Mauerreste in Berlin

Sozialistischer Bruderkuss - isabelle daniel
Sozialistischer Bruderkuss - isabelle daniel
Kunst und Gedenken: Reste der Berliner Mauer an verschiedenen Orten in der Hauptstadt erinnern an die Teilung der Stadt bis 1989.

Auf der Westseite Berlins hatte sich die Mauer bereits seit Beginn der 1980er Jahre zu einer Leinwand im Großformat unter freiem Himmel entwickelt. Hier hinterließen Hobbysprayer genauso wie namhafte Künstler ihre Signatur. Keith Haring und Thierry Noir waren nur zwei der professionellen Maler, die den Betonwall zumindest zur einen Seite hin zu einem Kunstwerk umfunktionierten. Farbe und Bilder auf der Mauer wurden damit zum Symbol für Westberlin, aber auch zum Symbol für die Freiheit, den "antifaschistischen Schutzwall" mit Farbe überpinseln zu dürfen. Undenkbar auf der "inneren Mauer" auf der Ostseite - bis 1990. Mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 fielen auch viele Kunstwerke. Nur ein geringer Teil der Mauer ist bis heute in Berlin zu sehen; ganz wenige Segmente stehen noch an ihrem ursprünglichen Platz.

Die "Eastside Gallery"

Rund 100 Künstler aus aller Welt bemalten ein Jahr nach dem Mauerfall ein ein Kilometer langes Teilstück der inneren Mauer und verwandelten sie zur längsten Open-Air-Galerie der Welt, der "Eastside Gallery". Das wohl am häufigsten fotografierte Mauerbild, der "sozialistische Bruderkuss" entstand ebenfalls hier und ist etwa auf halber Strecke in der Mühlenstraße zu sehen. Zahlreiche weitere Kunstwerke vermitteln einen Eindruck von der Begeisterung der vielen angereisten Künstler, die 1990 ihre Dankbarkeit für das Ende der unnatürlich getrennten Stadt zum Ausdruck brachten. Das lange Teilstück der Berliner Mauer zwischen Warschauer Straße und Ostbahnhof gehört längst zu den wichtigsten Kunstwerken Berlins und steht unter Denkmalschutz.

So kommt man hin: S-Bahn: S3, S5, S7, S9 Ostbahnhof oder Warschauer Straße sowie mit der U-Bahn: U1, U15 Warschauer Straße

Der Mauerpark

Das lange Teilstück der ehemaligen Hinterlandmauer, das den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark, einstiges Stadion des DDR-Clubs FC Dynamo Berlin, vom nebenan gelegenen Park trennt, hat zwar keine denkmalgeschützte Fassade, kann aber getrost auch als zeitgenössisches Kunstwerk gelten. Hier sprayen noch Tag und Nacht Hobbykünstler Graffiti an winzige Freiflächen oder über alte Sprühwerke.

Zum Spazieren lädt der Mauerpark besonders an Sonntagen ein, wenn auf dem wöchentlich stattfindenden Flohmarkt neben üblichen Gebrauchsgegenständen auch unikate Kunstfotografien zum Verkauf stehen - etwa von der Mauerkunst.

So kommt man hin: U-Bahn: U2 Eberswalder Straße sowie mit der Tram 20 Eberswalder Straße

Gedenkstätte Berliner Mauer/ Bernauer Straße

Dass die Mauer nicht nur Kunstpotenziale weckte, sondern in erster Linie die grausame Methode eines Unrechtsstaates war, sein Volk einzusperren, macht die Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße bewusst. In dem frei zugänglichen Museumsbereich, der täglich geöffnet hat, kann man sich anhand zahlreicher Quellen, Dokumente und Filmausschnitte über die Entstehung, Auf- und Ausbau der Berliner Mauer und ihre Bewachung sowie den Mauerfall informieren. Auch an geglückte und missglückte Fluchtversuche sowie über die (bekannten) Todesopfer der Mauer wird dort erinnert. Zur Gedenkstätte gehört außerdem ein großer Open-Air-Bereich entlang der Bernauer Straße. Bis heute steht dort ein Wachturm; zu sehen sind zudem die Hinterlandmauer und die innere Mauer, anhand derer man hier sehen kann, wie die DDR einen Friedhof (den Sophienfriedhof) einfach mitten ins Grenzgebiet verlagerte. Die Geschichte zur Mauer an der Bernauer Straße wird in einem Film im Informationszentrum Berliner Mauer am Nordbahnhof erzählt. Im Nordbahnhof selbst informiert zudem eine Dauerausstellung über das Thema "Grenz- und Geisterbahnhöfe im geteilten Berlin".

