
- Alles nach Plan mit der Medikamentenschublade - Foto: Margot Kessler, pixelio
Das kann jedem passieren: Wer hat nicht schon einmal die Einnahme eines Medikaments vergessen? Dass ältere Menschen häufiger etwas vergessen, ist ebenso normal. Allein die schiere Menge an unterschiedlichen Arzneimitteln, die Senioren regelmäßig zu sich nehmen (im Schnitt rund vier bis fünf), führt aber häufig zu Fehlern beim "Pillenschlucken".
Denn nicht jedes der verordneten Präparate muss oder darf zur gleichen Zeit wie die übrigen eingenommen werden, manche gibt es nur einmal am Tag, andere mehrmals – aber möglicherweise eines vor, eines nach oder während einer Mahlzeit, auf nüchternen Magen oder vor dem Schlafengehen.
Die Folgen falscher Anwendung sind individuell ganz unterschiedlich, können den Organismus eines älteren Menschen aber stark belasten. So verändern sich mit zunehmendem Alter die Körperfunktionen und Stoffwechselvorgänge, die Nieren können Giftstoffe nicht mehr so gut filtern und der Wasseranteil im Körper verringert sich. Nebenwirkungen können verstärkt auftreten, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten entstehen.
Hürden und Hindernisse beim Pillenschlucken
Medikamente korrekt nach den Vorgaben des Arztes und den Angaben auf dem Beipackzettel einzunehmen, ist nicht immer ganz einfach. Möglicherweise müssen noch weitere Hürden zu überwunden werden:
- Missverständnisse können schon beim Arztbesuch entstehen: Wer Hörprobleme hat, kann den Arzt nicht immer richtig verstehen. Oft erinnert man sich nicht mehr an die Verordnung oder an die Dosierungsempfehlung, an Hinweise zur Verträglichkeit, zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Auch vergisst man vielleicht, solche Präparate zu erwähnen, die von Ärzten anderer Fachrichtungen verordnet wurden.
- Beipackzettel sind schon für Menschen mit nur geringer Sehschwäche schwer lesbar.
- Motorische Einschränkungen wie Zittern oder Gelenkversteifungen und/oder Sehschwächen machen es oft unmöglich, die richtige Zahl von Tropfen „unfallfrei“ auf einen kleinen Löffel zu bekommen.
- Lagerungsbedingungen (z.B. Kühlschrank), Ablaufdaten von Arzneimitteln (z.B. Augentropfen) und der richtige Zeitpunkt für ein Folgerezept – das alles braucht Planung und Übersicht.
Wer verhindern möchte, dass durch Missverständnisse, aus Unwissenheit, Angst oder Vergesslichkeit wichtige medikamentöse Therapien abgebrochen oder falsch durchgeführt werden, der sollte sich am besten Unterstützung holen: Eine vertrauenswürdige Begleitung hilft beim Arztbesuch, an alles zu denken und abzuklären. Das kann ein Angehöriger sein oder ein Freund, ein Seniorenbegleiter oder Pflegepersonal einer Sozialstation oder eines ambulanten Pflegedienstes, das übrigens der Schweigepflicht unterliegt.
Medikamenteneinnahme nach Plan
Mit System und Struktur bekommt man jedes Problem weitgehend in den Griff, das gilt auch für den Umgang mit Medikamenten. Mit entsprechende Hilfen und Gedächtnisstützen wie z.B. einem Einnahmeplan: Dieser sollte für einen ganzen Tag strukturiert sein - in übersichtlicher Tabellenform und mit großer Schrift: Eingeteilt von oben nach unten in die Einnahmezeiten und mit Spalten von rechts nach links für die einzelnen Medikamente. Er hängt am besten in der Küche gut sichtbar möglichst gleich neben einem Getränketablett.
Beim Eintrag gilt es zu beachten, was auf Verordnungen und im Beipackzettel mit folgenden Formulierungen gemeint ist:
- vor dem Essen: circa 30 Minuten vor einer Mahlzeit
- zum Essen: etwa zur Mitte der Mahlzeit
- unmittelbar nach dem Essen: innerhalb von 30 Minuten nach der Mahlzeit
- nach dem Essen: zwei Stunden nach der Mahlzeit
- mit viel Flüssigkeit einnehmen: mit einem großen Glas Wasser
In einer „Medikamentenschublade“ (erhältlich in jeder Apotheke), die entsprechend eingeteilt ist, werden die Medikamente für einen Tag hergerichtet – die Fächer wieder gut verschließen, denn die Arzneimittel sollen hygienisch aufbewahrt werden und bis zur Einnahme auch nicht der Umgebungsluft ausgesetzt sein. Sonst besteht die Gefahr, dass Wirkstoffe ihre Wirksamkeit einbüßen oder die Luftfeuchtigkeit Bestandteile wie etwa Gelatine etc. verändert.
Arzneimittel in flüssiger Form wie Tropfen, Säfte, Suspensionen stehen mit einem entsprechenden Portionslöffel jeweils bereit. Wer motorische Schwierigkeiten hat, sollte gezielt (mit Wasser) die notwendigen Bewegungsabläufe trainieren.
Auf großen Adressaufklebern aus dem Bürofachhandel vermerkt man die jeweilige Dosierung/Einnahmezeit und klebt diese auf Flaschen und Packungen - vielleicht mit einem zusätzlichen Vermerk zu Haltbarkeit, Aufbewahrungsart und einem Termin für die Beschaffung eines neuen Rezepts. Wer die fällige Rezeptbeschaffung nicht auf jeder einzelnen Packung festhalten möchte, trägt sie in einen Wandkalender ein – mit einem zeitlichen Puffer für die Besorgung von Verschreibungen von rund zehn Tagen vor „Packungsende“.
Vorsicht bei Medikamenten-Cocktail
Wer bemerkt, dass er sich beeinträchtigt fühlt, häufiger Schwindelgefühle oder Gleichgewichtsstörungen bekommt, ständig müde oder ganz apathisch ist, sollte dies nicht einfach seinem zunehmenden Alter zuschreiben. Oft kann auch der Medikamenten-Mix solche Symptome hervorrufen - durch Neben und Wechselwirkungen der Arzneistoffe.
In der so genannten PRISCUS-Liste sind 83 Wirkstoffe aufgeführt, die häufig in Medikamenten gegen die typischen Altersbeschwerden wie Bluthochdruck, Diabetes, Herzschwäche vorkommen, aber potenziell ungeeignet für Senioren sind. Die Liste kann man beispielsweise zum nächsten Arztbesuch mitnehmen und vom Arzt prüfen lassen, welche Medikamente möglicherweise Schuld sind an den unerwünschten Symptomen.
