
- Rees: Ein Grab in Gaza - C.H. Beck
Der Direktor der UN-Schule in Bethlehem, der Geschichtslehrer Omar Jussuf, fährt mit Magnus Wallender, seinem Vorgesetzten, in den Gazastreifen, um UN-Schulen zu inspizieren. Dort erfahren sie, dass einer der Professoren verhaftet wurde, weil ihm vorgeworfen wird, ein Informant der CIA zu sein. Doch seine Frau bestreitet das vehement und berichtet von erkauften Universitätsabschlüssen. Das, was zunächst nur eine Lappalie zu sein scheint, löst eine Kette an Aktionen aus, die über die Verhaftung des Lehrers weit hinausgeht und zahlreiche Todesopfer fordert.
Rees schreibt über Gewalt und Korruption in Gaza
Omar Jussuf und sein Vorgesetzter bemühen sich um die Freilassung des Professors. Doch dann wird Magnus Wallender von der mächtigsten Miliz im Gazastreifen, den Saladin-Brigaden, entführt. Ein anderer UN-Mitarbeiter stirbt durch eine Autobombe. Die UNO zieht sofort alle ausländischen Mitarbeiter ab. Omar Jussuf muss sich daraufhin allein der Korruption und Gewalt in Gaza stellen und herausfinden, wie Morde und Entführungen, ein Grab auf einem britischen Friedhof und eine gestohlene Rakete miteinander in Zusammenhang stehen.
Der Konflikt zwischen Israel und Palästina
In Anbetracht der politischen Situation im Nahen Osten geht die dichte und packende Handlung verknüpft mit der Schilderung des israelisch-palästinensischen Konflikts im Roman "Das Grab von Gaza" dem Leser ebenso unter die Haut, wie das bereits in Rees erstem Kriminalroman "Der Verräter von Bethlehem" der Fall war. Für seinen Erstling wurde der Autor mehrfach ausgezeichnet.
Alle Verbrechen basieren auf realen Vorkommnissen in Gaza
Rees, der bis zu einem Bombenattentat viele Jahre als Jerusalemer Bürochef der Time tätig war, und nach wie vor für das Medium schreibt, stellt seinem Roman auch diesmal den Satz voran: "Alle in diesem Buch beschriebenen Verbrechen basieren auf realen Vorkommnissen in Gaza. Auch wenn die Namen und einige Umstände verändert wurden, gingen die Mörder tatsächlich auf die geschilderte Weise vor, und diejenigen, die dabei ums Leben kamen, sind in jedem Falle tot."
Genaue Schilderung der Situation im Nahen Osten
An einer anderen Stelle lässt Rees, der mit seiner Familie in Jerusalem lebt, den UN-Mitarbeiter Magnus Wallender sagen: "Leute aus dem Westen haben eine zu einfache Sicht auf das, was im Nahen Osten richtig und falsch ist." In seinen Romanen vermittelt Rees Hintergründe, beschreibt die Region und ihre Bewohner, deren Geschichte und Alltag und deren Kampf mit den Naturgewalten. So zieht sich durch die ganze Handlung von "Ein Grab in Gaza" ein heißer Sandsturm, der den Himmel verdunkelt, in jede Ritze dringt und Omar Jussuf die Luft zum Atmen nimmt.
Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza. C.H. Beck 2009. Gebunden mit Schutzumschlag, 352 Seiten. Euro 18,90.
