
- Die richtige Richtung - Dörthe Huth
Die Anforderungen an Berufstätige sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Verlangt wird eine immer höhere Effektivität, Flexibilität, Professionalität und Verantwortungsübernahme. Im geschützten Rahmen eines Coachings kann man sich neue berufliche Perspektiven erschließen, Wege für den Stressabbau finden, Konfliktsituationen meistern oder eine neue Karrierestrategie planen. In einem Vieraugengespräch ist Intimität und Vertraulichkeit garantiert. Während in solchen Fällen im Non-Profitbereich eher die Supervisoren angesiedelt sind, werden für den Profitbereich vorrangig Coaches angefragt. Supervision und Coaching überschneiden sich allerdings in Methodik und Zielfindung.
Coaching als individuelle Unterstützung
Coaching stammt ursprünglich aus dem Sport. Ein Coach begleitet Sportler durch Höhen und Tiefen und spornt ihn zu Spitzenleistungen an. Dazu gehört auch die Erarbeitung eines optimalen Trainingsplans. Diese Konzeption wurde auf das Berufsleben übertragen und an berufliche Anforderungen angepasst. Im Business ist Coaching als individuelle Unterstützung bei beruflichen Herausforderungen, Krisen oder Konfliktsituationen zu verstehen. Der Coach leitet zur Standortbestimmung an, hilft Symptome im Arbeitskontext zu erkennen, Handlungsalternativen herauszufinden, die Selbstgestaltungspotenziale zu entfalten und begleitet Lösungsprozesse. Berufliches Coaching ist der Austausch mit einer neutralen, fachkompetenten Person, die meist außerhalb des beruflichen Kontextes steht, um eine distanzierte Sichtweise auf eine spezielle berufliche Situation zu ermöglichen.
An wen sich das Coaching-Angebot richtet
Im Allgemeinen richtet sich das Angebot an Menschen, die mit Führungsaufgaben betraut sind oder in komplexen beruflichen Zusammenhängen arbeiten. Solche Strukturen finden sich sowohl in Unternehmen und Organisationen, ergeben sich aber auch bei Unternehmern und Freiberuflern. Selbständige Trainer, Ärzte oder auch Rechtsanwälte befinden sich nicht selten in einer isolierten Arbeitssituation, in der sie kaum angemessene Rückmeldungen erhalten. Doch auch für die Vorbereitung auf eine Führungsposition oder eine Selbständigkeit ist die Begleitung durch ein Coaching sinnvoll. Häufig veranlassen Konflikte am Arbeitsplatz oder mit Mitarbeitern dazu, ein Coaching in Anspruch zu nehmen, um sich selbst und andere besser einzuschätzen zu können.
Coaching wird in verschiedenen Formen angeboten. Das Einzel-Coaching ist die häufigste Variante, doch hat auch das Team-Coaching seine Berechtigung. Beim Team-Coaching steht nicht so sehr der Einzelne im Vordergrund sondern meist die Teamentwicklung. Kommunikationsdefizite werden aufgearbeitet und Motivation und Kooperation untereinander gefördert.
Wozu ein Coach hilfreich sein kann
Ein Coach kann hilfreich sein, um Konfliktsituationen offen anzusprechen, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, einen angemesseneren Umgang mit Selbstzweifeln zu bearbeiten oder sich besser abzugrenzen. Es geht aber auch darum, den eigenen Machtanspruch anzuerkennen, immer wiederkehrende Muster aufzudecken sowie eine gedankliche Umstellung auf Lösungsprozesse zu erreichen. Ein Coaching kann sinnvoll sein bei:
- dem Wunsch nach beruflicher Veränderung
- Beförderungen und neuen Projekte
- Auf- oder Ausbau der Selbstständigkeit
- Motivation und Leistungsblockaden
- Kommunikationsproblemen
- Verbesserung des Zeit- oder Selbstmanagements
- Konflikten mit Mitarbeitern oder Vorgesetzten
- Stress und zum Stressabbau
- beruflichen Entscheidungssituationen
- Erkunden von beruflichen Alternativen
Welche Kompetenz braucht ein Coach und wer coacht eigentlich?
Coaches kommen aus sehr unterschiedlichen beruflichen Zusammenhängen und haben sehr verschiedene Ausbildungen. Viele Therapeuten und Psychologische Berater coachen neben Kaufleuten, Betriebswirten und Unternehmensberatern. Je nach Hintergrund und Weiterbildung haben sie unterschiedliche Schwerpunkte und können auf unterschiedliche berufliche Erfahrungen zurückgreifen. Meist wird schon am Telefon oder beim ersten persönlichen Kontakt deutlich, ob die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit gegeben ist. Vorab sollte geklärt werden, ob der Coach für das spezielle Anliegen des Klienten geeignet ist und ob der Coachee die Bereitschaft mitbringt, sich in problematische Situationen, Zusammenhänge und Befürchtungen offen und ehrlich einzubringen.
Methoden und Übungen im Coaching
Die Basis eines Coachings ist das Gespräch. Durch gezielte Fragestellungen und Feedback regt der Coach den Coachee zur Reflektion an und führt ihn so zu Selbsterkenntnis, Entscheidungsfähigkeit und schlussendlich Lösungsmöglichkeiten. Bereits Zielfindung und Zieldefinition kann einen Teil des Coachings beanspruchen, weil das genaue Anliegen von Klienten anfangs nicht immer klar benannt werden kann. Dann ist es Aufgabe des Coaches, mit dem Klienten an der Bewusstwerdung der Problematik zu arbeiten, um die Ziele klar formulieren zu können. Ein Coaching kann nicht auf eine Technik reduziert werden, deshalb können die Übungen und Methoden sehr unterschiedlich sein. Der Einsatz von Rollenspielen und Bewusstseinsübungen, Experimenten, dem Spiegeln oder Imaginationen können sich in diesem Zusammenhang als wertvoll erweisen. Generell steht hinter der Wahl einer Interventionsmethode die Absicht, das Erlebens- und Verhaltensrepertoire der Klienten zu erweitern.
Vertraulichkeit ist im Coaching garantiert
Vertraulichkeit und Vertrauen sind Voraussetzung für einen Coachingprozess. In einem Vieraugengespräch ist Intimität garantiert und es kann sich Vertrauen aufbauen. Sowohl die zeitliche Dauer der einzelnen Termine als auch die Abstände zwischen den Terminen werden individuell auf Klienten zugeschnitten. Für einen genau umgrenzten Konflikt, in dem es um eine Entscheidung geht, kann es sein dass eine einzelne Coachingsitzung ausreicht. Nicht selten eröffnen sich aber hinter einem Konflikt weitere Themen, wenn erst einmal Vertrauen gefasst ist. Ein Coaching richtet sich grundsätzlich nach den Bedürfnissen des Coachees. Dabei wird auch das System, in dem der Klient arbeitet in die Überlegungen einbezogen. Denn meist arbeitet man nicht völlig unabhängig von der Organisation oder anderen Personen sondern ist in ein System eingebunden, in dem spezielle Regeln gelten und Macht verteilt ist. Daher ist auch sinnvoll die Fähigkeit zu entwickeln, sich in andere Menschen hinein zu versetzen.
Quellen und weiterführende Informationen:
Dörthe Huth: Coaching- für mehr Erfolg Unzufriedenheit im Job. In: L.O.G.O.S. Interdisziplinär Februar 2001. S. 33 - 37.
Christopher Rauen: Handbuchcoach in. Verlag für angewandte Psychologie 2000.
Werner Loos: Unter vier Augen: Coach für Manager. Verlag Moderne Industrie 1997
