Maurer Leopold: Mann am Mars

Cover - luftschacht
Cover - luftschacht
Maurer Leopold inszeniert in „Mann am Mars" einen lakonischen und postmodernen Comic-Soundtrack

Die Österreicher haben ihren ganz eigenen Humor. Der ist mal schwarz, mal trocken oder subtil. Der Cartoonist, Illustrator und Comic- und Animationskünstler Maurer Leopold ist so ein Vertreter des österreichischen Humors. Leopold ist innerhalb der Comicszene kein unbeschriebenes Blatt mehr. Der Österreicher konnte bereits mit Miller & Pynchon (luftschacht) viel Lob von der Kritik einheimsen. Sein absurder und trockener Humor erinnert oft an seinen Landsmann und Kollegen Nicolas Mahler. Bei luftschacht ist nun ein weiterer Comicband des österreichischen Comickünstlers erschienen.

Darwin. Rauschbart und Marskoller

Er ist der erste Mensch auf dem Mars, seine einzig reale Gesellschaft eine Schildkröte mit dem programmatischen Namen Darwin. Das einzige, was er zu tun hat, ist das Beobachten von Marsgestein. Das ist auf die Dauer eine überaus monotone Tätigkeit. Aber der erste Mann am Mars ist zahlungskräftigen Sponsoren verpflichtet, die ihn zum Betreiben einer Tankstelle beauftragt haben. Darwin erweist sich philosophierender Steinliebhaber, der mehr stört als hilft.

Doch schon bald überfällt ihn der Marskoller und er bekommt Wahnvorstellungen: ein verhasster Arbeitskollege, der Nazi-Großvater und angeblich sitzt sogar Gott hinter einem der Hügel. Kein Wunder. Neben Darwin, der verschollen ist, kann er sich nur mit seiner außerirdischen Kundschaft unterhalten, die aufgrund der unschlagbar günstigen Preise zum Tanken auf dem Mars landen.

Lakonie und Postmoderne

Maurers Mars-Episoden bestechen zunächst durch einen lakonischen Humor. Auf zwei Seiten entfaltet der Österreicher seine aberwitzigen Pointen. Auf manchen Seiten merkt man den Texten im positiven Sinne an, dass der Autor Soziologie studiert hat. Er nutzt das Szenario des verlassenen und öden Planeten, um auf humorvolle Weise zu philosophieren.

Mann am Mars ist zudem ein postmoderner Comic, der in zwei Kapitel unterteilt ist. Die beiden Kapitel stellen jedoch „Schallplattenseiten“ dar. Jede Seite besteht aus mehreren Episoden, also „Songs“. Schnell wird klar, dass dies nicht nur ein weiterer eleganter Einfall Maurers ist. Vielmehr liegen den Episoden tatsächlich Songs aus der Popgeschichte zugrunde.

Der Soundtrack zum Comic

Diese Songs bilden nicht nur Verweisstrukturen innerhalb des Comics, sondern sind auch Stichwortgeber für die einzelnen Episoden. Die Interpreten lesen sich wie ein who is who der Popgeschichte: David Bowie, Lou Reed, John Lennon, Paul McCartney, Bob Dylan, Led Zeppelin oder die Beastie Boys sind nur die bekanntesten Musiker der aufgelisteten Songs.

Maurer steigert sich bis zur klassischen Musik und sogar bis zum direkten intermedialen Zitat, das dann weit vom bloßen Verweis abrückt und einmal mehr die Möglichkeiten des Mediums Comic demonstriert. Bis dieser Abstrahierung vom Pop zur Klassik geht aber auch eine inhaltliche Entwicklung einher, die an dieser Stelle aber nicht verraten werden soll. Dieser Link führt zu einer Leseprobe auf der Verlagsseite.

Wertung: 4 von 5

Maurer Leopold: Mann am Mars. Luftschacht, 2011. Klappenbroschur, 80 Seiten. Euro 18,50.