So mancher vorgeblich medizinische und allen bekannte Ratschlag ist falsch. Zumindest gibt es keine Belege. Das fanden Rachel Vreeman von der Indiana State University und Aaron Caroll vom Regenstrief-Institute heraus, indem sie medizinische Informationen aus Datenbanken verglichen. Ihre Ergebnisse publizierten sie im British Medical Journal.
Wie viel Wasser trinken?
Täglich müssen zweieinhalb Liter getrunken werden, so die gängige Überzeugung. Ja nicht austrocken, immer eine kleine Flasche Wasser dabei haben, das meinen viele. Die Furcht ist nach Meinung der beiden Forscher auf eine Studie aus dem Jahre 1945 zurückzuführen, in der diese Literzahl genannt wird. Allerdings steht darin auch, dass der größte Teil an Flüssigkeit durch die übliche Nahrung aufgenommen wird, der Rest durch Milch, Säfte, Kaffee. Die obligatorisch mitgeführte Wasserflasche muss also nicht unbedingt sein.
Nur zehn Prozent des Gehirns wird genutzt
So heißt es schon seit mehr als hundert Jahren. Gerne wird Albert Einstein zitiert, ohne Belege allerdings. Auch Scientologen werben mit der Zehn-Prozent-These. Doch die Hirnforschung ist anderer Meinung. Kein Teil des Gehirns ist nicht aktiv oder überflüssig. Das fällt nach Hirnverletzungen auf, wenn Teile zerstört sind und deswegen Leistungen ausfallen.
Nach dem Tod wachsen Haare und Nägel weiter
Das geht schon deswegen nicht, weil die entsprechenden Stoffwechselvorgänge nicht mehr funktionieren. Der Eindruck, dass Haar und Nägel nach dem Tod wachsen, ist eine optische Täuschung. Weil die Haut trocknet und sich zurückzieht, kann der Eindruck einstehen, dass Nägel und Haare länger geworden sind.
Viel Rasieren fördert Haarwachstum
Das hat schon eine Studie aus dem Jahre 1928 widerlegt. Beim Rasieren werden nur die äußeren Teile des Haares abgeschnitten, und die sind tot. Das frisch rasierte Haar wirkt oft dicker und dunkler, weil es noch keine zulaufenden Spitzen hat.
Truthahn essen macht müde
Das wird gerne in Nordamerika behauptet. Truthahn gibt es dort traditionell zum Erntedankfest. Das Fleisch enthält Tryptophan, eine Aminosäure, die schläfrig machen kann. Die gleiche Aminosäure findet sich aber auch in Schweinefleisch oder Käse. Möglicherweise ist es einfach nur die Menge Truthahn, die müde macht. Der Verdauungstrakt benötigt zur Verdauung viel Blut, das er vorübergehend dem Hirn entzieht. Dort kommt weniger Sauerstoff an, der Mensch wird müde.
Lesen bei dunklem Licht macht Augen schwach
Bei dunklem oder schummrigem Licht ist das Lesen anstrengender. Das Auge zwinkert öfters, die Hornhaut trocknet leichter aus. Das ist nur vorübergehend, dauerhaft geschädigt werden die Augen durch Lesen bei schlechtem Licht nicht.
Mobiltelefone im Krankenhaus sind eine Gefahr
Selbst in der Caféteria des Krankenhauses mahnt so manche Verkäuferin, das Mobiltelefon auszuschalten. Den Kaffeeautomaten wird das Handy nicht beeinflussen, die medizinischen Geräte in der Klinik allerdings auch nicht, schon gar nicht bei einem Abstand von mehr als einem Meter. Es gibt keine systematischen Untersuchungen. Und neuere Handygenerationen dürften noch weniger eine Gefahr darstellen, so eine Studie aus dem Jahr 2007. Ohne Handys dürften die Krankenhäuser aber weitaus öfters die hauseigenen Telefone mit den hohen Gebühren an ihre Patienten vermieten können.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
