Mausches Dessau: Im Wandel der Zeit

Der kleine Mausche aus Dessau - Hanser Verlag
Der kleine Mausche aus Dessau - Hanser Verlag
Als Ausgangspunkt dient der spannende Jugendroman "Der kleine Mausche aus Dessau", geschrieben von der jüdischen Autorin Katja Behrens.

Das Buch ist 2009 im Hanser Verlag erschienen. Darin schildert Katja Behrens die mehrtägige Reise des 14-jährigen Mausche, die er im Jahr 1743 unternimmt. Der Junge stammt aus Dessau. Er ist zwar intelligent und sanftmütig, stottert aber und besitzt einen Buckel. Mausches Leidenschaft sind die Bücher. Er kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Der Junge will lernen, verstehen. Dazu reist er nach Berlin. Dort wird er der Schüler des berühmten Lehrers David Fränkel werden.

Mausche ist Jude

Die Reise startet in Dessau, führt durch Roßlau, Coswig und Beelitz. Der Junge hat es schwer. Er ist Jude. In Roßlau, jetzt ein Ortsteil von Dessau-Roßlau, bewerfen ihn Kinder mit Steinen. Doch hier findet Mausche auch einen Freund, den hinkenden Hannes aus Wiesbaden, der ihm hilft und ihn beschützt. Der andere ist ein Nauzri, ein Christ. Die Jungen verstehen sich trotz der Sprachschwierigkeiten und des unterschiedlichen Glaubens. Mausche empfindet die Reise als Abenteuer, das ihn durch Feindesland führt. Als Jude muss er an den Grenzen Leibzoll bezahlen. Der Junge wird beleidigt und gedemütigt, ohne dass er sich wehren kann.

Katja Behrens und "Der kleine Mausche aus Dessau"

Die Autorin Katja Behrens schuf einen anspruchsvollen, gut lesbaren, spannenden Jugendroman, in dem viel Wissenswertes über die jüdische Lebensweise zu finden ist. Im Buch wird die Angst Mausches vor Verfolgung und vor Repressalien im damaligen Dessau und den angrenzenden Gebieten eindringlich geschildert. Katja Behrens bietet mit "Der kleine Mausche aus Dessau" ein Lesestück an, das der Geschichtsaufarbeitung dienen kann.

Mausche ist Moses Mendelssohn

Wer ist nun dieser Mausche? In Dessau kennt man ihn unter dem Namen Moses Mendelssohn. Er war ein jüdischer Philosoph, der stets für Toleranz zwischen den Menschen eintrat, der den Dichter Gotthold Ephraim Lessing als Freund hatte und der, laut Nachwort von Katja Behrens, mit großem Geschick im berühmten Lavater-Streit brillierte.

Dessau in den Jahren des Nationalsozialismus

Die Geschichte von Angst und Vertreibung wiederholt sich für Mausches Glaubensgenossen etwa zweihundert Jahre später. Aus ganz Deutschland und auch aus Dessau werden die Juden vertrieben, teils verschleppt. Viele sterben in Konzentrationslagern.

Dessau-Roßlau, Gegenwart

Doch die Zeiten ändern sich. Als Zeichen des Gedenkens werden Stolpersteine vor den Häusern der Juden eingelassen, die damals ihr Leben lassen mussten. Damit folgt man einer Idee von Gunter Demnig, die bereits in vielen deutschen Städten verwirklicht wurde. Ein beschrifteter Gedenkstein aus Messing soll die Erinnerung an diese längst vergangene Zeitepoche wachhalten. Es wurde auch eine Broschüre unter dem Titel "Stolpersteine für Dessau-Roßlau" herausgebracht, in der die Lebensläufe der Opfer stehen. Und die Moses-Mendelssohn-Gesellschaft gibt es, deren Ziel es ist, das geistige Erbe des Philosophen zu pflegen und seine humanen Ideen zu verbreiten.

Das Foto der Glocke stellte freundlicherweise Matthias Kryszon aus Roßlau zur Verfügung.