
- Bildschirm - LG Electronics
Ein immer kleiner werdendes Gerät, der Bildschirm, ist die zentrale Instanz im Alltag der Menschen. Sei es tagsüber der Computerbildschirm im Büro, oder abends der Fernsehbildschirm zuhause, die Menschen des 21. Jahrhunderts glotzen. Befindet sich der Durchschnittsdeutsche zwischen zwei Habitaten, so greift er zu seinem neuen, internetfähigen Mobiltelefon. 8,5 Millionen Deutsche besitzen derzeit ein Smartphone. Diese Zahl soll laut einer Studie auf 33 Millionen bis zum Jahr 2014 anwachsen. Bleibt dabei noch Zeit für Zwischenmenschlichkeit?
Die Entmenschlichung der Kommunikation
Kritiker dieser Entwicklungen befürchten eine Segmentierung der Gesellschaft durch das Internet. Es erlaubt uns zu diskutieren und zu publizieren, indem Informationen digital der Welt zur Verfügung gestellt werden. Der von freien Medien weitgehend abgeschottete Chinese kann sich weltweit über politische Entwicklungen informieren und etwa mit einem Japaner über seine Situation debattieren. Dies schließt gewiss nicht aus, dass diese Freiheit durch staatliche Überwachung eingeschränkt wird, doch ist es eindeutig, dass das Internet Information und Kommunikation fördert. Das inmitten der größten Infrastruktur der Welt Skepsis und Kritik aufkommen steht außer Frage. Viele befürchten eine Entmenschlichung der Kommunikation. Die Folgen wären Isolation und Vereinzelung verursacht durch die Erledigung privater Geschäfte am Bildschirm.
Mangelndes Selbstbewusstsein wird in einer digitalen, fiktionalen Welt wett gemacht, neue Kontakte findet man im Chatroom, soziale Netzwerke ersparen den Gang zu Freunden oder Bekannten. Sorgfältig ausgearbeitetes Wissen wird gegoogelt und der Urlaub wird von den schönsten, im Internet gefundenen Bildern bestimmt. Das digitale Zeitalter birgt Chancen und Risiken.
Dorado für Kriminelle
Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger vetritt eine eindeutige Meinung über das Internet: „Es ist ein Dorado für Kriminelle, Intriganten, Hochstapler, Terroristen, Triebtäter, Neonazis und Verrückte. Hier finden alle Sekten und alle Kulte ihr gemütliches Auskommen. Endlich können sich Welterlöser und Satanisten zusammenschalten.“ Die wichtigste Infrastruktur wird zur Gefahr für Wohlstand und Sicherheit. So gesehen im Dezember 2010 als Unternehmen wie MasterCard oder Amazon dabei halfen, den als Anarchisten verfolgten Wikileaks-Gründer Julian Assange aufzuspüren. Kurze Zeit später legte ein loser Zusammenschluss von Hackern, genannt Anonymous, zentrale Computer der Unternehmen lahm. Für den 5.November 2011 wurde ein weiterer Anschlag angekündigt. Ziel ist Facebook. Mehr als 600 Millionen Menschen nutzen dieses soziale Netzwerk. Gründe für dieses Vorhaben sei nicht zuletzt eine vorgeworfene Zusammenarbeit von Facebook mit dem amerikanischen Geheimdienst FBI.
Datenschützer sind besorgt
Die großen Datensammler von morgen sind die Anbieter von Informationen und Programmen, die vom Bürger erfahren, welche Filme er sieht, welche Themen ihn interessieren, wofür er viel ausgibt. So lassen sich Persönlichkeitsprofile bis hin zur politischen Ausrichtung eines Nutzers erstellen. Denn in allem, was der Bürger wissentlich oder unwissentlich online erledigt, hinterlässt er Datenspuren, wird er identifiziert und registriert. Es vergeht keine Woche in der keine Firma gestehen muss, dass Daten abhanden gekommen sind. Unter den Opfern sind renommierte Unternehmen wie Nintendo, die CIA oder auch die deutsche Bundespolizei.
Wer sorgt dann noch für die Sicherheit?
