
- Martina Wilder: Das schaurige Haus - Beltz & Gelberg
Eine Familie mit zwei Söhnen zieht aus beruflichen Gründen aus der sächsischen Stadt C. in ein Dorf im Allgäu. Sie mietet dort ein Haus am Rande des Dorfes, das lange leer gestanden hat. Der dreizehnjährige Hendrik beginnt seine Ich-Erzählung mit dem Umzug, bei dem schon das erste seltsame Zeichen geschieht. Plötzlich läuten die Glocken des nahe gelegenen, kleinen Pestfriedhofs. Alle schauen sich verwundert an. Hendriks Vater vermutet, es seien Totenglocken, sein kleiner Bruder Eddi fängt an zu heulen und der Mutter entgleiten die Keramikfiguren, welche die beiden Brüder darstellen, so dass diese auf dem Boden zerbersten.
Liegt auf dem Haus ein Fluch aus vergangenen Zeiten?
Als der fünfjährige Eddi immer wieder nachts schlafwandelt und in Trance Schnecken an die Wände malt, welche die Form von Buchstaben haben, keimt der Verdacht auf, das auf dem Haus ein Fluch liegt. Hendrik geht gemeinsam mit seinem neuen Schulfreund Fritz den Gerüchten nach. Tatsächlich wurde vor dreißig Jahren ein Bruderpaar in dem Haus durch Pilze vergiftet. Die Mutter wurde verurteilt, doch im Dorf werden hinter vorgehaltener Hand Zweifel daran geäußert. Auch andere tote Kinder werfen Fragen auf. Hendrik und Firtz versuchen auf der Liste der Toten und ihrer Eltern eine Systematik in den Zahlen und Buchstaben zu erkennen. Auch Eddi gibt als Medium nachts weitere Hinweise. Ergeben die Kombinationen tatsächlich den Spruch „Mein Tod ist der eurer Kinder“?
Ida, Skier, Gülle und die geheime Kammer – für Hendrik wird es langsam zu viel
Und dann ist da noch Ida aus seiner Klasse, die Hendrik schöne Augen macht und ihm eine Skiausrüstung schenkt. Mehrfach verpatzt Hendrik anfangs die Situationen mit ihr. Doch auf dem Faschingsball versetzte Ida ihn schließlich. Auch Ida hatte einen Bruder, der früh verstorben ist. Eines Nachts entdeckt er mit seinem Bruder im Keller des schaurigen Hauses eine geheime Kammer: vollgestopft mit alten Spielsachen. Als sein Intimfeind Chris seine Skier in den Misthaufen steckt und Gülle in den Garten sowie durch das Kellerfenster kippt, wird es Hendrik und seine Familie zu viel. Sie beschließen wieder wegzuziehen. Doch vorher löst Hendrik mit seinem Bruder noch das Rätsel um den Tod der vergifteten Kinder.
Wildner bleibt im Genre der realistischen Kinderliteratur
Martina Wildner wurde 1968 im Allgäu geboren, studierte später Grafikdesign, bevor sie begann Geschichten für Kinder und Jugendliche zu schreiben. Bekannt wurde sie mit ihrem Roman „jede Menge Sternschnuppen“ (2003). Thematisch gesehen ist das Werk von Wildner vielfältig. Dabei überschreitet sie auch die Grenze zwischen der realistischen und der fantastischen Literatur. Im vorliegenden Buch bleibt sie jedoch auf der realistischen Seite, auch wenn es auffällig viele Zufälle gibt. Dies wirkt weitaus überzeugender als beispielsweise in ihrem Roman „Michelles Fehler“ (2006).
Ein gelungener Schauerroman für Kinder
Es bleiben jedoch einige Fragen – auch ans Lektorat, das zudem einige Grammatikfehler übersehen hat: Warum ist in der wörtlichen Rede stets von der Stadt „C.“ die Rede? Darf man Chemnitz nicht nennen? Warum schreibt die Autorin in ihrer Danksagung „mich und meinen Mann“? Wir Kinder sagten dazu früher: „Der Esel nennt sich immer zuerst.“ Und warum beschränken sich die Vignetten von Anke Kuhl – vom Titelblatt abgesehen – ausschließlich auf Nacktschnecken, die wahrlich wenige Variationsmöglichkeiten bieten?
Davon abgesehen ist das neue Buch von Martina Wildner ein sehr gelungener Schauerroman für Kinder, vor allem für Jungen ab 10 Jahren.
Martina Wildner: Das schaurige Haus. Mit Vignetten von Anke Kuhl. Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 2011. 207 Seiten, gebunden. 12,95 €. ISBN 978-3-407-79995-1
