Martini ist nicht gleich Martini. Zunächst einmal muss also erst die Namensverwirrung aufgeklärt werden. Auf der einen Seite handelt es sich um den Markennamen für einen Wermut (oder auch Vermouth), auf der anderen Seite um die Bezeichnung für einen Cocktail, der unter anderem auch Wermut der Marke Martini enthält.

Martini - der Wermut

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelten die beiden Italiener Luigi Rossi und Alessandro Martini einen mit Gewürzen und Kräutern aromatisierten Wein mit relativ hohem Zuckergehalt und rund 15 Prozent Volumenprozent Alkohol, den Martini. Ähnlich wie der Begriff „Tempotaschentücher“ häufig stellvertretend für alle Papiertaschentücher, egal welchen Herstellers verwendet wird, hat sich der Name Martini für die Bezeichnung von Wermut (oder auch Vermouth) eingebürgert. Der klassische Martini ist ein Weißwein. Es gibt ihn allerdings auch in der dunkleren Variante (Martini rosso) oder extra trocken (Martini extra dry). Andere Hersteller sind zum Beispiel Cinzano oder Noilly Prat.

Das Wermutkraut (Artemisia absinthium) verleiht dem Wermut nicht nur den Namen, sondern auch den bitteren Geschmack. Mit etwas Anis, Fenchel und je nach Rezeptur weiteren Kräutern versetzt, ist der Wermut auch unter dem Namen Absinth bekannt. Allerdings liegt der Alkoholgehalt beim Absinth deutlich höher (bei 45 bis 85 Volumenprozent).

Martini - der James-Bond-Cocktail

Wenn James Bond einen Martini bestellt, handelt es sich dabei um einen Cocktail. In der klassischen Variante wird dabei ein Drittel Wermut mit zwei Drittel Gin gemischt und mit einer Olive garniert. Gin ist ein mit Wacholder gewürzter Schnaps, der aus Getreide oder Rübensirup (Melasse) gebrannt wird. Auch andere Gewürze wie z.B. Koriander oder Ingwer können während der Destillation zugesetzt werden. Häufig wird auch Wodka und Wermut kombiniert. Wodka beginnt wie Gin mit einem Alkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent, liegt in der Regel aber deutlich höher. Wodka wird aus Getreide (in Osteuropa überwiegend Roggen) oder aus Kartoffeln gebrannt. Sein besonderes Kennzeichen ist der neutrale Geschmack. James Bond allerdings, lässt sich gleich beide Spirituosen mit dem Wermut mischen und, um das Maß voll zu machen, mit dem französischen Weinaperitif Lillet abrunden.

Geschüttelt oder gerührt?

Sowohl Wodka als auch Gin und Martini sind farblos. Deswegen soll nach klassischer Barkeeperlehre der Drink auch gerührt und nicht geschüttelt werden. Das Schütteln heben sich die Männer und Frauen hinter dem Tresen in der Regel für das Mischen von Flüssigkeiten unterschiedlicher Konsistenz auf, z.B. Obstsäfte und Spirituosen. Über die vermeintlichen Geschmacksunterschiede zwischen geschütteltem und gerührtem Martini gehen die Meinungen auseinander. Eine Theorie behauptet, dass beim Schütteln die Eiswürfel zerkleinert werden und daher schneller schmelzen: der Martini verwässert (Ulf Neuhaus von der Deutschen Barkeeper-Union, zitiert im manager magazin).

Der Westdeutsche Rundfunk verwies in seiner Sendung „Gut zu wissen“ auf den sogenannten Paranuss-Effekt, nach dem sich größere Moleküle beim Schütteln an der Oberfläche anreichern, während sie sich beim Rühren gleichmäßig verteilen. Die größeren Moleküle sind gleichzeitig auch die Geschmacksträger, d.h. bereits mit dem ersten Schluck wird beim geschüttelten Martini der volle Geschmack aufgenommen. Und dass James Bond ein Genießer ist, ist ja hinreichend bekannt.