
- Richtige Einnahme von Medikamenten - Pixelio
Frühstückszeit in Deutschland ist für viele Menschen immer auch "Medikamenten-Zeit". Neben Tee, Kaffee und Säften nehmen sie ihre tägliche Pillen zur ersten Mahlzeit des Tages zu sich. Meist werden die Tabletten dann mit Wasser, Milch, Kaffee oder Saft hinuntergespült.
Wechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln und ihre Folgen
Was die meisten nicht wissen: Nahrungsmittel und Medikamente können miteinander reagieren und das kann sich mitunter sehr ungünstig, ja sogar schädlich auf den Organismus auswirken. Nach Angaben des deutschen Apothekerverbandes reagieren mehr als 315 Arzneistoffe auf Lebensmittel. Diese Substanzen stecken in über 5.000 gängigen Medikamenten. Das bedeutet: bei 12,5 Prozent der Medikamente kann es in Verbindung mit Lebensmitteln zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Wichtige Reaktionen zwischen Medikament und Flüssigkeit/Nahrungsmittel können sein:
- Die Wirkung mancher Medikamente kann sich durch falsche Einnahme gefährlich verstärken.
- Die Aufnahme wichtiger Vitamine und Mineralstoffe im Darm wird gehemmt.
- Bestimmte Vital-Stoffe werden in großen Mengen verbraucht.
- Die Magenentleerung wird verzögert und damit die Wirkung verlängert.
- Medikamente werden langsamer aufgelöst und damit die Wirkung verzögert.
- Der Stoffwechsel der Leber wird beschleunigt oder verlangsamt.
- Wirkstoffe werden zu schnell ausgeschieden, ihre Wirkung dadurch geschwächt.
- Der Speichelfluss wird vermindert und die Verdauung dadurch beeinträchtigt.
Es ist daher nicht unerheblich, wann und mit welchen Nahrungsmitteln bzw. Flüssigkeiten verschiedene Medikamente eingenommen werden. Die veränderten Wirkungen können in alle Richtungen gehen und den Heilungsprozess entscheidend beeinträchtigen. Darum sollten Patienten grundsätzlich den Arzt zu Rate ziehen und sich auch über den Beipackzettel ihrer Medizin eingehend über die richtige Einnahme und die Wechselwirkungen informieren.
Einnahme von Medikamenten: Welche Flüssigkeit ist die richtige?
Als Faustregel gilt: Reichlich Wasser - also mindestens 0,25 l Wasser - eignet sich immer als die beste Flüssigkeit, um Medikamente einzunehmen. Wasser löst den Wirkstoff in ausreichendem Maße auf, verdünnt ihn entsprechend und sorgt dafür, dass er ohne Probleme den Verdauungstrakt passiert. Dagegen gibt es eine Reihe von Getränken, die bereits hier die Aufnahme entscheidend beeinträchtigen. Daher wird dringend empfohlen, auf folgende Getränke in Verbindung mit Medizin zu verzichten:
Keine Milch
Milch enthält viel Kalzium und das reagiert gern im Darm mit anderen Substanzen zu unlösbaren Verbindungen.
- Antibiotika (Gyrasehemmer, Tetrazykline) verbinden sich mit dem Kalzium aus der Milch, gelangen nicht in die Blutbahn und werden ausgeschieden, bleiben also wirkungslos.
- Osteoporosemittel (Biphosphonate) gehen mit dem Kalzium eine Verbindung ein, die der Körper nur sehr schlecht aufnehmen kann. Auch hier bleibt die Wirkung aus.
Kein Grapefruitsaft - Achtung Überdosierung!
Hüten Sie sich vor allem vor Grapefruitsaft: Er hemmt den Abbau von Arzneistoffen in der Leber, steigert die Wirkstoffkonzentration im Blut und verstärkt damit die Wirkung. So kann es zu einer erheblichen Überdosierung der Wirkstoffe kommen und damit einhergehend beträchtlichen Nebenwirkungen. Es sollten mindestens vier Stunden liegen zwischen der Einnahme des Saftes und der Einnahme von Medikamenten, andernfalls drohen erhebliche Nebenwirkungen.
- Cholesterinsenker (Statine) in Verbindung mit Grapefruitsaft senken den Blutdruck zu stark, das Herz schlägt zu schnell, es kann zu Kopfschmerzen kommen, der Wirkstoff wird zu langsam abgebaut.
