versteh ich“, sagt Hein. Legt dann seine Füße in den grünen Schuhen neben die texanischen Stiefel zwischen die Kaffeetassen auf den Küchentisch. „Die Eifel liegt schließlich auch im Wilden Westen!“ Recht hat er. Und weil’s da so mörderisch schön ist, lädt auch der Kempff Krimi ein zum Eifel-Kult zu werden. Aber man muss sich schon selber ein Bild machen von der wilden Schneifel.
Martina Kempff – Pendelverkehr, Piper Verlag, Taschenbuch, 288 Seiten, ISBN 9783492258333, € 8,95
