
- Legehennen - PeTA Deutschland e.V. / pixelio.de
Ungefähr 45 Millionen Hühner werden allein in Deutschland gehalten, gezüchtet zum Verzehr oder zur Ei-Ablage. Die deutsche Bevölkerung konsumiert pro Jahr etwa 18 Milliarden Eier in Form von Frühstückseiern, Nudeln, Backwaren etc. Legehennen produzieren zirka 250 – 300 Eier pro Jahr. Verglichen mit der Legeleistung vor ein paar Jahrzehnten, die um zirka 120 Eier pro Jahr lag, ist eine enorme Leistungssteigerung zu verzeichnen. Haltungsformen und Veränderungen in der Zucht haben zu der erhöhten Leistung beigetragen - auf Kosten der Tiere!
Die Käfighaltung wird per Gesetz verboten
Am 1. Januar 2010 wurde in Deutschland die Haltung von Hennen in Legebatterien endgültig verboten. Auch die EU brachte einen entsprechenden Gesetzesentwurf, die Legehennendirektive, auf den Weg. Somit wird ab dem Jahr 2012 in der gesamten EU ein Batteriekäfigverbot gelten. EU-weit werden zurzeit jährlich allerdings immer noch zirka 300 Millionen Hennen in kleinen Draht-Käfigen gehalten. In jedem Käfig werden etliche Hühner auf engstem Raum zusammengepfercht, sie haben weder Sitzstangen noch Sand zum Scharren auf dem Boden. Die Füße der Tiere sind durch den Draht, auf dem sie den ganzen Tag stehen müssen, verkrüppelt, ihre Knochen durch die ununterbrochene Eierproduktion brüchig. Einige Länder versuchen dennoch das endgültige Verbot zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Hierzu gehören Bulgarien, Irland, Griechenland, Slowakei, Tschechien und Polen. Die Frage ist nun, welche Haltungsformen nach dem Legebatterienverbot noch existieren und ob die Tiere in den Massenbetrieben überhaupt artgerecht gehalten werden können?
Artgerechte Haltung
Hühner leben bevorzugt in kleinen Gruppen, die im Normalfall Hennen, einen dominanten Hahn und die Jungtiere umfassen. In einem Umkreis von 70 – 100 Metern um den Schlafplatz scharren die Hühner im Boden, um Früchte, Samen, Keimlinge, Insekten, Beeren und Würmer aufzuspüren. Mittags ruhen die Tiere oder putzen sich ausgiebig. Der Rest des Tages wird dann wieder mit Nahrungssuche, Sonnenbaden oder Gefiederpflege verbracht. Gegen Abend suchen die Hühner wieder ihre Schlafplätze auf, dabei halten sie sich im Normalfall an erhöhten Stellen auf, in freier Natur sogar auf Bäumen. Im Schnitt legt ein Huhn unter natürlichen Bedingungen jährlich fünf bis sechs befruchtete Eier, unter idealen Bedingungen auch einmal ein zweites Gelege. Das Nest wird sicher versteckt, sollte doch einmal ein Ei geraubt worden sein, legt das Huhn ein neues.
Bodenhaltung: Zifferncode 2
Auf jedem Hühnerei befindet sich ein aufgedruckter Erzeugercode. Dieser Zifferncode von 0 -2 gibt Auskunft über die Haltungsform, aus der das Ei stammt.
In der Regel werden bei der Bodenhaltung 18 Hennen pro Quadratmeter gehalten. Die Hallen umfassen mehrere Etagen, 6.000 Legehennen sind das Maximum. Die Nester werden auf verschiedenen Ebenen angeordnet, ansonsten halten sich die Tiere aber zumeist ebenerdig auf. Ein Drittel des Bodens sollte mit Stroh, Hobelspänen oder Sand bedeckt sein. Der Rest ist mit Latten oder Gittern überdeckt, damit der Kot hindurch fallen kann, und die Hühner nicht ständig in Kontakt sind mit ihren eigenen Ausscheidungen. Durch die hohe Anzahl an Tieren und das damit verbundene Gedränge leiden die Hühner an Stress-Symptomen, was unter anderem zu Kannibalismus führen kann. Weitere Verhaltensstörungen wie beispielsweise Federpicken und ausgeprägte Aggressionen bestimmen den Alltag der Legehennen und führen nicht selten zu einem vorzeitigen Tod der Tiere. Eileiterentzündungen durch zu hohe Legeleistungen sind ebenfalls an der Tagesordnung.