- Ciclosporin ist ein Medikament, das bei Transplantationen Abstoßungsreaktionen verhindern soll - in Verbindung mit Grapefruitsaft kann das Transplantat möglicherweise abgestoßen werden.
- Potenzmittel können in ihrer Wirkung um das Dreifache zunehmen und dadurch einen Gegeneffekt erzielen.
- Antiallergika dürfen auf keinen Fall mit Grapefruitsaft eingenommen werden.
- Blutdrucksenker können durch Grapefruitsaft den Blutdruck gefährlich tief fallen lassen.
Kein Kaffee oder Tee
Auch Kaffee bzw. Tee sind nicht geeignet, um Medikamente hinunterzuspülen. Die Gerbstoffe darin behindern die Aufnahme verschiedener Wirkstoffe.
- Antibiotika (Gyrasehemmer) in Verbindung mit Kaffee oder Tee verstärken die Wirkung des Koffeins - die Folge sind Herzklopfen, Schlafstörungen, innere Unruhe.
- Eisenpräparate werden unwirksam, weil Kaffee oder Tee das Eisen bindet und so verhindert, dass es wirken kann.
- Psychopharmaka verlieren ihre Wirkung, weil die Aufnahme der Wirkstoffe im Darm durch Kaffee oder Tee verhindert wird.
Kombinationen, die Bluthochdruck auslösen können
Was kaum beachtet wird und auch von Ärzten nur selten an die Patienten weitergegeben wird, sind Warnungen vor bestimmten Nahrungsmitteln, die bei Einnahme bestimmter Medikamente gefährlichen Bluthochdruck auslösen können:
- Asthmamittel (Theophylline) in Verbindung mit dem Verzehr von schwarzem Pfeffer, Grüntee, Walnuss, Himbeeren, Salami, Sauerkraut, Käse, Rotwein, Kaviar, weißen Bohnen und Matjes (Salzheringe) können verhindern, dass der Wirkstoff in der Leber abgebaut wird und den Blutdruck in gefährliche Höhen schnellen lassen
Antidepressiva und Wein bzw. Käse
Antidepressiva enthalten häufig sogenannte MAO-Hemmer. MAO-Hemmer erhöhen die Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn: So sorgen sie dafür, dass mehr der glücklich machenden Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin im Gehirn zur Verfügung stehen. Die Stimmungsaufheller geraten in Konflikt mit protein- und tyraminhaltigen Lebensmitteln, die längere Zeit lagern. Dazu gehören auch Sauerkraut, Käse, weiße Bohnen sowie Salzheringe. Das Eiweißprodukt Tyramin kann im Körper während der Einnahme nicht abgebaut werden, da das für diesen Prozess unentbehrliche Enzym nicht wirkt. Werden nun Käse und Wein – besonders Chianti - zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen, kann dies lebensgefährliche Bluthochdruckkrisen und Hirnblutungen auslösen. Als möglicherweise gefährlich gelten auch Bananen und Ananas, Muskatnuss, Feigen, Rosinen, Joghurt, Soja-Soße und Sauerkraut.
Einfache Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol
Einfache Schmerzmittel sollte man nicht mit Ballaststoffen zu sich nehmen, denn diese behindern die Aufnahme der Wirkstoffe im Darm durch die beschleunigte Darmpassage. Diese Mittel sollte man grundsätzlich wegen der gewünschten schnellen Wirkung auf nüchternen Magen mit sehr viel Wasser einnehmen. Bei chronischen Erkrankungen enpfiehlt sich aufgrund der Verträglichkeit dagegen eher eine Einnahme der Medikamente nach dem Essen.
Faustregel für die richtige Einnahme von Medikamenten
In allen Fällen gilt: ein informatives Gespräch mit dem Arzt vor der Einnahme von Medikamenten ist nicht nur empfehlenswert, sondern trägt entscheidend zur Wirkung und zu Ihrer Gesundheit bei. Leider wissen auch viele Ärzte nicht immer Bescheid über den Zusammenhang von Medikamenten und Nahrungsmitteln und manchmal sind auch die Beipackzettel nur unzureichend in der Information. Dann gelten Nachfragen, z.B. in der Apotheke, und Informationen aus anderen Quellen (Internet) als wichtige Form der Eigenverantwortung. Die Grundregeln für dem Umgang mit Medikamenten sollte daher jeder kennen. Zudem gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, einen Medikamenten-Check vorzunehmen, um über Wechselwirkungen verschiedener Medikamente informiert zu werden.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
Quellen: Gesundheit für Frauen - Bildquelle: Joujou / pixelio.de
