
- Foto: Thomas Peter - Thomas Peter
Am 4. Advent war es wieder mal so weit: Zwischen der Villa Feer und dem Jazztone wurde im Grüttpark die Wintersonnenwende gefeiert. Schon von weitem hörte man Akkordeonklänge und der Besucher konnte die Flammen aus dem Feuerturm heraus schlagen sehen. Um 1630 hatte der Verpflegungsstand geöffnet, der wie immer auf dem benachbarten Boule-Feld aufgebaut war und komplett von der Familie Geiger aus Inzlingen gemanagt wird. Gegen 1700 entzündete der Künstler Max Meinrad Geiger den mit Holzscheiten gefüllten Turm.
Madame Gisella und ihr accordéon
Die musikalische Umrahmung übernahm dieses Mal Madame Gisella aus Müllheim mit ihrem Akkordeon. Sie umkreiste mit langsam abgemessnem Schritte das Feuerspektakel und intonierte ihre bezaubernde französische Musette-Musik.
Auch Dagmar Fük-Baumann vom städtischen Fachbereich Kultur liess es sich nicht nehmen mitzufesten, denn zusammen mit der Stadt Lörrach hat Max Geiger das Projekt schliesslich verwirklicht. »Der Anlass hat jetzt genau die richtige Größe erreicht«, so Baumann, »es ist schön gemütlich, nur ein paar Leute mehr hätten schon kommen können.«
Die Tulpen bedeuten den Frühling
Zweimal im Jahr lässt der Bildhauer und Galerist aus Inzlingen im Grüttpark seinen Feuerturm erglühen: Zur Sommersonnenwende um den 21. Juni herum und eben im Mittwinter. Im Jahr 2000 hat er den Feuerturm zusammengeschweisst aus vier Kuben ausgelasertem 20 Millimeter starkem Stahl. »Die Fenster darin in Tulpenform symbolisieren für mich den Frühling« so der Bildhauer und Kommunikationskünstler, der an der Basler Akademie studiert hat. Anderthalb Tonnen mag der vier Meter hohe Turm wohl wiegen, schätzt er und eine Woche hat er zur Herstellung gebraucht.
2 zusätzliche »Feiertage« gewonnen
Die Sonnwendfeiern haben zwar eine lange Tradition, sind bei uns jedoch in Vergessenheit geraten: Zu Halloween feiern wir den Abschied vom Sommer und mit dem Fasnachtsfeuer wollen wir den Winter vertreiben. Die Wintersonnenwende haben wir darüber aber irgendwie vergessen. Das heisst, nicht ganz, denn da wäre ja noch Weihnachten! Aber vor lauter christlicher Übertünchung ist es uns wohl gar nicht mehr so recht bewusst, dass das Christfest letztlich auf die Feier des Mittwinters zurück geht. Das Datum stimmt zwar nicht ganz exakt, aber am 21. Dezember steht jedenfalls »Winteranfang« auf dem Kalender. Dass wir hingegen schon mitten drin sind in der kalten Jahreszeit, rührt wiederum daher, dass der kalendarische Winteranfang rein mit den Sternen zusammenhängt und sozusagen hinter dem meterologischen Winterbeginn hinterher hinkt.
Neben Ostern, Pfingsten und 1. Mai sind wir dank Max Geiger um zwei weitere Jahresfeste bereichert. Bleibt zu hoffen, dass das Ereignis in Zukunft weiter an Beliebtheit zunimmt, sodass die Termine eines Tages zum lokalen Feiertag erklärt werden können.
