Medienkompetenz

Der Umgang mit Medien als Schlüsselqualifikation für Auszubildende

Elektronische Medien nutzen und gestalten - Hans Dassler
Elektronische Medien nutzen und gestalten - Hans Dassler
In der Berufsausbildung können Auszubildende mit der Nutzung und Gestaltung von elektronischen Medien vertraut gemacht werden - und dies auch auf kritische Weise.

Schlüsselqualifikationen für Auszubildende

Mit dem Wandel zur Informations- und Wissensgesellschaft nimmt die Bedeutung von modernen Schlüsselqualifikationen – beispielsweise der Medienkompetenz bei elektronischen Medien – immer mehr zu.

Schlüsselqualifikationen sind überfachliche Qualifikationen, die Auszubildende in einer Arbeitswelt, in der das Wissen immer schneller veraltet, zum Handeln befähigen sollen. Sie sind also kein Fachwissen, sondern ermöglichen den kompetenten Umgang mit fachlichem Wissen.

Der Begriff Schlüsselqualifikation wurde in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Dieter Mertens, dem damaligen Leiter des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, geprägt und in die Diskussion gebracht. Er verstand darunter die Qualifikationen, die als „Schlüssel“ zur Erschließung von sich schnell änderndem Fachwissen dienen können.

Von der Bildungskommission NRW (1995) werden Schlüsselqualifikationen folgendermaßen eingegrenzt:

„Die erwerbbaren allgemeinen Fähigkeiten, Einstellungen, Strategien und Wissenselemente, die bei der Lösung von Problemen und beim Erwerb von Kompetenzen in möglichst vielen Inhaltsbereichen von Nutzen sind, so dass eine Handlungsfähigkeit entsteht, die es ermöglicht, sowohl individuellen Bedürfnissen als auch gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.“

Medienkompetenz ist heute eine der zentralen Schlüsselqualifikationen in der beruflichen Ausbildung. Medienkompetenz beinhaltet die allgemeine Fähigkeit, Medien zu nutzen. Hierbei werden Print- und audiovisuelle sowie digitale Medien unterschieden. Sie zielt auf Einstellungen wie etwa eine kritische Distanz zu Medien zu halten. Es sollen Strategien vermittelt werden, wie man sich in der Medienwelt im Unternehmen orientieren kann. Auch Wissenselemente sind beim technischen Verständnis elektronischer Medien – etwa Intranet im Unternehmen und Internet weltweit – erforderlich.

Eine so verstandene Medienkompetenz fördert die Handlungsfähigkeit der Auszubildenden in einem modernen Unternehmen. Diese Handlungsfähigkeit ist bereits in den Ausbildungsordnungen der Ausbildungsberufe verankert.

Medienkompetenz – was ist das eigentlich genau?

Der Begriff „Medienkompetenz“ hat sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Modewort entwickelt. Allerdings gibt es noch keine allgemein anerkannte Definition.

Die Geschichte des Begriffs Medienkompetenz ist geprägt durch eine Reihe unterschiedlicher Strömungen. In den 1920er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verstand Bertolt Brecht darunter die Befähigung des einfachen Bürgers in der Anwendung und Nutzung der Medien.

In den 1970er und 80er Jahren wurden Medien in ihren gestalterischen Potenzialen für die Bildungssozialisation wahrgenommen. Leitbegriffe waren kommunikative Kompetenz und Handlungskompetenz.

Im Jahr 2002 setzte Schiersmann Medienkompetenz aus drei Bausteinen zusammen:

• Kompetenz zur Handhabung und Nutzung von Medientechnik

• Kompetenz zur Gestaltung von sozio-technischen Systemen mit Hilfe von Medientechnik

• Kompetenz zur kundigen Kritik von Medientechnik.

In den letzten Jahren hat die Definition von Prof. Dr. Dieter Baacke besondere Bedeutung erlangt. Er versteht unter Medienkompetenz die Fähigkeit, Medien den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv zu nutzen. Die folgenden vier Dimensionen werden von ihm unterschieden – auch im Bereich der Berufsausbildung:

  • Medienkritik: Die Auszubildenden sollen kritische Distanz zu Medien halten (etwa kommerzielle und unternehmensbezogene Interessen in Geschäftsberichten oder Internetauftritten von Firmen erkennen können).
  • Medienkunde: Die verschiedenen Medien sollten den Auszubildenden bekannt sein (etwa Lieferanten-/Kundendatenbanken, Firmenhomepage, PowerPoint-Prästationen, Intranet, Internet, Video- oder Audio-Conferencing, aber auch Fachbücher, Fachzeitschriften, Fernsehen).
  • Mediennutzung: Die Lernenden sollten elektronische Medien nutzen können und sich in der Medienwelt orientieren können (etwa sich im Firmenintranet und im weltweiten Internet mit Recherchen zurechtfinden).
  • Mediengestaltung: Dies bedeutet, an medial vermittelter Kommunikation teilnehmen zu können (etwa einen Leserbrief/Artikel für die Werkszeitung oder die Lehrlingszeitung schreiben). Die Auszubildenden können so selbst kreativ in der Medienwelt tätig werden.

Die Förderung der Medienkompetenz bei Auszubildenden

Im Mittelpunkt der Förderung der Medienkompetenz steht die praktische Medienkompetenz in der Berufsausbildung. In Anlehnung an Baacke können die folgenden Vermittlungsziele für Auszubildende verfolgt werden:

  • Fähigkeit zur aktiven Kommunikation: Dies bedeutet, spezifische Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten bei Medien zu erlernen und anzuwenden (etwa die Gestaltung einer Firmenhomepage oder einer eigenen Azubi-Homepage). Hier werden Fähigkeiten von der Planung über die Recherche bis zur Gestaltung der entsprechenden Homepage benötigt.
  • Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen: Hier sind beispielsweise die Fähigkeit im Umgang mit einer Videokamera und entsprechenden Schnitttechniken gefragt (etwa für einen Videofilm über die Ausbildung in der Firma).
  • Kompetente Informationsaufnahme aus Medien: Die Auszubildenden sollen sensibilisiert werden für eine kritische und emotional distanzierte Wahrnehmung (etwa bei einem reklamierenden Kundenbrief oder bei den Darstellungen in Werbebroschüren von Lieferanten).

Von Bildungspraktikern wird häufig gefordert, dass die Berufsschullehrer und Ausbilder umfassend für den unterrichtlichen Einsatz neuer Medien und Informationstechniken zu qualifizieren sind. Zudem müssen Lehrpläne, Ausbildungspläne und Unterrichtskonzepte an die Möglichkeiten einer multimedialen Kommunikation und Wissensvermittlung angepasst werden. Auch Schulleitungen und Ausbildungsleitungen sollten für eine nachhaltige Planung, Organisation und Steuerung des IT-Einsatzes geschult werden.

Literaturhinweise:

  • Baacke, D. u.a. (Hrsg.): Handbuch Medien. Medienkompetenz. Bonn 1999.
  • Dassler, S.: Sozialkompetenz-Training in der betrieblichen Ausbildung. München 2007.
Stefan Dassler, Dipl.-Handelslehrer, Stefan Dassler

Stefan Dassler - Dipl.-Handelslehrer (Studium der Wirtschaftspädagogik mit Schwerpunkt Organisationspsychologie an der Universität ...

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