Maut-Einführung auf Autobahnen in Portugal am 08. Dezember 2011

Elektronische Autobahnmaut - Dietfrid Kranich
Elektronische Autobahnmaut - Dietfrid Kranich
Mehrere Autobahnen in Portugal, deren Benutzung bisher kostenfrei war, sind ab 08. Dezember 2011 dem Mautsystem angeschlossen.

Betroffen davon sind drei Autobahnen im Norden Portugals: die Beira Inteiro A23, die Beira Norte A24, die Beira Litoral/Beira Alta A25 und die Algarve-Autobahn A22 im Süden des Landes. Noch gibt es mehr Fragen als Antworten über das Funktionieren der Maut und berechtigte Zweifel, ob sie tatsächlich ein zusätzliches Einkommen für den portugiesischen Staat bringen wird, oder ob sie sich im Gegenteil wirtschaftlich negativ auswirkt.

Kosten und mögliche Folgen der Maut

Seit dem 08. Dezember 2011 müssen Autobahnbenutzer für die A22, A23, A24 und A25 Maut entrichten. Die nachfolgenden Gebühren berechnen sich für eine einmalige Nutzung der gesamten Länge der jeweiligen Autobahn und betragen für Pkws 11,60 Euro auf der A22; 19,30 Euro auf der A23, 14,00 Euro auf der A24 und 15,65 Euro auf der A25. Lkws zahlen in der gleichen Reihenfolge der genannten Autobahnen 29,20 Euro, 48,35 Euro, 35,25 Euro und 39 Euro. Diese Preisangaben sind nur verbindlich für das Jahr 2011. Kurioserweise hat die portugiesische Regierung zwei unterschiedliche Werte für die Kilometerberechnung zugrundegelegt: 0,090672 Euro für die A23 und A25 und 0,0894 Euro für die A22 und A24.

In einem Land, das mit drastischen Sparmassnahmen im Gesundheits- und Sozialbereich einerseits und mit Steuererhöhungen andererseits versucht, den Maßgaben der Troika gerecht zu werden, hat diese Mauteinführung Folgen. Speditions- und Transportunternehmen planen bereits Mitarbeiter zu entlassen, den Fuhrpark zu verkleinern und Unternehmen nach Spanien zu verlegen. Jorge Lemos, der Inhaber eines portugiesischen Transportunternehmens sagt gegenüber dem Diário de Notícias am 09. Dezember 2011, „er werde aufgrund der Mauteinführung 20 % seiner Lastwagen aus dem Verkehr ziehen“. Die "Kommission der Autobahnbenutzer im Landesinneren" hat zwar die Schlacht über die Einführung der Maut verloren, wird den Kampf aber nicht aufgeben, berichtet der Diário de Notícias am 09. Dezember 2011. Der Sprecher der Kommission gab an, "es werde zu neuen Protesten kommen, die durch eine massive Nutzung der Nationalstrasse EN 16 zum Ausdruck gebracht werden, um aufzuzeigen, dass dies keine Alternative ist für die A 25“.

Wie funktioniert das elektronische Mautsystem?

Das elektronisches System besteht aus zwei Komponenten, es wird von der Firma Via Verde betrieben und wurde auch von ihr installiert. Mautportale, die an ausgewählten Punkten über den betroffenen Autobahnen errichtet wurden, verfügen über darin installierte Antennen. Fahrzeuge, die diese Mautportale passieren, sind in der Regel ausgerüstet mit einer Mautbox, anhand derer der Ort und die Zeit der Nutzung erfasst werden. Eine solche Mautbox kann gekauft oder geliehen werden. Ob ein Kauf oder eine Ausleihe sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie oft diese Autobahnen befahren werden und ob es sich um ein inländisches oder ausländisches Fahrzeug handelt. Kauf oder Ausleihe ist möglich in Shops der Betreiberfirma Via Verde, an Postämtern oder ausgewählten Autobahntankstellen. Die anfallenden Mautgebühren werden automatisch von einer vorher registrierten Kreditkarte eines Fahrzeugführers abgebucht. Fahrzeugführer von Fahrzeugen mit portugiesischem Kennzeichen, die keine Kreditkarte angeben wollen, haben die Möglichkeit, die angefallenen Gebühren zuzüglich Bearbeitungskosten innerhalb von 5 Tagen nach Benutzung der Autobahn persönlich bei einem Postamt oder Payshop zu begleichen. Motorradfahrer sollen diese Mautbox in einer mitgelieferte Tasche verstauen und diese mit einem an der Tasche befestigten Armband über dem linken Ellbogen befestigen.

