
- McLaren MP4-12C im Showroom Düsseldorf - Jörg Tilmes
McLaren stellte schon 2009 mit dem Modell MP4-12C einen neuen Straßensportwagen vor, den die Firma aus dem britischen Woking vollständig im Alleingang entwickelt hat. Auch der Motor stammt aus dem an Motorsporttradition reichen Hause. Mitte März 2010 testeten die Formel 1-Weltmeister Lewis Hamilton und Jenson Button den Neuling auf der Rennstrecke, der mit 1.451 Kilogramm Leergewicht und 600 PS ein Leistungsgewicht von 2,4 Kilogramm pro PS erreicht. Für die Beschleunigung von null auf 100 Stundenkilometer benötigt der Hochleistungssportwagen 3,4 Sekunden; 9,8 Sekunden vergehen für den Spurt aus dem Stand auf 200 Kilometer pro Stunde. Die Höchstgeschwindigkeit des MP4-12C wurde von der Fachzeitschrift Sport Auto mit 330 Stundenkilometern angegeben. Auf 35,5 Meter bemisst sich der Bremsweg aus 100 Kilometern pro Stunde bei warmer Bremse. Das Fahrzeug verfügt optional über gelochte Keramikbremsscheiben und serienmäßig über Einzelradaufhängung mit adaptiver Dämpferregelung sowie rundum Doppelquerlenker.
McLaren und seine Straßensportwagen
Der Name McLaren ist den Fans der Formel 1 seit vielen Jahren ein Begriff: Der Rennstall hat unter der langjährigen Führung von Ron Dennis zahlreichen Fahrern zu Weltmeisterschaften in der Königsklasse des Motorsports verholfen. Beispielsweise Alain Prost und Niki Lauda waren dabei – mit einem von Porsche entwickelten Motor im Rücken. Mika Hakkinnen gewann den Titel ebenso wie Lewis Hamilton – beide jedoch zwischenzeitlich von Mercedes-Motoren beflügelt.
McLaren F1 und Mercedes SLR McLaren
Mit einer derart ausgeprägten Reputation ausgestattet, brachte das Management von McLaren mit dem F1 in den Jahren 1994 bis 1998 einen eigenen Straßensportwagen auf den Markt: Eineinhalb Millionen Euro teuer holte der Bolide 627 PS aus einem Zwölfzylindermotor des Hauses BMW mit 6,1 Litern Hubraum. 100 Stück des F1 wurden gebaut. Dessen gefühlter Nachfolger entsprang 2003 der Kooperation zwischen Mercedes und McLaren und hörte in Anlehnung an das 300 SLR Coupé aus den 1950er Jahren auf das Namenskürzel SLR. Dieser kostete rund 400.000 Euro.
Der Mercedes-McLaren SLR verfügte sowohl als Coupé sowie auch als Roadster und der auf 75 Stück limitierten Abschlussversion der Reihe über die vom sogenannten Uhlenhaut-Coupé 300 SLR her bekannten Schmetterlingstüren. Doch er wurde mangels Absatzerfolg vor Erreichen seiner geplanten Stückzahl eingestellt. Mercedes-Benz und McLaren beendeten ihre Kooperation sowohl beim Sportwagenbau als auch in der Formel 1. Mit dem SLS AMG zeigte Mercedes-Benz einen neuen Supersportwagen, erwarb Brawn GP und errichtete ein eigenes neues Formel 1-Team.
McLaren konterte und schuf mit dem MP4 12C einen eigenen Nachfolger zum SLR
Der neue McLaren MP4-12C zeigt im Design einen Mix aus verschiedenen Details von bekannten Sportwagenmodellen. Das zweisitzige Coupé erinnert im ersten Moment stark an die Linienführung des Audi R8. Speziell der Verlauf der Dachlinie und die Anordnung der Belüftungselemente für den Mittelmotor in den Seitenflanken sowie rechts und links von der Heckscheibe ähneln den entsprechenden Partien des bayerischen Sportwagens. Der Honda NSX verfügte über eine ähnliche Heckspoilergestaltung.