So kommt man hin: S1, S2, S25 Nordbahnhof

Potsdamer Platz

Wer sich in Berlin orientieren möchte, um zu wissen, ob er sich im ehemaligen Ost- oder Westteil der Stadt befindet, achtet meist auf die berühmten Ampelmännchen. Eine andere Möglichkeit bieten einige Plätze der Stadt, an denen der ehemalige Postenweg mit einem gepflasterten "Grenz"streifen markiert ist. Das ist zum Beispiel am Potsdamer Platz, unmittelbar vor dem heutigen Sony Center der Fall. Hier stehen zudem sieben einzelne Mauersegmente, die allerdings nicht ursprünglich aus der Stresemannstraße stammen.

So kommt man hin: S-Bahn: S1, S2, S25 sowie mit der U2 bis zum Potsdamer Platz

Checkpoint-Charlie

Das "Haus am Checkpoint Charlie" gehört für die meisten Berlin-Touristen zum Pflichtprogramm. Das Museum berichtet von geglückten und missglückten Fluchtversuchen über und unter die Mauer auf die andere Seite und beleuchtet die historische Bedeutung der Mauer vor allem anhand von Einzelschicksalen. Beliebtes Fotomotiv ist außerdem das Schild "Sie verlassen den amerikanischen Sektor" in der Friedrichstraße, das zum Symbol für den bekanntesten einstigen Grenzübergang wurde.

Originale Überreste der Berliner Mauer sind hier auch zu finden - und zwar in der Schützenstraße/Ecke Friedrichstraße. Wer noch ein Stück weiter läuft, kann gleich der Dauerausstellung "Topographie des Terrors" einen Besuch abstatten.

So kommt man hin: U-Bahn: U6 bis Stadtmitte, U2 bis Kochstraße

Bornholmer Straße

Wenig erinnert daran, dass die Bornholmer Straße einen der bemerkenswertesten Momente in der jüngsten deutschen Geschichte erlebte. Hier siegte die friedliche Revolution 1989, indem die aufständischen DDR-Bürger eine Öffnung der Grenze erreichten. Lediglich ein Gedenkstein und eine verschwommene Straßenmarkierung am ehemaligen Grenzübergang machen auf diesen historischen Moment aufmerksam - ein Rest Mauer steht allerdings auch noch.

So kommt man hin: S1, S2, S25, S9 bis Bornholmer Straße/Bösebrücke

Treptower Park

Mitten im Treptower Park ist heute ein originaler Wachturm zu bewundern, der jetzt allerdings zum Glück eine andere Aufgabe erfüllt. Seit einigen Jahren ist er ein alternatives Kulturzentrum in Berlin, in dem wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Ihm gegenüber steht noch ein originaler Rest der Hinterlandmauer.

So kommt man hin: Puschkinallee, Schlesischer Busch mit der S-Bahn: S6, S8, S9, S10 bis zum Treptower Park oder mit dem Bus 265

Parlament der Bäume

Die für Touristen am zentralsten gelegenen Mauerreste befinden sich in der Konrad-Adenauer-Straße. Hier installierte der Künstler Ben Wargin einige Mauersegmente entlang des ehemaligen Postenwegs. Vom Brandenburger Tor sind es zu Fuß nur etwa zehn Minuten via Wilhelm- und Luisenstraße.

So kommt man hin: S1, S2 bis Brandenburger Tor oder mit dem Bus 200 nach Unter den Linden, dann zu Fuß zur Konrad-Adenauer-Straße

Weitere einzelne Mauersegmente befinden sich in der Schwartzkopffstraße (U6), dem Invalidenfriedhof (S-Bahnhof Nordbahnhof) und dem St. Hedwigs Friedhof (Bus 245).