
- Achtung Kofferbombe - S. Hofschlaeger - Pixelioi.de
Seit Jahrzehnten warnen Jean Ziegler, Peter Scholl-Latour und andere Kenner der Szene und der Verhältnisse davor, weiterhin scheinheilig den neuen Terrorismus mit Gewalt zu bekämpfen, ohne jemals daran zu denken, wo die Ursachen dafür liegen. Seit 500 Jahren beutet der Westen den Rest der Welt aus, besetzt Länder in denen wertvolle Rohstoffe lagern und bringt sogar immer wieder den heißen Krieg in diese Regionen. Dabei wird verdrängt, wie viele Millionen zivile, unschuldige Opfer bisher durch diesen „Wirtschaftsterrorismus“ zu beklagen sind und wie viele noch heute sowohl direkt, als Kollateralschaden der in diese Länder getragenen Kriege als auch indirekt, durch Hunger oder Wassermangel sterben müssen.
Wann endlich gehen die westlichen Staaten an die Wurzeln des Terrors?
Peter Scholl-Latour beklagt immer wieder die Beratungsresistenz der westlichen Regierungen und steht jetzt noch, in hohem Alter resignierend vor der Kamera, um immer wieder den Blick der Menschen in die Wunden zu lenken, die der Westen der Welt geschlagen hat. In kalten Zahlen ausgedrückt sind ein paar Tausend Opfer von 9/11 verschwindend wenig, gegenüber dem Aderlass der dritten Welt, der Araber seit Beginn der Ölförderungen. Auch Jean Ziegler bemüht persönliche Schicksale, um den westlichen Lesern einen Zugang zu dem Leid zu schaffen, das unsere Lebensweise, unsere Wirtschaft der Welt zufügt. Auch das scheint aber Frau Will, Herrn de Maiziere und besonders den ignoranten Mr. Jordan nicht zu erreichen. Allein Ex-Innenminister Baum windet sich und möchte wenigstens die Liberalität im Westen erhalten, den Deutschen keinen „patriot act“ zumuten. Dass der Hass, die blinde und immer schlimmer werdende Wut auf die skrupellose Politik der Industrienationen dazu führt, dass plötzlich der in das Ausland getragene Krieg auch in unserem Land Opfer fordert, will immer noch kein Politiker sehen.
Die Welt braucht Gerechtigkeit
Es kann nun nicht mehr geleugnet, unterdrückt werden, dass es an der Zeit ist, die Rechnungen zu begleichen. Selbst in diesem Jahr hat die US-Waffenindustrie stolz bekannt gegeben, auch in die Krisengebiete wieder Waffen für 20 Milliarden Dollar geliefert zu haben. Die amerikanische Wirtschaft braucht nun mal endlich Wachstum. So befeuert sie das Wachstum des Terrors. Israel begründet die Siedlungspolitik im besetzten Westjordanland, ja die Gründung des Staates damit, dass alle Länder im Westen ja ihre Existenz auf Völkermorden gegründet haben. Die Araber sind halt die Indianer Israels, wozu also die Aufregung? Ist also der Westen die Quelle des Unrechts auf dieser Welt? Wer sich durch die zehn Bände der Weltgeschichte, herausgegeben von Golo Mann gelesen hat, muss diese Frage uneingeschränkt bejahen. Ja, wir haben Schuld auf uns geladen und sind verpflichtet, diese Schuld nun abzutragen. Dies wird nicht auf Gutsherrenart, wie Mr. Jordan wünscht, sondern nur auf Augenhöhe, achtsam und mit Respekt geschehen. Der Westen hat dem Rest der Welt die Würde genommen und muss sie wieder herstellen.
