Beeindruckend sind die Flowerpots, die Blumentopffelsen, nach denen die kleine Insel im Lake Huron in Ontario benannt ist. Sie recken ihre spektakulären Felsformen vor der Steilküste der Insel in die Höhe - umgeben von kristallklarem türkisfarbenem Wasser, das so sauber ist, dass man winzigste Muschelsplitter bis in große Tiefen erkennen kann. Zwei dieser Felssäulen gibt es auf der Insel. Sie begrenzen einen kleinen felsigen Strand, der sich zur Georgian Bay hin öffnet, der östlichen Bucht des Lake Huron.

Die berühmten Felsformationen von Flowerpot Island am Lake Huron in Ontario, Kanada

Entstanden sind die beeindruckenden Felstöpfe vor etwa 1500 Jahren. Einst waren sie Bestandteil der dahinter liegenden Uferwand. Unterwasserströmungen nagten vertikale Risse in das Inselufer, und als sich das Seewasser senkte, setzten Wellen und Frost die Arbeit der Erosion fort. Die Risse wurden tiefer und brachen weg, bis die Felsformationen sich schließlich völlig von der Uferböschung lösten. Heute zeugen sie von den Kräften der Natur: Wasser und Eis schufen zwei Aufsehen erregende Felssäulen, die die Insel zu einem der beliebtesten Ausflugsziele in der südlichen Georgian Bay machen. Mit Ausflugsbooten oder im eigenen Kayak kommen Besucher aus aller Welt hierher, um die Blumentopffelsen zu bewundern.

Flowerpot Island bietet mehr als schöne Fotos

Die kleine Insel, die Teil des Fathom Five National Marine Park of Canada ist, bietet aber noch mehr: zwischen dem großen Flowerpot und dem Leuchtturm befindet sich eine große Höhle in Höhe von etwa 30 Metern über dem Strand - ein weiterer Hinweis auf eine längst verschwundene Uferlinie. Vor 4000 Jahren reichte das Wasserniveau des Lake Huron bis zur Höhle. Die Wellen des Sees trugen das weichere Dolomitgestein ab und hinterließen den härteren Fels der darüber liegenden Klippen. Auch heute noch kann man diesen Prozess beobachten: entlang der Uferlinie in der Nähe von Beachy Cove, wo die Ausflugsboote anlegen.

Unterhalb der Höhle liegende Felsen zeugen davon, dass sich der Prozess der Erosion fortsetzt: im Winter dringt Wasser in die Felsritzen, friert und sprengt immer wieder große überhängende Felsbrocken ab, die dann mit gewaltigem Getöse herunterfallen.

Einzigartige Flora und Fauna auf Flowerpot Island im Lake Huron in Ontario, Kanada

Bei einem Spaziergang über die Insel - es gibt mehrere Wander- und Spazierwege - stehen die Chancen gut, über Eichhörnchen, einen Schneehasen oder eine Strumpfbandnatter zu stolpern. Diese Tiere gibt es auf der Insel ungewöhnlich häufig. Biologen sehen die Distanz zum Festland, die immerhin vier Kilometer beträgt, und den Zeitraum, den die Insel vom Festland getrennt ist, als Hauptgrund für die Konzentration dieser Tierarten auf Flowerpot Island an. Bären und Waschbären gibt es nicht auf der Insel, und nur ab und zu wagt sich ein Fuchs übers Wintereis auf die Insel. Das Fehlen von natürlichen Feinden ist einer der Hauptgründe, warum Nattern auf Flowerpot Island so weit verbreitet sind.

Von Mitte Mai bis Anfang Juni wird Flowerpot Island zu einem beliebten Ausflugsziel von Blumenliebhabern. Dann nämlich blühen die Orchideen auf der Insel. Die Calypso Orchideen wachsen im nördlichen Kanada von Küste zu Küste. Auf der Insel kann man sie entlang der Wege entdecken.

Schiffswracks vor Flowerpot Island in Ontario - beliebtes Ziel für Taucher

Wie an vielen anderen Stellen der Georgian Bay kann Flowerpot Island auf eine aufregende Seefahrtsgeschichte zurück blicken: Mitte des 19. Jahrhunderts waren Schiffe die Haupttransportmittel der Region für Holz und Getreide. Untiefen säumen die Schifffahrtswege auf dem Lake Huron und machen die Navigation sogar an Schönwettertagen nicht einfach. Um wie viel schwieriger ist sie erst, wenn im Frühjahr die dicken Nebelbänke aufziehen oder im Herbst wilde Stürme den See aufpeitschen. In den frühen Jahren der Schifffahrt auf dem Lake Huron waren dessen Gewässer noch nicht genau kartographiert, so dass dies ebenfalls zum Verlust von Schiffen beitrug.

1882 lief die Bark Arabia vor Flowerpot Island auf Grund, war aber nicht schwer beschädigt. Erst zwei Jahre später versenkte sie ein Sturm, und heute liegt sie in etwa 30 Meter tiefem Wasser ungefähr einen Kilometer östlich von Flowerpot Island. Im Oktober 1909 lief der kanadische Dampfer Athabasca unterhalb des Leuchtturms der Insel auf Grund: der Bug des Schiffs lag auf den Felsen auf, während der Rest des Schiffes noch im Wasser trieb. Die New York Times schrieb damals: "Die 56-köpfige Besatzung und die wenigen Passagiere sind noch an Bord. Das Schiff kann wahrscheinlich gerettet werden, es sei denn die Winde drehen und ein Sturm zieht auf."

Das Haus des Leuchtturmwärters ist heute Museum

Bis 1987 war das Haus des Leuchtturmwärters auf Flowerpot Island bewohnt. Im selben Jahr zerstörte ein Sturm das Dock der Insel, und da bereits damals geplant war, den bemannten Leuchtturm durch automatisches Leuchtfeuer zu ersetzen, wurde es nicht mehr aufgebaut. Der erste hölzerne Leuchtturm wurde 1897 auf Castle Bluff errichtet, einem Felsvorsprung, der sich oberhalb des großen Flowerpots erhebt, wo er bis 1969 seinen Dienst versah. Als ein Feuer ihn zerstörte, ersetzte man ihn mit dem Stahlturm, der noch heute die Schiffe auf dem See vor den Untiefen der Region warnt. Er ist nicht ganz so attraktiv wie sein Vorgänger, aber ein Besuch der Leuchtturmstation lohnt trotzdem, denn im ehemaligen Wohnhaus des Leuchtturmwärters befindet sich heute ein Museum, das sich mit der Geschichte der Leuchttürme an der Georgian Bay des Lake Huron befasst.

Ein Besuch auf Flowerpot Island bietet viel Abwechslungsreiches, und wer vorhat, sich die Insel anzusehen, sollte genügend Zeit dafür einplanen. Ein halber Tag sollte es mindestens sein, wenn man das Inselinnere, die Klippen und die Lighthouse Station besuchen will. Da die Ausflugsboote manchmal aufgrund starken Wellengangs nicht auf der Insel anlegen können, empfiehlt es sich, vorher beim Veranstalter nachzufragen, ob eine Landung möglich ist.

Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Tourism Ontario und der Canadian Tourism Commission