
- "Weiße Rose" Widerstandsbewegung im 3. Reich - Ulla Trampert / pixelio.de
Im Dritten Reich (1933 – 1945) wurden 16.500 Todesurteile vollstreckt. Der Hauptteil der Urteile wurde allein von drei Scharfrichtern vollzogen: Reichart, Röttger und Reindel. Vollstreckt wurde in der ersten Zeit mit dem Handbeil, ab 1933 wurde die Guillotine eingeführt. Das Erhängen, ebenfalls 1933 per Reichsgesetz eingeführt, galt als besonders schimpfliche Form der Hinrichtung und war den so genannten 'Volksschädlingen' vorbehalten. Die meisten Scharfrichter dieser Zeit wurden mit dem Ende des Naziregimes hingerichtet. Röttger konnte fliehen, ist aber bald entdeckt worden und im Gefängnis von Hannover 1946 gestorben. Für Reichart hatte die US-Militärregierung nach seiner Henkertätigkeit weitere Verwendung: als Unterweiser im Galgenbau für die Hauptkriegsverbrecher des Nürnberger Prozesses.
Namen der Henker im Dritten Reich
Von den 16.500 vollstreckten Todesurteilen wurden ca. 3.000 von Johann Baptist Reichart vollzogen. Er war Scharfrichter aus München, arbeitete aber in ganz Deutschland und auch in Österreich vor und während der Nazidiktatur. Reichart richtete die Geschwister Scholl hin, die bekannten Mitglieder der Widerstandsgruppe Weiße Rose. Die anderen beiden bekannten Henker im Dritten Reich waren Wilhelm Röttger, Scharfrichter aus Berlin, der recht begütert war und ein Fuhrunternehmen besaß, und Wilhelm Reindel, Scharfrichter aus Magdeburg. Außer diesen sind aus der Zeit zwischen 1933 bis 1945 noch die Namen der Scharfrichter Kleine, Köster, Ulitzke, Weiß, Hehr und Roselieb bekannt.
1931 hatte Reichart lediglich eine Hinrichtung vollzogen – 1943 waren es 876
Die Hinrichtungen im Dritten Reich nahmen von Jahr zu Jahr zu. Waren es zu Beginn lediglich einzelne, die Reichart vollzog – 1933 waren es fünf, 1934 vier –, stieg die Zahl ab 1940 sprunghaft an. In der ersten Zeit während der Nazidiktatur wurde noch mit einem Handbeil mit einer besonders breiten Schneide im Gefängnishof, direkt vor den Todeszellen, vollstreckt. Am 29. März 1933 wurde per Reichsgesetz das Erhängen als zusätzliche Hinrichtungsart eingeführt. Es gab sogar Pläne, den Schierlingsbecher einzuführen. 1933 bestellte Hitler 20 Guillotinen, die von den Insassen des Tegeler Gefängnisses hergestellt werden mussten.
Im Jahr 1937 vollzog Reichart neun Hinrichtungen. 1939 hatte er bereits 39 Todesurteile zu vollstrecken. Im Jahr darauf waren es 71. Hinzu kamen die immer zahlreicher werdenden Todesurteile der Militärgerichte. Ein Jahr nach Kriegsausbruch, 1940, stieg Johann Baptist Reicharts Hinrichtungszahl auf 163. Unter den Gerichteten war ein Fall, der sich in Wien ereignete, wo Reichart auch vollzog: Ein schon auf dem Richtblock liegender Verurteilter stritt seine Schuld mit größter Hartnäckigkeit ab. Reichart drückte auf den Knopf, das Fallbeil fiel herab und blieb eine Handbreit über dem Nacken des Verurteilten stecken. "Das ist höhere Gewalt, ich bin unschuldig!“, rief der Verurteilte. Das Fallbeil wurde trotz Protest wieder hochgezogen und fiel ein zweites Mal. Diesmal funktionierte es. Reichhart aber zitterte am ganzen Leib und litt vier Wochen lang an nervösen Störungen.
September 1943 – der Hinrichtungswahnsinn erreichte seinen Höhepunkt
Waren es 1940 bereits 163 Menschen, die durch Reichharts Hand starben, waren es das Jahr darauf 221 und ein Jahr später 764. Im September 1943 erreichte der Hinrichtungswahnsinn seinen Höhepunkt. Reichart tötete 876 Mal. In der Strafanstalt Plötzensee bei Berlin sollten an einem einzigen Septembertag 300 Hinrichtungen vollzogen werden. Bis zur 186. schafften es die Scharfrichter, dann weigerten sie sich, weiterzumachen. Es musste eine Pause von einem Tag eingelegt werden. Erst dann rollten die restlichen 114 Köpfe. Im Jahr des Hitlerattentats tötete Reichart 730 Menschen. Nach dem missglückten Attentat sagte Hitler zu einem der Berliner Scharfrichter: "Ich will, dass sie erhängt werden! Wie Schlachtvieh.“ In Berlin-Plötzensee ist der Hinrichtungsraum mit der Reihe von Fleischerhaken heute Gedenkstätte.
Für Scharfrichter Reichart gab es nach dem Dritten Reich weitere Verwendung
1945 vollstreckte Reichart noch 51 Todesurteile. Insgesamt tötete er bis Kriegsende 3.008 Menschen. 2.949 davon mit dem Fallbeil, 59 mit dem Strang. Nach Kriegsende wurden Hitlers fleißige Henker verhaftet, verurteil und hingerichtet. Sofern sie nicht entkamen oder Selbstmord begingen. Für Johann Baptist Reichart gab es nach 1945 weitere Verwendung. Die US-Militärregierung machte sich seine Erfahrung im Strangulieren und Galgenbau zunutze. Angeblich unterwies Henker Reichart Master-Sergeant Woods im Umgang mit dem Galgen. Woods war der Henker der Hauptkriegsverbrecher des Nürnberger Prozesses und henkte am 16. Oktober 1946 namhafte Nazigrößen.
Reichart, eine geächtete Person, züchtete zum Schluss Hunde
Reicharts Amt machte ihn, den Letzten einer 200jährigen bayerischen Henkersdynastie, zu einer einsamen und geächteten Person. Seine Ehe scheiterte, sein Sohn Hans beging 1950 Selbstmord. Zurückgezogen in Deisenhofen bei München züchtete er zum Schluss Hunde und starb im April 1972. Reichart gilt als der meistbeschäftigte Henker Deutschlands.
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