
- Mary Shelley - National Portrait Gallery, London
Frankenstein und sein Monster gehören zu den bekanntesten Figuren der Horror-Literatur. Die Geschichte über die Erschaffung eines künstlichen Menschen erschien im Jahre 1818 und stammt aus der Feder der damals 19-jährigen Mary Shelley. Das interessante Leben der britischen Autorin des 19. Jahrhunderts ist geprägt von ihrer Liebe zum Schriftsteller Percy B. Shelley, der Trauer um ihre verstorbenen Kinder und der vielen Reisen durch Europa.
Die Jugendjahre von Mary Shelley
Mary Shelley wurde am 30. August 1797 als Mary Godwin in Somers Town, London geboren. Ihre Eltern waren der Schriftsteller William Godwin und Mary Wollstonecraft, die bereits kurz nach Marys Geburt starb. Mary Godwin und ihre Halbschwester Fanny Imlay wurden zunächst von William Godwin allein aufgezogen. 1801 heiratete dieser Mary Jane Clairmont, welche die beiden Kinder Charles und Claire mit in die Ehe brachte. Wie es Anfang des 19. Jahrhunderts üblich war, erhielt Mary Shelley als Mädchen aus der Mittelschicht keine formale Schulerziehung. Sie hatte allerdings Zugriff auf die umfassende Bibliothek ihres Vaters. Außerdem wurde sie in der französischen Sprache und im Verfassen epischer Texte privat unterrichtet. 1812 lebte Mary Shelley für einige Monate bei der Familie von William Baxter in Schottland. Später beschrieb sie diese Zeit als sehr prägend und Fantasie anregend.
Mary Shelley verlor drei ihrer vier Kinder
Anfang des Jahres 1814 lernte Mary Godwin den verheirateten britischen Schriftsteller Percy Bysshe Shelley kennen. Sie gestanden sich am 26. Juni 1814 am Grab von Mary Wollstonecraft ihre Liebe. Am 28. Juli machten sie sich zusammen mit Claire Clairmont heimlich auf eine Reise durch Europa. Als die drei am 13. September 1814 wieder nach England zurückkehrten, war Mary Godwin schwanger. Ihre Tochter Clara kam am 22 Februar 1815 zwei Monate zu früh auf die Welt und verstarb nach wenigen Tagen. Am 24. Januar 1816 gebar Mary Godwin ihren Sohn William. Den Sommer des Jahres 1816 verbrachte sie mit ihrem Sohn, Percy B. Shelley und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont am Genfersee, wo ihr die Idee zu ihrem Roman "Frankenstein" kam. Mary Godwin und Percy B. Shelley heirateten am 30 Dezeber 1816. Mary Shelleys Tochter Clara, benannt nach ihrem ersten verstorbenen Kind, kam am zweiten September 1817 zur Welt. Ihre beiden Kinder starben in den darauf folgenden zwei Jahren in Italien, was bei Mary Shelley schwere Depressionen auslöste. Die Geburt ihres vierten Kindes, Percy Florence am 12. November 1819 half ihr, diese depressive Phase zu überwinden.
Mary Shelleys Leben als Witwe
Am 16. Juni 1822 schwebte Mary Shelley wegen der Folgen einer Fehlgeburt in Lebensgefahr. Sie wurde allerdings von ihrem Ehemann Percy B. Shelley gerettet, indem er ihre Blutungen mit Eiswasser stoppte. Noch im selben Jahr ertrank Percy B. Shelley an der Küste in der Nähe von Viareggio. Das erste Jahr nach dem Tod ihres Mannes lebte Mary Shelley von ihrem knappen Gehalt als Schrifstellerin in Genua. Im Juli 1823 lebte sie eine Weile bei ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, zog dann aber mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung. 1826 lernte sie den amerikanischen Schauspieler John Howard Payne kennen, der um ihre Hand anhielt. Mary Shelley lehnte seinen Antrag ab, mit der Begründung, sie könne, nachdem sie bereits ein Genie geheiratet hatte, nur ein weiteres Genie zum Mann nehmen.
Die letzten Lebensjahre von Mary Shelley
In den Jahren 1840 bis 1843 unternahm sie mit ihrem Sohn Percy Florence zwei Europareisen. 1848 heirateten Percy Florence Shelley und Jane Gibson St John. Mary Shelley entwickelte eine sehr enge Beziehung zu ihrer Schwiegertochter. Zu dritt lebten sie in Field Place, Sussex, auf dem Erbsitz der Shelleys. Ab dem Jahre 1839 litt Mary Shelley unter starken Kopfschmerzen und Lähmungen, sodass sie zum Teil weder lesen noch schreiben konnte. Im Alter von 53 Jahren starb sie am ersten Februar 1851 vermutlich an den Folgen eines Gehirntumors.
Die bekanntesten Werke von Mary Shelley
- "History of a Six Weeks' Tour" (1817)
- "Frankenstein or The Modern Prometheus" (1818)
- "Matilda" (1819)
- "Proserpine and Midas" (1822)
- "Valperga, or the Life and Adventures of Castruccio, Prince of Lucca" (1823)
- "The Last Man" (1826)
- "The Fortunes of Perkin Warbeck" (1830)
- "The Dream" (1831)
- "The Mortal Immortal: A Tale" (1833)
- "Lodore" (1835)
- "Rambles in Germany and Italy in 1840, 1842 and 1843" (1844)
Quellen:
- Mary Shelleys Bibliografie
- Miranda Seymour: Mary Shelley. London: John Murray, 2000.
- Alexander Pechmann: Mary Shelley : Leben und Werk, Düsseldorf : Artemis & Winkler, 2006.
