
- Marzipanschwein - S.Hofschlaeger
Marzipan - der Name zergeht förmlich auf der Zunge. Er weckt Erinnerungen an Kindheit, und Kerzenschein. Diese wunderbare Köstlichkeit aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser. Da die Zutaten früher extrem teuer waren, beschenkten sich die Menschen damit nur zu ganz besonderen Festtagen. Auch heute noch werden etwa drei Viertel der Marzipan-Jahresproduktion in der Zeit vor Weihnachten verkauft. Was wir dann genüsslich vernaschen, hat eine lange, beinahe märchenhafte Geschichte.
Haremskonfekt
Der Schriftsteller Thomas Mann lässt in seinem Roman die Familienmitglieder der "Buddenbrooks" vom "Haremskonfekt" schwärmen. Tatsächlich stammt Marzipan aus der Heimat des Mandelbaums, dem Orient. Angeblich brachten Kreuzritter die Mandelpaste nach Venedig. Darauf deutet der Name "Marci Panis" hin, was so viel bedeutet wie "Das Brot des Markus", des Schutzheiligen von Venedig. 1904 wurde eine Theorie publiziert nach der sich marzapane aus dem venezianischen matapan ableiten soll, einer venezianischen Münze, die erstmals 1193 geprägt wurde.
Woher kommt das Wort „Marzipan“?
Matapan indes soll sich nun vom arabischen mautaban nach dem Verb wataba („stillsitzen“) ableiten, was „einer, der seinen Platz nicht verlässt“ bedeutet. „Wataba“ war zur Zeit der Kreuzzüge zum einen der Spottname für einen König gewesen, der untätig auf seinem Thron saß und seine Feinde nicht bekriegte, zum anderen auch für eine byzantinische Münze, die auf einer Seite eine auf dem Thron sitzende Christusgestalt zeigte. - Eine vage Theorie welche sich auf das in nur einer einzigen syrischen Quelle überlieferte nachklassisch-lateinische Wort marzapanus, das dort eine Zehntsteuer bezeichnet, stützt. Auf der Insel Zypern bezeichnete es demnach ganz speziell eine Schachtel, die den zehnten Teil eines Malters (altes Getreidemaß) beinhaltete. Im 14. Jahrhundert wurde schließlich der Name nicht mehr für die Schachtel, sondern für den Inhalt, Marzipan, verwendet. Doch es gibt noch mehr Therorien über die Herkunft des Wortes. Zum Beispiel soll es sich marzapane von der birmanischen Stadt Martaban ableiten. Eine Stadt, in der Keramiktöpfe hergestellt werden in denen verschiedene Spezereien, auch Süßigkeiten, aufbewahrt und verkauft werden. Im Persischen, Arabischen und Urdu wurde das Toponym martaban zum Begriff für Krüge.
Kurzum: Die tatsächliche Herkunft des Wortes Marzipan ist umstritten. Fest steht jedoch, dass das Wort im 16. Jahrhundert aus dem italienischen marzapane entlehnt wurde.
Marzipan nur für die Adligen
Seit 1300 verbreitete sich das Marzipan in ganz Europa. Da der Zucker damals sündhaft teuer war, blieb die edle Süßspeise zunächst nur den Adligen vorbehalten. Die Formbarkeit der Mandelmasse regte die Fantasie an, die Tafeln der reichen Leute bogen sich unter den sogenannten "Spektakelstücken": Da gab es Schinken, Figuren, ganze Schlösser - oft mit Blattgold verziert, wie die kostbaren vergoldeten Marzipanbrote, die manch einem Kaiser überreicht wurden. Marzipan wurde zunächst wie andere Süßwaren auch von Apothekern hergestellt. In dieser Zeit wurde der aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser hergestellte Süßteig als Arzneimittel gegen Verstopfungen, Blähungen sowie als Potenzmittel verkauft. Zur Zeit des Barock entdeckten die Zuckerbäcker schließlich Marzipan als Modelliermasse für kunstvolle Schaustücke. 1514 verbot die Stadt Venedig das Vergolden von Marzipan als übertriebenen Luxus. Als die Rübenzuckerproduktion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die entsprechende Rohstoffbasis bot, begann die Verbürgerlichung des Marzipans.
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