Das mautpflichtige Streckennetz von Österreich beinhaltet sowohl Autobahnen als auch Schnellstraßen mit einer Gesamtlänge von etwa 2.100 Kilometern. In Österreich erfolgt die Mautabrechnung über zwei unterschiedliche Methoden: Bei Pkw bis 3,5 Tonnen über eine Vignette, über 3,5 Tonnen per vollelektronischem Erfassungssystem. Fahrer von Autos, Wohnmobilen und Kleintransportern bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht benötigen für das Befahren von Autobahnen und Schnellstraßen eine Vignette, im Volksmund auch Pickerl genannt. Sie wird an der Innenseite der Windschutzscheibe angeklebt. Die Vignette kostet pro Kalenderjahr 73,80 Euro oder wahlweise für zwei Monate 22,70 Euro beziehungsweise für zehn Tage 7,70 Euro. Vignetten kann man auf der deutschen Seite der Grenze und bei Tankstellen im Grenzgebiet kaufen.
Trotz Vignette kostet die Nutzung folgender Strecken beziehungsweise Tunnels allerdings extra: Arlberg-Tunnel, Bosruck-Tunnel, Brenner-Autobahn, Dachsteinstraße, Felbertauernstraße, Gerlos Alpenstraße, Gleinalmtunnel, Großglockner-Hochalpen-Straße, Maltatal-Hochalmstraße, Nockalmstraße, Silvretta Hochalpenstraße, Tauern-Autobahn, Timmelsjoch-Hochalpenstraße, Villacher Alpenstraße - Dobratsch, Karawankentunnel.
Vollautomatisch: Go Box
Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gibt es keine Vignetten, sie müssen das vollelektronische Maut-Erfassungssystem nutzen: Es trägt den Namen „GO Mautsystem für Lkw und Bus“ und wurde am 1. Januar 2004 durch die ASFINAG (österreichischer Autobahn- und Schnellstraßennetzbetreiber) eingeführt. Das von der ASFINAG ausgegebene Fahrzeuggerät heißt GO Box: Diese Box kann in etwa 180 Servicestationen, den so genannten GO Vertriebsstellen, bezogen werden. Einige davon befinden sich in Deutschland, Italien, Ungarn und Slowenien, nahe der Österreichischen Grenze. Die Vorteile des Mautsystems: Die GO-Box lässt sich ohne großen Aufwand direkt an der Windschutzscheibe im Fahrzeug montieren. Die automatische Abrechnung der österreichischen Mautgebühren erfolgt fahrleistungsabhängig und funktioniert mit Hilfe der Mikrowellentechnologie (DSRC = Dedicated Short-Range Communication): Die GO-Box und die Mautportale kommunizieren auf Mikrowellenbasis miteinander, während das mautpflichtige Fahrzeug unter dem Portal hindurch fährt. Ein Anhalten an der Mautstation ist damit nicht mehr notwendig.
Mautkosten für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen in Österreich
Erhoben wird die Maut auf allen Autobahnen und Schnellstraßen. Die Mauterhebung wird als sogenannte nutzungsabhängige Streckenmaut bezeichnet. Der durchschnittliche Mautkilometer beträgt abhängig von der Achszahl:
- für die Kategorie 2 (zwei Achsen) 0,158 Euro/km Netto
- für die Kategorie 3 (drei Achsen) 0,2212 Euro/km Netto
- für die Kategorie 4+ (vier Achsen und mehr) 0,3318 Euro/km Netto
Die Mautabrechnung kann sowohl im Pre- als auch im Post-Pay Verfahren erfolgen: Bei der Pre-Pay Variante wird eine Mautvorauszahlung mittels Aufladung von Guthaben geleistet. Als Zahlungsmöglichkeiten kann zwischen Bar-, Debitkarten-, Kreditkarten- und Tankkarten-Zahlung ausgewählt werden. Das Post-Pay Verfahren ermöglicht die Mautzahlung im Nachhinein per Lastschriftverfahren oder über den Service Card Anbieter.
Mautkontrollen und Verstöße
Auf den mautpflichtigen Strecken in Österreich sind etwa 100 stationäre Kontrolleinrichtungen für die Identifizierung von Mautprellern errichtet. Manuelle Kontrollen auf den Autobahnen und Schnellstraßen ergänzen das so genannte „Maut-Enforcement“. Mehr als 100 Organe der „Mautaufsicht – Service- und Kontrolldienst“ sind im gesamten mautpflichtigen Straßennetz, an Verkehrskontrollplätzen, an den Grenzen und an den Hauptmautstellen (Gleinalm, Bosruck, St. Michael, Rosenbach, Schönberg und St. Jakob) im Einsatz.
