
- Meditation verändert das Gehirn - Artem Chernyshevych on Stock.xchng
Richard Davidson, Psychologieprofessor an der Universität Wisconsin-Madison aus den USA, hat bereits mehrere Studien über die Wirkung von Meditation auf das Gehirn durchgeführt. Aufgrund seiner Freundschaft mit dem Dalai Lama war es ihm im Jahr 2007 möglich, mehrere tibetische Mönche mit langjähriger Meditationspraxis in eine derartige Studie einzubeziehen. Zusammen mit seinen Kollegen Brefczynski-Lewis und Lutz verglich Davidson in dieser Studie Meditationsneulinge mit Langzeitmeditierenden. Dazu wurden von allen Teilnehmern während des Meditierens Hirnscans (Magnetresonanztomographie oder Kernspintomographie) gemacht.
Meditation unter dem Hirnscanner
Die Magnetresonanztomographie zeigte dabei eine erhöhte Aktivität derjenigen Hirnregionen, die mit Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung zu tun haben (präfrontaler Kortex). Es scheint also, dass Meditation die entsprechenden Hirnregionen trainiert. Außerdem war die höhere Aktivität bei den Langzeitmeditierenden deutlich stärker ausgeprägt als bei den Neulingen. Besonders faszinierend waren allerdings die Hirnscans der kleinen Gruppe Meditierender mit besonders langer Meditationserfahrung (über 40.000 Stunden, was in etwa fünf Stunden täglicher Meditation über 22 Jahren entspricht). Bei diesen Menschen zeigte sich nur zu Beginn der Meditation eine erhöhte Gehirnaktivität, bevor diese bald auf praktisch Null zurückging. Davidson schlussfolgerte daraus, dass diese Meditierende zu einer spontanen, mühelosen Konzentration fanden – eine Fähigkeit, die schon in klassischen buddhistischen Meditationstexten beschrieben wird.
Immun gegenüber Ablenkung
Eine weitere Besonderheit dieser Studie war, dass außerdem die Reaktion der Probanden auf ablenkende und potentiell aufwühlende Geräusche gemessen wurde. Dabei wurden die Teilnehmer während der Hirnscans mit verschiedenen, potentiell aufwühlenden Geräuschen, wie zum Beispiel Babygeschrei, beschallt. Dabei zeigte sich, dass die Meditationserfahrenen deutlich weniger davon abgelenkt oder negativ beeinflusst wurden – bei der Gruppe mit über 40.000 Stunden Meditationspraxis zeigten sich überhaupt keine Auswirkungen. „Sie hören das Geräusch“, meinte Davidson „wir können das in ihrem Hörkortex feststellen – aber sie zeigen keinerlei emotionale Reaktion.“
Meditation oder Lebensstil?
Zwar kann Davidson nicht vollständig ausschließen, dass die Ergebnisse auch mit den verschiedenen Lebensstilen (buddhistische Mönche neben amerikanischen Durchschnittsbürgern) zu tun haben, aber er hält dies für unwahrscheinlich. Dabei weist er auf die Korrelation zwischen der Länge der persönlichen Meditationspraxis und dem Ausmaß der Veränderungen im Gehirn hin – man kann also annehmen, dass diese durch die Meditation und nicht durch Lebensstil-Faktoren wie Abgeschiedenheit, Essgewohnheiten oder religiöse Überzeugungen bewirkt wurden.
Die Plastizität des Gehirns
Einen weiteren Beweis für die neurologischen Vorzüge der Meditation hat Davidson in einer anderen Studie erbracht. Es ging dabei darum, die Teilnehmer der Studie ein kurzes visuelles Signal wahrnehmen zu lassen, welches die meisten Menschen übersehen. Dabei schnitten Menschen mit voriger dreimonatiger Meditationspraxis bei diesem Test signifikant besser ab als der Durchschnittsbürger. Diese Studie gilt auch als Nachweis für die so genannte Neuroplastizität des Gehirns – also die Fähigkeit des Gehirns, das ganze Leben lang neue neuronale Verknüpfungen zu bilden und sich somit neu zu organisieren. Während die Psychologie in der Vergangenheit davon ausgegangen war, dass die persönliche Aufmerksamkeitskapazität bei Erwachsenen relativ fest gelegt ist, weisen Davidsons Ergebnisse im Gegenteil darauf hin, dass Aufmerksamkeit trainiert werden kann. So wie regelmäßige Workouts Herz und Kreislauf trainieren und stärken, so kann die systematische Praxis der Meditation unsere Aufmerksamkeit verbessern.
Meditation und ADS
Angesichts steigender Diagnosen von ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) bei Kindern hält Davidson die Meditation oder davon abgeleitete Techniken für möglicherweise hilfreich im Umgang mit ADS und ADHS. Allerdings betont er, dass hierzu weitere Untersuchungen nötig seien und dieser Zusammenhang beim gegenwärtigen Stand nicht mehr als eine Möglichkeit sei.
Quelle
“Brain scans show meditation changes minds, increases attention.” Online-Artikel der University of Wisconsin-Madison.
Ebenfalls interessieren könnten Sie folgende Artikel zu den Themen Meditation vergrößert das Gehirn, zur buddhistischen Achtsamkeitsmeditation sowie ein englischsprachiger Artikel des Neurologen Antoine Lutz zum Thema Aufmerksamkeit: “Can meditation sharpen our attention?” (University of Wisconsin and Madison).
