Mehmet Scholl folgt auf Günter Netzer

ARD beruft den Münchner Nationalspieler zum Fußball-Experten

Neue Herausforderung - Büchergilde Gutenberg
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Mit seiner gradlinigen Art zählt Scholl zu den Sympathieträgern nicht nur bei den Jüngeren. Mit Gerhard Delling und Reinhold Beckmann agiert er künftig vor der Kamera.

Spekuliert wurde schon seit einem Vierteljahr, nun konnte es die ARD zum Start in das Bundesligawochenende am 19. März 2010 nicht länger unter der Decke halten: Der frühere Nationalspieler Mehmet Scholl wird künftig in der Nachfolge von Günter Netzer wechselweise mit Gerhard Delling und Reinhold Beckmann fußballerische Leckerbissen im Fernsehen kommentieren. Statt des scheinbar oft nörglerischen und gespielt griesgrämigen Netzer tritt also einer ins Rampenlicht, der gradlinig denkt und spricht, den sie in der Endphase seiner Karriere bei Bayern München den „Edeljoker“, in der Nationalmannschaft manchmal leicht abschätzig das „ewige Talent“ und insgesamt das „Teenie-Idol“ genannt haben.

Mehmet Scholl – ein gradliniger Moderator

Für die Fußballfreunde ist es eine Zäsur. Denn mit Mehmet Scholl, der am 16. Oktober 1970 als Sohn eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren worden war und bis zur Scheidung der Eltern und der erneuten Heirat der Mutter Mehmet Yüksel hieß, kommt ein körperlicher „Hänfling“ ans Mikrophon und vor die Kameras, der sich hier ganz anders darstellt als früher auf dem Stadionrasen. Der oft verwirrende fußballerische Dribbler auf engstem Raum stellt sich heute dar als ein offener, gradliniger Moderator in schnörkelfreier Sprache; seine Analysen sind schlicht – und treffsicher. Das Gesellenstück in diesem Metier hat er gemacht. Er war für die ARD bereits bei Live-Übertragungen von Bundesligaspielen und beim DFB-Pokal im Einsatz.

Scholl war nie bei einer WM-Endrunde dabei

Mehmet Scholl, Ehrenspieler des FC Bayern München, hat in seiner Fußballkarriere als Nationalspieler, immer wieder durch vielerlei Verletzungen gehandikapt, niemals an einer Weltmeisterschafts-Endrunde teilnehmen können. So war es zuletzt im April 2002, kurz vor der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea; entnervt erklärte er seinerzeit den Rücktritt aus der Nationalmannschaft. In der neuen Rolle als Fernseh-Experte indessen hofft er, bei der WM in Südafrika im Juni 2010 vielleicht sogar das Endspiel zu erreichen.

Achtmal die deutsche Meisterschaft gewonnen

Seine fußballerische Karriere startete Scholl in Karlsruhe. Nach drei Bundesligajahren beim KSC wechselte er 1992 zu Bayern München. Und hier blieb er, standfest, bis zum Ende seiner Karriere nach der Saison 2006/07. Diese Treue zahlte sich aus: Mit insgesamt acht gewonnenen deutschen Meistertiteln ist Scholl zusammen mit Torhüter Oliver Kahn Rekordhalter in der Geschichte der deutschen Fußball-Meisterschaften. Im Jahr 1995 war er erstmals in die Nationalmannschaft berufen worden. Mit ihr gewann er 1996, ohne allerdings Stammspieler zu sein, mit der deutschen Elf in England die Fußball-Europameisterschaft.

Großes Lob von Vorgänger Günter Netzer

Mehmet Scholl gilt nicht nur für Jüngere als ein Sympathieträger. So hatte sich bereits vor Monaten auch Vorgänger Günter Netzer geäußert: Er komme „durch seine Sprache blendend an“. Diesem Urteil, hieß es jetzt, habe sich auch ARD-Programmdirektor Volker Herres angeschlossen. Zumal Scholl keiner ist, der polarisiert oder der persönlichen Eitelkeit huldigt, im Gegensatz zu anderen Kandidaten, die „angedacht“ worden waren; beispielsweise Schalke-Trainer Felix Magath oder Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Günter Netzer tritt auf eigenen Wunsch ab, wird aber zur WM in Südafrika auch noch dabei sein.

Klaus J. Schwehn, Klaus J. Schwehn

Klaus J. Schwehn - Daß ich Journalist geworden bin, verdanke ich dem Umstand, daß mir meine Eltern kein Studium finanzieren konnten. (Ich ...

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