Der IWF machte den Anfang, WTO und WHO müssen folgen
Der internationale Währungsfond beginnt sich unter dem Druck der Ereignisse nun auch den Schwellenländern, also denen, die auf dem Weg aus dem – vom Westen verschuldeten – Elend sind den Zugang zu den entscheidenden Gremien zu öffnen. Doch immer noch blockiert der vom Westen dominierte Handel die Gesundung der dritten Welt, zerstört die Welt-Gesundheitspolitik die Gesundheit der Welt. Jean Ziegler bringt Beispiele, wie einerseits Kinder durch eingeschleppte Krankheiten infiziert, wie in Afrika unbekannte Viren das Immunsystem zerstören, was dann von westlichen Medizinern als AIDS bezeichnet wird. Daraus ergibt sich ein milliardenschweres Geschäft für die westliche Pharmaindustrie, aber kein Nutzen für die Menschen. So gesehen wurden die Indianer und Indios in Nord- und Südamerika auch durch AIDS, eben eine Immunschwäche gegenüber den unbekannten Krankheiten getötet. Seriöse Wissenschaftler verlangen immer noch, dass der angeblich isolierte HI-Virus endlich einmal beschrieben, gezeigt wird. Die Diagnosen berufen sich immer noch auf eine reduzierte Anzahl von Abwehrzellen, also die Abwehrschwäche des Immunsystems. Medizinjournalist Jörg Blech hat einleuchtend beschrieben, was zum Beispiel die chinesische Medizin seit 3.000 Jahren kennt. Es gibt im Menschen ein Gleichgewicht an schädlichen und nützlichen Bakterien. Sobald das Gleichgewicht, wodurch auch immer gestört wird, ist der Organismus, der Mensch krank. Dieses Gleichgewicht ist global gestört, nicht nur im Menschen selbst.
Auge um Auge schlägt das „Imperium“ nun zurück
Die Wut der Welt auf den Westen findet natürlich sowohl im Alten Testament der Christen – und Juden – als auch im Koran Antworten, Anleitungen, sich der Fremdherrschaft zu wehren. Natürlich finden Extremisten überall, auch unter jungen Menschen in Deutschland und den USA Sympathisanten, die bereit sind auch ihr Leben zu opfern, für die Gerechtigkeit. Zumindest im Alten Testament soll ja der Ausdruck: „Auge um Auge“ falsch gedeutet worden sein und eigentlich „Auge für Auge“ heißen. Eigentlich sollte ein intellektuell entwickelter Westen, mit Anstand und Manieren, wie Thomas Mann sie für einen „rechten Herren“ beschrieb die Welt zu einer vernünftigen, nachhaltigen Entwicklung führen. Nach Ziegler und Scholl-Latour sind aber Anstand und Manieren das, was dem Westen immer noch am meisten fehlt. Nur darf er sich nun nicht wundern, wenn plötzlich auch in seinem Wohnzimmer, in Ländern, die nun schon 65 Jahre ohne Krieg sind, der Feind den Krieg zurückbringt, postwendend. Den Menschen in den USA und in Europa wird nun vor Augen geführt, dass etwas faul ist auf dieser Welt. Ob die Schuld des Westens je beglichen werden kann, bezweifeln beide Autoren. Aus vielen Gesprächen mit Politikern, Gelehrten und einfachen Menschen berichten beide aber, dass Vergebung möglich ist, sofern endlich ein Umdenken beginnt. Spiegelredakteur Georg Mascolo fordert immerhin, dass der Westen endlich akzeptiert, dass die Welt nun mal zurückschlägt, dass Terrorismus nun auch im Westen so normal wird, wie der Terror des Westens in Afghanistan, Irak und ganz Afrika.
Die letzte Frage Frau Wills, was denn passieren müsse, um die Ursachen zu beseitigen, beantwortete de Maiziere ganz richtig, man müsse sich halt zurückziehen. Das ist immerhin der Anfang, doch dann folgt der große Rest, aber der tut weh.
Quellen, unter zahllosen anderen:
- Peter Scholl-Latour im ARD: „Das Ende der weißen Weltherrschaft“
- Jean Ziegler: „Der Hass auf den Westen“
- Siba Shakib: „Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen“
