Medizinische Hypnose: Behandlung in Trance

Neue Studien liefern Einblicke in die Wirkungsweise der Hypnose

Hypnose in der Medizin arbeitet mit positiven Suggestionen. Veränderungen im Gehirn können mit Methoden der dynamischen Bildgebung dargestellt und analysiert werden.

Die Medizin hat heute Einblicke in die Wirkungsweise der Hypnose, die vor Jahren noch undenkbar schienen. Hypnotische Suggestionen führen zu plastischen Veränderungen im neuronalen Netzwerk des Gehirns, welche mit Hilfe der modernen Technik quantitativ gemessen und analysiert werden können. Hierzu gehören unter anderen Methoden der dynamischen Bildgebung, wie die Positronen-Emissions-Tomographie und die funktionelle Magnet-Resonanz-Tomographie.

Erregungslandkarten des Gehirns in Hypnose

Am Institut für Psychologie der Universität Wien ist es gelungen, mittels sogenannter DC-Analysen „Erregungslandkarten“ des Gehirns in Hypnose zu erstellen. „Wir versetzten Probanden zunächst in eine entspannte Urlaubs-Situation“, schildert Neurologe Professor Dr. Giselher Guttman das Vorgehen. „In der Folge suggerierten wir ihnen eine Verfolgungssituation, der sie sich - einem Alptraum gleich - mit immer langsamer und mühsamer werdenden Bewegungen zu entziehen suchen sollten. Nach einiger Zeit lösten wir diese negative Vorstellung dann wieder auf und versetzten die Personen in einen entspannten Ruhezustand zurück.“

Aktivitätssteuerung im Gehirn in Hypnose

Die DC-Analyse lieferte genau ein der Erwartung von Hypnose-Experten entsprechendes Bild: Während dem entspannten Ausgangszustand war ebenso wie in der Endphase eine relativ gleichförmige, mäßig hohe Aktivierung der gesamten Endhirnrinde zu erkennen. In der Hypnosephase hingegen zeigten sich deutlich abgehobene Negativierungen in genau den Zonen des Gehirns, in denen sie sich Experten bei den genannten Vorstellungsbildern erwarten würden: nämlich in dem für optische Aktivitäten zuständigen Occipitalbereich (am Hinterkopf, unterhalb einer gedachten Linie zwischen den Ohren) und in den motorischen Zonen des Frontalhirns. „Eine solche ,Spot-Aktivierung’ ist offenbar durch Hypnose gezielt auslösbar“, hält Experte Guttmann fest. „Sie dürfte aber im Grunde den Regelfall der kortikalen (= von der Gehirnrinde ausgehenden) Aktivitätssteuerung darstellen. Durch diese wird in stetem Ein- und Ausblenden von Hirnrindenfeldern die aktuelle Informationsverarbeitung - und damit die Auswahl des aktuell Bewussten - gelenkt.“

Bedeutung der Sprache bei der Hypnose

Die Sprache ist bei der Hypnose mehr als Information. Daher wird bei der Hypnoseausbildung großer Wert auf sie gelegt – betont Professor Dr. Henriette Walter von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien. In der Medizin kommen - wie in jedem Lebens- und Tätigkeitsbereich, der auf zwischenmenschlichen Beziehungen beruht - eine Vielfalt von verbalen und non-verbalen Ausdrucksformen zum Einsatz. Dabei werden oft unbewusst direkte oder indirekte Suggestionen gesetzt. „Die Fähigkeit darauf zu reagieren, ist in bedrohten Situationen, wie bei Krankheit. größer“, gibt Expertin Walter zu bedenken. „Hypnoseausbildung lehrt die Sprache im medizinischen Alltag bewusst, gezielt und behutsam einzusetzen, so dass die richtigen Hinweisreize gesetzt werden.“

Operation in Hypnose statt in Narkose

Eingesetzt wird die medizinische Hypnose heute in erster Linie zur Schmerzminderung, bei Ängsten und Depressionen und bei unangenehmen Untersuchungen. Vor der Einführung von Betäubungsmitteln kam die Hypnose auch erfolgreich zur Analgesie bei chirurgischen Eingriffen zum Einsatz. „Bereits im 19. Jahrhundert hat sich gezeigt, dass unter Hypnose durchgeführte Amputationen nicht nur schmerzfrei durchgeführt werden können, sondern auch besser verheilen“, hebt Dr. Herbert Sponring, Facharzt für Anästhesie in Wien, hervor. Dem Experten wäre es ein Anliegen, dass sich die Kollegenschaft wieder verstärkt mit Suggestionstechniken vertraut macht. Er hat selbst eine Krampfadern-Operation an sich ohne Lokalanästhesie, nur in Trance, durchführen lassen, und war dabei eine Stunde lang völlig schmerzfrei. Wichtig sei vor allem, dass der Patient die Methode für sich anerkennt – betont Sponring - sowie das gute Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Karin Martin, Karin Martin

Karin Martin - ... geboren und aufgewachsen in Wien absovierte ich eben dort mein Romanistik- und Publizistik-Studium. Später zog ich mit meiner ...

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