Die Fronthaube erinnert stark an Ferrari. Nur im Bereich des vorderen Grills beziehungsweise der Frontschürze zeigt der MP4-12C eine gewisse Eigenständigkeit. Dazu passt die Gestaltung des Heckbereichs, dessen zerklüftete Linienführung den Anforderungen eines Mittelmotorsportwagens an die Entlüftung des Motorraums geschuldet ist. Auch den Diffusor im Bereich des unteren Heckabschlusses hat man in ähnlicher Form – da den Zwängen der Aerodynamik folgen müssend – auch an anderen Autos dieser Kategorie schon gesehen.
Das Interieur wirkt spartanischer als das des Mercedes SLS AMG
Karg und spartanisch zeigt sich das mit Alcantara und Leder ausgestattete Cockpit des McLaren MP4-12C. Es gibt nur wenige Schalter und Knöpfe. Aluminiumapplikationen finden sich an der Mittelkonsole mit ihrem Touchscreen, dem Lenkrad, den Türen und rund um die Instrumentengruppe mit ihrem Zentralinstrument. Holz und Karbon fehlen. Vielleicht der wahre Luxus, denn Zierteile diesen Looks finden sich oft schon in Kleinwagen. Alle Schalter und Bedienelemente sind exklusiv für den MP4-12C hergestellt.
Eckdaten zum Motor des McLaren MP4-12C
Der zweifach aufgeladene Achtzylindermotor wurde ebenfalls von McLaren entwickelt. Diesmal also kein Zukauf von BMW oder Mercedes-AMG. Der V8-Biturbo mit Trockensumpfschmierung verfügt über 3,8 Liter Hubraum und eine variable Ventilsteuerung. Die Zylinderbänke stehen im Winkel von 90 Grad zueinander. Bei einer Drehzahl von 2.000 Umdrehungen pro Minute sollen 80 Prozent seines maximalen Drehmoments von 600 Newtonmetern anstehen. Seine Maximaldrehzahl liegt bei 8.500 Umdrehungen pro Minute. Er leistet 600 PS.
Ein modernes, durch Paddel am Lenkrad zu bedienendes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe bringt die Kraft auf die Straße. Eine Leichtbauverbundbremsanlage mit hohem Anteil an Aluminium kann optional durch eine Keramikbremsanlage ersetzt werden. Wenn das nicht reicht, tritt die Luftbremse am Heck in Kraft. An der von aktiven, adaptiven Radaufhängungen geführten Vorderachse rollt der MP4 12C auf Aluminiumfelgen von 19 Zoll; an der Hinterachse setzt er auf 20 Zoll. Der Kühler ist im Heck angeordnet.
Der Sicherheitsaufbau des McLaren MP4 12C
Herzstück des MP4-12C ist ein 80 Kilogramm schweres Kohlefasermonocoque mit Sicherheitsfahrgastzelle, das aus nur einem Stück besteht. Darin sieht McLaren das Rezept für eine hohe Stabilität. In Verbindung mit einem geringen Gewicht soll dieses Konzept ein hohes Sicherheitspotenzial bieten. Die Insassen werden im Falle eines Unfalles durch leicht zu reparierende Crashelemente aus Aluminium an Front und Heck geschützt.
Die Karosserie ist aus ultradünnen Kohlerfaserlaminatpanelen gefertigt
McLaren gibt an, dass der neue MP4 12C vollständig aus selbst entworfenen Teilen besteht. In Zeiten, in denen Ansprüche an ein Höchstmaß an Exklusivität gestellt werden, ist die Strategie des Verzichts auf Großserienteile sicher nicht verkehrt. Sein Preis liegt bei 200.000 Euro. Damit trifft er auf den Widersacher Mercedes SLS AMG ebenso, wie auf Porsche Turbo, Audi R8, Ferrari 458 Italia oder Lamborghini Gallardo. Die Palette soll um weitere Zweisitzer erweitert werden. Mit rund 1.000 verkauften Fahrzeugen jährlich plant der Hersteller ab 2011.