Ebenfalls von der neuen Maut betroffen: die Algarve-Autobahn Via de Infante

Für den Tourismus besonders wichtig, ist die A22 im Algarve. Auch hier wurden Mauterfassungspunkte errichtet zwischen Lagos im Westen und Castro Marim im Osten.

In Zukunft werden Touristen, die einen Leihwagen buchen, sofort bei dessen Übergabe von der Mietwagenfirma darauf hingewiesen, dass sie zusätzlich zu der Mietwagengebühr auch die tatsächlich anfallenden Mautgebühren zahlen müssen. Sie können diese Bezahlung an örtlichen Postämtern entrichten oder in sogenannten payshops, die in fast jeder Ortschaft anzutreffen sind. Schwierig werden könnte es für Kunden, die auf dem Weg zum Rückflug und dem Flughafen die gebührenpflichtige Autobahn benutzen müssen und nicht die Zeit haben, diese letzte Maut zu begleichen. „In diesen Fällen sind wir angewiesen, die Daten der Kunden an die betreffenden Behörden weiterzuleiten, damit sie die Begleichung einfordern können“, sagt Paulo Beja, ein Mitarbeiter einer Mietwagenfirma gegenüber der englischsprachigen Wochenzeitung Algarve Resident vom 09.Dezember 2011. Aber auch am Postamt am Flughafen Faro wird es möglich sein, diese letzte Maut noch zu bezahlen und dadurch kann ein solches Zahlungsversäumnis vermieden werden.

Die Protestgruppe „Portagens na A22 Não“ hat für Mittwoch, 14. Dezember 2011, zu einer Demonstration in Faro vor dem großen Einkaufszentrum „Forum Algarve“ aufgerufen, um auf den Niedergang der ökonomischen und sozialen Entwicklung im Algarve durch die Einführung der Maut auf der Algarveautobahn A 22 Via do Infante hinzuweisen. Mitglieder dieser Protestgruppe betonen negative Folgen vor allem für den Tourismusbereich und für Geschäftsverbindungen mit Spanien. Die „Nationale Vereinigung von Transportgesellschaften“ in Spanien gibt an, dass die Maut mehr als 22.000 Pkws und Lkws täglich betreffen wird, die über die spanische Grenze fahren und durch deren Erhebung vor allem kleine, lokale Unternehmen finanziell gefährdet werden.

Praktische Beispiele

Stand März 2012: Von Autofahrern mit einem ausländischen Kennzeichen, die vom Ausland kommend die portugiesische Grenze passieren (beispielsweise in Vila Real de Antonio) wird erwartet, daß sie an der Grenze ein Ticket für die Autobahnbenützung an einem dafür aufgestellten Automaten lösen. Befindet sich das Fahrzeug mit dem ausländischen Kennzeichen bereits in Portugal und der Fahrer beabsichtigt eine Fahrt auf einer gebührenpflichtigen Autobahn zu unternehmen, wird von ihm erwartet, fünf bis drei Tage davor ein Ticket bei einer örtlichen Poststelle zu bezahlen.

Der letzte Streckenabschnitt vor Spanien ab Monte Gordo über die Brücke ist mautfrei. So können Autofahrer, die die Mautgebühr umgehen wollen, bis Monto Gordo auf der Nationalstrasse 125 fahren und danach kostenfrei die Brücke nach Spanien benutzen. Allerdings weichen schon viele Autofahrer auf die 125 aus. Dafür gibt es auf der Algarve-Autobahn nur noch wenig Verkehr.

Quelle:

Tageszeitung Diário de Notícias vom 09. Dezember 2011

Wochenzeitung Algarve Resident vom 09. Dezember 2011

Weiterführende Informationen: www.visitportugal.com

Sabine Kranich, Foto: Dietfrid Kranich

Sabine Kranich - Als Diplom-Psychologin, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin interessiere mich für andere Menschen und deren Ideen und Strategien, ...

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