Max, Mondrian, Kraftwerk und Schiele: große Namen im Lenbachhaus

Helmut Friedel gewann den Kampf mit dem Mikro - Thilo Ruf
Helmut Friedel gewann den Kampf mit dem Mikro - Thilo Ruf
Umbau des Münchner Museums geht voran - Große Namen im sogenannten Kunstbau wollen auch 2011 viele Besucher locken

Noch ist nicht viel zu sehen am Münchner Königsplatz. Bauplanen und Schneereste verdecken die Großbaustelle des Lenbachhauses. Das Gebäude wird seit 2009 generalsaniert und ergänzt. Nach vorsichtigen Schätzungen kann dann im Frühjahr 2013 ein neuer Glanzpunkt in der städtischen Münchner Museumslandschaft entstehen. Was dazu noch fehlt und was in der Zwischenzeit passieren soll erklärten am 11. Januar 2011 der Direktor des Lenbachhaus, Helmut Friedel und Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers. Die beiden ließen sich die gute Laune zum Jahresanfang von anfänglichen Problemen mit dem Ton nicht verderben.

Darwinist, Spiritist und Affenliebhaber in einer Person

Der unterirdische Kunstbau, ein ehemals ungenutzter Raum direkt über den Gleisen der U-Bahn-Station Königsplatz, wird vom Lenbachhaus munter und trotz problematischer Dimensionen wunderbar mit Kunst bespielt wird. Zum Beispiel derzeit noch mit einer Ausstellung über Gabriel von Max. Wegen des großen Publikums- und Medieninteresses wird diese bereits seit Ende Oktober laufende Ausstellung nochmals um zwei Wochen verlängert. Bis 13. Februar haben die Münchner und Gäste also Gelegenheit, den fast schon vergessenen Malerstar des späten 19. Jahrhundert wieder zu entdecken. Sein zentrales Interesse, nämlich die Entwicklungsgeschichte des Menschen, verfolgte der Affenforscher als Künstler und Wissenschaftler gleichermaßen. Und beide Aspekte werden in der aktuellen Ausstellung auch abgedeckt.

Geburt der Abstraktion – Piet Mondrian und De Stijl

Ab dem 16. April, noch vor Ostern, zieht dann ein anderer Stil in den Kunstbau ein. De Stijl, die Künstlergruppe um Piet Mondrian und Theo van Doesburg, gab mit ihrer Zeitschrift auch gleich einer ganzen Kunstrichtung den Namen. Ähnlich wie das Bauhaus wollte man mit Möbeln, Kleidung und natürlich Architektur dem neuen Menschen der 1920er Jahre einen neuen Lebenstil verpassen. Elementar, modern und standardisiert. Auf der Basis von Linien und Grundfarben. Das zu zeigen ist keine leichte Aufgabe für Matthias Mühling, der zusammen mit dem Direktor des Lenbachhaus, Helmut Friedel, die Ausstellung kuratieren wird. Zusätzlich ist ein umfangreiches Rahmenprogramm zur Vermittlung von De Stijl ist geplant.

Kraftwerk – voll die Dröhnung im Museum

Danach, im Herbst 2011, wird es laut werden im Kunstbau. Denn die Gruppe Kraftwerk zieht ein mit ihren elektronischen Klangbildern. Ein Musikprojekt in einem Museum? Klingt wie ein Experiment und dürfte es auch werden, 3D-Brillen und eine Ohren-bedröhnende 25-Minuten-Version „Fahr'n, fahr'n, fahr'n auf der Autobahn“ inklusive. Da Mühling auch mit Münchner Konzerthallen zusammenarbeiten will, steht ein genauer Termin für dieses musikalische Zwischenspiel im Kunstbau noch nicht fest.

Schiele – mal nicht schief und biografisch

Was man von Egon Schiele kennt, sind sein krummen Körper – der Maler hat sich da selbst nicht ausgespart – meist nackt und von pathologisch wirkender Geschlechtlichkeit. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass dem österreichischen Künstler in der sogenanten Neulengbach-Affäre übel mitgespielt wurde. Wegen angeblicher Verführung einer Minderjährigen wurde er 1912 zu einer 24-tägigen Haftstrafe verurteilt. Dies bleib Zeit seines kurzen Lebens an ihm hängen. Dabei kann man Schieles Bilder auch anders interpretieren: Als Versuche, das eigene Ich zu begreifen. Zudem gibt es eine besondere Beziehung von Schiele zu München und dem Lenbachhaus: Er war ein großer Bewunderer des Blauen Reiter, wurde aber in die Künstlergruppe nie aufgenommen. Ab dem 3. Dezember 2011 werden seine Aquarelle und Zeichnungen aus der Wiener Albertina in München zu sehen sein.

Umbau des Hauses kommt gut voran

Soweit also der Blick auf die Ausstellungstätigkeit im Kunstbau. Zurück zum eigentlichen Lenbachhaus, das im winterlichen München etwas verloren, ja fast wie eine Bauruine wirkt. Dabei ist, wie Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers betonte, der Rohbau weitgehend abgeschlossen sowohl beim Erweiterungsbau als auch im Bestand. Erprobt wird gerade eine neues Beleuchtungskozept mit LEDs. Deren Licht lässt wohl nicht nur den Blauen Reiter in ganz neuem Glanz erststrahlen. Sollte die Erprobungsphase erfolgreich sein, dürfte das Münchner Lenbachhaus das erste Museum weltweit werden, in dem diese innovative Ausleuchtung eingesetzt wird.

Bis dahin ist noch etwas Zeit. Da Bauen im Bestand, zumal in der Stadtmitte, immer ein Risiko bleibt (in Küppers Amtszeit fällt auch der unendliche Umbau des Deutschen Theater München), wollte sich der Kulturreferent nicht auf ein genaues Datum für die Fertigstellung festlegen. Vom ersten Quartal 2013 war die Rede. Frühestens dann können also auch die Münchner den Bestand an Bilden des Blauen Reiter wieder bewundern. In neuem Glanz, mit viel Platz für Kunstvermittlung und freiem Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

Thilo Ruf, Thilo Ruf

Thilo Ruf - Nach vielen Jahren ausschließlich in der Unternehmenskommunikation schätze ich nun als "Freier" die Freiheit, z. B. bei der ...

rss