Freilandhaltung: Zifferncode 1
Freilandhühner werden in vergleichbaren Hallen gehalten wie ihre Artgenossen, die in Bodenhaltung leben. Allerdings haben sie einen Zugang ins Freie, der Boden sollte dabei über die gesamte Fläche komplett bewachsen sein. Die Tiere sollten tägliche uneingeschränkt die Möglichkeit haben nach draußen zu gehen, wo das Buschwerk bei entsprechender Witterung Schutz- und Unterschlupfmöglichkeiten bieten muss. Pro Huhn sind mindestens 4 Quadratmeter Auslauf einkalkuliert. Trotz ihrer Auslaufmöglichkeiten leben die Legehennen aber auch in der Freilandhaltung mit zirka 20.000 Artgenossen zusammen. Dies führt natürlich ebenfalls zu täglichen sozialen Konflikten und erzeugt ähnliche Stress-Symptome wie die Bodenhaltung.
Ökologische Haltung: Zifferncode 0
In der Regel werden in der ökologischen Haltung die Tiere ebenfalls in Hallen mit mehreren Etagen untergebracht. Pro Quadratmeter dürfen aber nicht mehr als 12 Tiere gehalten werden, die maximale Gruppenstärke beträgt 3000 Hennen. Die Ställe gleichen denen der Bodenhaltung, der Auslauf sollte die gleichen Kriterien erfüllen wie in der Freilandhaltung. Das Futter muss allerdings aus ökologischem Anbau stammen und genetisch unverändert sein. Auch haben die Hühner Tageslicht in den Ställen, Hähne befinden sich ebenfalls in den Gruppen.
Ökosiegel 0 als Verbrauchertäuschung?
Auch wenn der Verbraucher sich bewusst für Eier aus ökologischer Produktion entscheidet, ist ihm oft nicht klar, dass auch hier teils gravierende Missstände zu verzeichnen sind. Tierschützer argumentieren seit Jahren gegen die Hühnerhaltung:
- Auch wenn das Ei aus ökologischer Haltung stammt, kommen die Legehennen trotzdem aus den üblichen Aufzuchtanlagen. Im Normalfall mussten auch sie rund 20 Wochen bei Dämmerlicht ihr karges Leben in Käfigen fristen oder werden zu Tausenden auf engstem Raum in großen Hallen zusammengepfercht.
- Unabhängig von der Haltungsform werden die Hennen in Großbetrieben selten älter als 15 – 18 Monate. Sobald ihre Legeleistung abnimmt, werden die Tiere geschlachtet. Der Weg zum Schlachter bedeutet für die Hühner oftmals die reinste Qual. Sie werden in kleine Kisten gedrückt, so dass sie sich die Beine brechen oder die Hüfte ausrenken. Stress, Angst, Hunger und Durst lassen die Tiere unsäglich leiden.
- Eigentlich sollten die Hühner vor der Schlachtung durch ein Strombad betäubt werden, dies gelingt jedoch nicht immer, so dass die Tiere bei vollem Bewusstsein geschlachtet werden.
- Betrachtet man ausschließlich Deutschland, so sterben jährlich zirka 100 Millionen Hühner allein für das Eier-produzierende Gewerbe. Getötet werden sie als Ausschussware in Brütereien, als ausgelaugte Legehenne oder sie sterben während der oftmals quälerischen Haltung.
- Laut Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes sind Hühnerkäfige verfassungswidrig. Dennoch umgehen Lobbyisten die Anordnungen und verändern die Haltungsform marginal. Durch neue Namensgebungen werden die tatsächlichen Zustände dann oft verschleiert. Bezeichnungen, wie „Kleinvoliere“, „ausgestalteter Käfig“, „Hühner-WG“ oder gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung „Kleingruppenhaltung“ lassen nicht auf den ersten Blick erkennen, dass es sich realistisch betrachtet ebenfalls um Käfighaltung handelt.
Die Entscheidung, ob das sonntägliche Frühstücksei oder das Hähnchen-Brustfilet zum Mittagessen unter diesen Umständen wirklich sein müssen, trifft allein der Verbraucher!
Quellen:
- DER SPIEGEL 7/2011
- www.was-wir-essen.de
- www.albert-schweitzer-stiftung.de
- www.arbeitskreis-tierschutz.de
