
- Garden of Lingering, Souzhou - Sonja Eliane Stenek
Die achtsamkeitsbasierte Stressreduktion, wie MBSR wörtlich zu übersetzen ist, wurde von Jon Kabat-Zinn ins Leben gerufen. Als emeritierter Professor der Medizin in Worcester, Massachusetts, hat Kabat-Zinn einen eher medizinischen Zugang zu Themen der Stressprophylaxe und –behandlung. Er gründete die Stress Reduction Clinic im Jahre 1981 und leitete diese mehrere Jahre lang, bis diese von Saki Santorelli übernommen wurde. Basierend auf achtsamkeitsspezfischen Übungen aus Hatha Yoga und Atemübungen als auch Sitz- und Gehmeditation wird in einem achtwöchigen Zyklus mit den Patienten gearbeitet. Studien belegen eine hohe Erfolgsrate.
Warum hilft Achtsamkeit bei der Gesundung?
Kabat-Zinn arbeitet vorwiegend mit Patienten, die mit Stresssymptomatiken oder Burnout-Erkrankungen als auch bei Depressionen, chronischen Schmerzzuständen sowie Borderline-Persönlichkeitsstörungen kämpfen. Die Achtsamkeitsmeditation als auch die Übungen in Hatha-Yoga oder die Atemtechniken zielen auf einen besseren Zugang zum Körperempfinden ab. Ein gutes in Kontakt kommen mit sich selber ermöglicht es leichter und schneller zu erkennen, wo die persönlichen Grenzen liegen und Stressoren unmittelbarer wahrzunehmen.
Bereits Buddha hat auf die Bedeutung der Achtsamkeitsmeditation hingewiesen beziehungsweise die Achtsamkeit auf den eigenen Körper, die Gedanken als auch die Emotionen als Hilfsmittel zur Aufhebung der Verblendung propagiert. Während in buddhistischen Kreisen die Meditation im Sitzen als auch im Gehen in Kombination mit dem edlen achtfachen Pfad dazu genutzt wird, um zum einen positives Karma zu sammeln als auch besser mit sich in Kontakt zu treten und in sich gefestigt zu werden, betont die Technik des MBSR vor allem zweiteren Aspekt.
Durch das regelmäßige Training im MBSR, das über einen Zeitraum von 8 Wochen ein kontinuierliches fortlaufendes Programm beinhaltet, sollen die PatientInnen eine Umstrukturierung ihrer Denk- und Verhaltensprozesse erlernen. Aus der Sicht der Lernpsychologie macht es Sinn, durch wiederholtes Anwenden und Trainieren von neuen Methoden diese nachhaltig ins eigene Leben neu zu integrieren. Achtsamkeit kann und soll dementsprechend auch nach dem Ende des 8-Wochen-Kurses auch weiterhin im Alltag umgesetzt werden. Dies kann jederzeit und immerzu betrieben werden: beim Spazieren gehen, beim Einkaufen, Kochen oder Putzen, beim Umgang mit Kindern und PartnerIn, schlicht in jeder Situation des Alltagslebens.
Der Unterschied zwischen Achtsamkeit und Konzentration
Achtsamkeit (sati) und Konzentration (samatha) werden in der buddhistischen Lehre genauso differenziert, wie dies Kabat-Zinn aufgreift: Der Unterschied ist darin zu sehen, dass Achtsamkeit eine Form der Grundhaltung ist, die einen weiteren Fokus hat, als dies bei einer Konzentrationsübung der Fall ist. Achtsamkeit integriert wesentlich mehr als ein bloßes Fokussieren und sich Konzentrieren. So können wir beispielsweise uns auf eine Person konzentrieren oder in einen achtsamen Umgang mit ihr treten. Der Unterschied liegt in der Mehrdimensionalität der Achtsamkeit: Sie integriert Gedanken, Gefühle als auch Körperempfindungen, denen wir vertrauen auf deren Basis wir Tätigkeiten setzen können.
Ziel des MBSR
Ein wesentliches Ziel ist es, im Rahmen eines MBSR-Kurses zu einer verstärkten Selbstwahrnehmung zu finden und dieser auch vertrauen zu lernen. Ausgehend von den eigenen Empfindungen als auch Wahrnehmungen von kognitiven und mentalen Prozessen kann eine klare Schulung und Sensibilisierung für die inneren Abläufe erlangt werden. Schwierige Geisteszustände, die überhaupt zu Stress führen können wie Glaubenssätze oder Gedankenmuster als auch Zuschreibungen werden erkannt und können unterbunden werden. Aus diesem Grund wurde auch die Methode des MBCT (Mindfulness Based Cognitive Therapy) in den erweiterten Rahmen von MBSR aufgenommen. Bei dieser Methode geht es vor allem darum, mit der Wahrnehmungsschulung der kognitiven Vorgänge psychische Erkrankungen wie beispielsweise depressive Krankheiten zu behandeln beziehungsweise einen Rückfall zu vermeiden.
Mit MBSR ist es Jon Kabat-Zinn gelungen eine Methode zu entwickeln, die zum einen basierend auf buddhistischen Techniken, die eine lange Tradition und belegte Wirkungsweise hat, in einen nicht-religiösen Kontext einzubinden. MBSR gilt als eine anerkannte Methode im medizinischen Sektor, die viele positive Effekte nachzuweisen hat und einigen PatientInnen auf ihrem Weg der Gesundung eine wesentliche Hilfestellung ermöglicht hat. Wichtig ist hier jedoch anzumerken, dass der Kurs alleine nicht hilft, die Probleme dauerhaft in den Griff zu bekommen. Hierbei ist es von großer Bedeutung die achtsamkeitsbasierenden Methoden regelmäßig in den Tages- als auch Wochenrhythmus einzugliedern.
Quellen:
Hacker, Werner: Mindfulness – die besondere Medizin
Kabat-Zinn, Jon: Im Alltag Ruhe finden. Meditationen für ein gelassenes Leben. Knaur Verlag, München. 2010
Lehrhaupt, Linda/Meibert, Petra: Stress bewältigen mit Achtsamkeit. Zu innerer Ruhe kommen durch MBSR. Kösel Verlag, München. 2011. 4. Auflage
Stenek, Sonja Eliane: Anapanasati Sutta – die Lehre über die Achtsamkeit
Stenek, Sonja Eliane: Entwicklung von Präsenz
