Marzipan aus Lübeck – Entstehung, Herstellung und Weltruhm

Der
Der "Erfinder" des Lübecker Marzipans - niederegger
Marzipan erfreut sich vor und während der Festtage größter Beliebtheit. Schon für diese Lübecker Spezialität ist die ehrwürdige Hansestadt eine Reise wert.

Alle Jahre wieder kommen in der Adventszeit und zum Weihnachtsfest Leckereien auf den Tisch. Dazu gehört natürlich auch Marzipan. Um das Marzipan und dessen Entstehung rankt sich eine schöne Geschichte:

Im Jahr 1407 herrschte in der Hansestadt Lübeck eine furchtbare Hungersnot, und alle Speicher in den Kaufmannshäusern und den Lagerhäusern an der Trave, dem Schifffahrtsweg nach Travemünde in die Ostsee, wurden nach Essbarem und Vorräten durchsucht. Man fand Reste von Mandeln und Zucker. Aus diesen Resten fertigten die Bürger eine Mandelspeise, formten sie zu Brotlaiben und verteilte sie am Markustag an die Not und Hunger leidende Bevölkerung. Dem heiligen Markus zu Ehren und zur Erinnerung an die Leben spendenden Brotlaibe aus Mandelspeise nannte man diese dann Marci panis (Brot des Markus).

Diese rührende Geschichte über die Entstehung des Marzipans könnte so schön zur Vorweihnachtszeit passen. Aber Markustag ist am 26. April eines jeden Jahres. Und die Geschichte stimmt bis auf die Hungersnot gar nicht. Aber schön ist sie.

Die Geschichte des Marzipans

Es stimmt vielmehr, dass der Ursprung des Marzipans im Orient liegt. Die süße Mischung aus Mandeln und Zucker soll viele Dynastien von Kalifen und Haremsdamen in Verzückung gesetzt haben, bevor die Spezialität über Handelsschiffe und Kreuzfahrer europäische Häfen in Portugal und Spanien und Venedig erreichte. Anfangs stellten in Europa nur Apotheker Marzipan her, denn es galt in herrschaftlichen Häusern als ein exklusives Heilmittel. In Lübeck durften erst seit 1714 auch Zuckerbäcker Marzipan herstellen, doch Marzipan blieb wegen des teuren Zuckers für den Bürger unerschwinglich. Grund dafür war Napoleons Kontinentalsperre mit dem Verbot des Imports von Rohrzucker. Erst nachdem die erste Zuckerrübenfabrik 1801 ihren Betrieb aufnahm, wurde der kostbare Zucker und damit auch das Marzipan für weite Teile der Bevölkerung erschwinglich.

Die Erfolgsgeschichte des Hauses Niederegger in Lübeck

Die Geschichte des Hauses Niederegger begann 1806. In diesem Jahr machte sich der Konditor Johann Georg Niederegger mit einer Konditorei in Lübeck selbstständig, gab ihr seinen Namen und entwickelte die Rezeptur des bis heute beliebten Marzipans. 1822 erwarb der erfolgreiche Unternehmer das Stammhaus in der Lübecker Breiten Straße gegenüber der Rathaustreppe, das seitdem Sitz des stets gut besuchten Niederegger-Cafes ist. Noch unter der Leitung des Gründers dokumentierte der Marzipanspezialist seine Spitzenstellung und belieferte den russische Zarenhof mit Marzipan-Spezialitäten. 1873 auf der Wiener Weltausstellung wurde Niederegger-Marzipan erstmals mit der Goldmedaille prämiert und 1908 etablierte sich der Marzipan-Spezialist auch als Hoflieferant des deut­schen Kaisers. Noch heute zählt das Marzipan des Hauses zu den exklusiven Süßwaren, da dort nur teure und kostbare Mandeln aus der Mittelmeer-Region verwendet werden.

Der norddeutsche Maler und Grafiker Professor Alfred Mahlau, Grafiklehrer zum Beispiel für Vicco von Bülow alias Loriot, entwarf das bis heute gültige und weltbekannte Corporate Design 1921: Es enthält das Markenzeichen und Lübeck-Symbol in Weiß, Rot und Gold mit den Initialen des Firmengründers J.G.N. 1999 wurde zusätzlich am Stammhaus in Lübeck, der Unesco-Welterbestätte seit 1987, der stark frequentierte Marzipansalon eröffnet.

Quellen: Nordzucker, Südzucker, Niederegger

Bildnachweis: © Niederegger

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

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