Selbstkontrolle ist ein allseits beliebtes Schlagwort gegenwärtiger Internetnutzung. Dem Nutzer wird nahegelegt, keine private Informationen in den Datenstrom zu entsenden. Ob Spam-Filter in der E-Mail-Adresse oder Antivirenprogramme auf der Festplatte, es gilt, sich in Eigenverantwortung zu üben. Das Problem ist jedoch fundamentaler. Nie war das Internet dafür vorgesehen solche Massen hochgradig privater, wirtschaftlich unentbehrlicher und überlebenswichtiger Daten zu befördern und zu verwalten. Seine Protokolle und Programme sind nicht dafür ausgelegt. Seine Benutzer haben nicht gelernt, die Risiken zu beherrschen, weder Unternehmen noch Bürger, noch Staaten.
Was also tun? Einige Experten wissenschaftlicher Institute die sich mit Internetforschung auseinandersetzen fordern eine Trennung der Netze. Das Internet wie wir es kennen ist eine einzige Autobahn, an welcher alle Computer der Welt angeschlossen sind und täglich kommen neue Daten, Computer und Menschen hinzu. Die Welt braucht also ein neues Netz, nur wie dieses aussehen soll, bleibt abzuwarten.
Was bleibt dann noch?
Trotz dieser grundlegenden Gefahr und Probleme nutzen mittlerweile 2 Milliarden Menschen das Internet, und es werden noch viele mehr. Neue Absatzmärkte werden erschlossen und das WorldWideWeb legt sich wie ein Gitter über die Erdkugel und die Menschheit scheint gespalten in eine Zwei-Klassen-Informationsgesellschaft. „Digital divide“, wie es Hermann Mayn in seinem Buch „Massenmedien in Deutschland“ ausdrückt. Er befürchtet die Entstehung eines digitalen Grabens zwischen denen, die Internet aktiv nutzen und denen, die es nur aus Zeitungen und Fernsehen kennen.
Die Liste der Vorwürfe ist lang
So wird dem Internet weiter vorgeworfen, es ersetze unmittelbare Erfahrungen und Erlebnisse durch eine künstliche Medienwelt. Außerdem machen neue, innovative Möglichkeiten wie die digitale Bildbearbeitung und Computeranimation die Unterscheidung zwischen Wirklichkeit und Fiktion immer schwieriger. Der Münchner Kommunikationswissenschaftler Walter A. Mahle prophezeit eine Überforderung der Menschen durch das wachsende Informationsangebot. Symptome hierfür seien demnach das Unvermögen, Informationen aufeinander zu beziehen und zwischen verschiedenen Graden ihrer Bedeutung zu unterschieden. Er nennt es einen ziellosen Datenkonsum, welcher Selbstzweifel infolge des Unvermögens hervorruft. Ein Chemiker beispielsweise müsste jährlich rund 600.000 Laborberichte, Dissertationen und Fachartikel lesen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Mahle sieht darin eine Reizüberflutung mit der Folge, dass Desinteresse an die Stelle von Interesse tritt.
Was sagen die Enthusiasten?
Das Argument bleibt das Gleiche. Internationale Datennetze erleichtern den Zugriff auf Information. Demokratie durch Internet. Nicht erst seit Ägypten findet diese Bezeichnung Anerkennung, schon 1998 schrieb die Enquete-Kommission des deutschen Bundestages über die neuen Medien. In ihrem Schlussbericht schreibt sie emphatisch, wie nützlich das Internet dabei sei, die Bürger schnell und unmittelbar zu informieren, sowie das eigene Handeln transparenter zu machen.
Politisch gesehen kann der Bürger seiner Meinung leichter kund tun. Die Entscheidungsträger sehen dies nach wie vor als eine Chance zur Belebung der politischen Diskussion, welche ein elementarer Teil moderner Demokratien ist. Weiter unterstreichen Medienenthusiasten die Möglichkeit Individueller Zusammenstellungen des Bedarfes an Informationen. Der Verbraucher entscheidet, welche Themen ihm seine Tageszeitung auf den Bildschirm liefern soll.
Der Schuh drückt
Ob enthusiastisch oder skeptisch, Fakt bleibt dass das Internet einer grundlegenden Renovierung bedarf, glaubt man den Zahlen zu kriminellen Übergriffen oder der Anzahl pornografischer Seiten im Internet. Dazu gilt es sozialwissenschaftliche Analysen und Thesen auszuarbeiten, möchte man verstehen, wie die Medien und vor allem das Internet auf ihn einwirken und mit welchen Konsequenzen die moderne Gesellschaft zu rechnen hat.
