Maybrit Illner am 7. Juli: Soll die Unschuldsvermutung bleiben?

Maybrit Illner zur Unschuldsvermutung - ZDF-Foto
Maybrit Illner zur Unschuldsvermutung - ZDF-Foto
Das Thema bei Maybrit Illner am 7. Juli um 22.15 Uhr lautet: „Sex und mächtige Männer - Was verändert der Fall Strauss-Kahn?" Was hat sich geändert ?

Nach seiner Verhaftung gab Dominique Strauss-Kahn seine Posten als Präsident des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf und die Chancen auf seine Kandidatur für das französische Präsidentenamt schienen begraben. Inzwischen wurden die Auflagen für Strauss-Kahn weitestgehend gelockert. Allerdings darf er die USA nicht verlassen.

Alles hängt von der Glaubwürdigkeit des vermeintlichen Täters und Opfers ab. Das ist schon schwierig genug, wenn es um sogenannte Normalbürger geht - die Wahrheitsfindung wird fast aussichtslos, wenn die Beklagten mächtige oder prominente Männer sind. Erinnerungen werden wach an den Fall Kachelmann. In diesem Verfahren waren durch die ausführliche Medienberichterstattung alle Einzelheiten aus dem Leben Kachelmann und seiner Freundin ans Licht gezerrt worden. Gewonnen hatte dabei keiner. Am Ende stand ein - noch nicht rechtskräftiger - Freispruch mit fadem Beigeschmack. Und der Vorwurf: Wenn sich ein Beklagter teure Rechtsanwälte und Gutachter leisten kann, wird es ihm fast immer gelingen, die Glaubwürdigkeit der Frau, die ihn angezeigt hat, zu erschüttern. Selbst Juristen gaben in den öffentlichen Diskussionen den Rat, besser keine Anzeige erstatten, um nicht zu verlieren.

Deshalb lässt Maybrit Illner auch diskutieren, ob an dem Grundsatz der Unschuldsvermutung etwas geändert werden müsse. Was war geschehen?

Strauss-Kahn: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind schwerwiegend

Am 14. Mai 2011 wurde Dominique Strauss-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), aus der ersten Klasse seines startbereiten Linienflugzeuges von New York nach Berlin von der Polizei aus dem Flugzeug geholt und an Ort und Stelle wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung verhaftet. Ein 32-jähriges Zimmermädchen aus dem Sofitel-Hotel in New York hatte Strauss-Kahn angezeigt, weil er nackt in seinem abgeschlossenen Hotelzimmer das Zimmermädchen auf das Bett geworfen und oralen Sex verlangt habe. Die Zeugin konnte sich nach eigenen Angaben später befreien, fliehen und Anzeige erstatten.

Strauss-Kahn: Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft sind kaum noch haltbar

Überraschend hatte die New Yorker Justiz für den 1. Juli eine außerplanmäßige Anhörung von Dominique Strauss-Kahn anberaumt, weil die Anklage nur noch auf sehr wackeligen Beinen stehe und zusammenbrechen könne. Grund dafür seien sehr erhebliche Zweifel der Staatsanwaltschaft an der Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin. Die Zeugin habe in der Vergangenheit mehrfach gelogen und man überlege, die Anklage fallen zu lassen.

Die 2002 in die USA aus Guinea/Westafrika gereiste Frau hatte eine Asylantrag gestellt und soll in diesem Antrag bereits gelogen haben. Auch bei ihren Vernehmungen im Fall Strauss-Kahn habe sie sich mehrfach widersprochen. Es gebe aktuelle Hinweise, dass die Frau in Geldwäsche und Drogenhandel verwickelt sei. Am Tag der behaupteten sexuellen Nötigung soll das Zimmermädchen mit einem jetzt inhaftierten Mann telefoniert haben. Thema des Gesprächs war, wie man mit Vorwürfen gegen Strauss-Kahn sehr viel Geld herausschlagen könne. Der Mann ist derzeit inhaftiert wegen Drogenschmuggels. Auf dem Konto des Zimmermädchens habe er immer wieder mal „Geld geparkt“, zusammen um die 100.000 Dollar. Das steht im Widerspruch zu ihrem Bild in der Öffentlichkeit, die mit kargem Lohn als Zimmermädchen zusammen mit ihrem Kind ihr Leben fristen muss. Die Zeugin behauptet, die Einzahlungen auf ihr Konto seien ohne ihr Wissen erfolgt. Von ihren monatlichen Telefonrechnungen über mehrere einhundert Dollar wisse sie nichts.

Die Gäste bei Maybrit Illner:

Peter Scholl-Latour, deutsch-französischer Journalist und Publizist

Ines Pohl, Chefredakteurin "die tageszeitung"

Gerhard Strate, Staranwalt und deutschlandweit bekannter Strafverteidiger aus Hamburg

Heather De Lisle, US-Journalistin, Deutschland-Korrespondentin ABC-News

Cécile Calla, französische Journalistin (u.a. Spiegel Online)

Quelle: ZDF-Pressemeldung

Bildnachweis: © ZDF-Foto

Dieter Helmut, Dieter Helmut

Dieter Helmut - Dieter Helmut ist Jurist im Ruhestand und schreibt seit Dezember 2010 für suite101. Seine Themenschwerpunkte sind aktuelle ...

rss