Mehr und bessere Bildung durch Markt und Wettbewerb?

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Im Jahr 2011 erschien der Text „Mehr und bessere Bildung durch Markt und Wettbewerb?" von Ralf Ptak. Es folgt die Zusammenfassung des Textes.

Im Jahr 2011 erschien der Text »Mehr und bessere Bildung durch Markt und Wettbewerb? – Thesen zur politischen Ökonomie der aktuellen Bildungsdebatte« von Ralf Ptak im Band »Schöne neue Bildung? Zur Kritik der Universität der Gegenwart«.

Nach der großen Bildungsreform der 1970er-Jahre, sei Bildung erneut zu einem wichtigen Thema in der Gesellschaft geworden. Regierung und Unternehmensverbände seien erneut Wortführer der Bildungsdebatte, die eine Umstrukturierung der Bildungspolitik anstrebte. Dennoch seien, selbst nach der Ausrufung der „Bildungsrepublik Deutschland“ (PTAK, R. 2011: 1) im Herbst 2008, die Defizite nicht behoben worden. Es sei nur eine symbolische Aufwertung betrieben worden. Das »neue« Bildungssystem solle weder mehr Bildung vermitteln, noch Chancengleichheit suggerieren, sondern sein Hauptziel, die ökonomische Zweckmäßigkeit, verfolgen. Bildung sei ein öffentliches Gut und setze die Finanzierung durch den Staat voraus. Somit seien Bildung und Ökonomie eng miteinander verbunden. Die Qualifizierung von Arbeitskräften, mehr Chancen und Autonomie auf dem Arbeitsmarkt, stehe im Mittelpunkt. Diese Entwicklung des Bildungssystems sei dabei eine Umsetzung der Interessenspolitik des Staates und der Unternehmen, um den strukturellen Wachstumsproblemen und Anforderungen des Kapitalismus gerecht zu werden. Diese Anforderungen könnten einzelne Teilnehmer jedoch »überfordern«. Diese marktwirtschaftliche Ausrichtung stütze sich auf zwei Thesen (vgl. PTAK, R. 2011: 1-3):

In sozialwissenschaftlichen Debatten der 1990er-Jahre hätte sich der Begriff der Wissensgesellschaft herausgebildet. Dabei handle es sich, aus Sicht der OECD, um ein ökonomisches Phänomen, den ständig wachsenden Anteil wissensbasierter Wertschöpfung. Wissen könne nur schwerlich in Realkapital gemessen werden. Obwohl es keine genauen Indikatoren für die Transformation in eine Wissensgesellschaft gäbe, sei deutlich spürbar, dass das Aneignen und Verwerten von Wissen eine immer höhere Position in der Gesellschaft einnehme. Die Kommunikations- und Informationstechnologien hätten für ein Wachstum der globalen Wissensnutzung, aber auch für eine steigende Unübersichtlichkeit gesorgt. Zudem haben Eigentums- und Nutzungsrechte für eine Einschränkung der neuen Technologien gesorgt. Wissen müsse, solle es dem Markt gerecht werden, erst in ein knappes Gut, eine Ware geformt werden. Da Wissen überwiegend nicht an Realkapital gebunden sei, sondern an ein Basiswissen der Gesellschaft, sei es nicht leicht zu vermarktlichen. Hierbei wirke sich die »Privatisierung des Wissens«, durch Beschränkung des Zugangs, kontraproduktiv auf die Ökonomie, im volkswirtschaftlichen Sinne, aus. So werde Wissen in seiner Ausbreitung eingeschränkt werden und schwäche dabei das wirtschaftliche Wachstum ab (vgl. PTAK, R. 2011: 3-5).

Die Humankapitaltheorie hingegen, verstehe die Bildung als eine privatwirtschaftliche Investition. Diese Investition wäre erfolgreich, wenn der anschließende Ertrag größer sei als diese. Voraussetzung sei jedoch, dass die Verfügung über Wissen/Bildung Preise bekomme und nun nicht mehr »gratis« zur Verfügung gestellt werde. Somit werde nach Indikatoren gesucht, die messbar seien und Erfolgreiches von Nicht-Erfolgreichem trennen lassen. Dieses System habe eine soziale Fragmentierung und einen negativen Effekt auf die Volkswirtschaft zur Folge. Wissen müsse kommunikativ in Kooperation verarbeitet werden, um einen gesellschaftlichen Nutzen zu erlangen (vgl. PTAK, R. 2011: 7). Schlussendlich entstehe, entgegen der Meinung der Verfechter dieser Theorie, ein entleerter und bürokratischer Wissenschaftsbetrieb, sowie Kontrolle und Misstrauen, die Autonomie und Individualismus zerstören (vgl. PTAK, R. 2011: 5-7).

Seit der Krise der 1970er-Jahre liegen dem Transformationsprojekt des Kapitalismus drei Grundsteine zu Grunde: Dabei handle es sich erstens um die Globalisierung der Wirtschaft (internationale Arbeitsteilung etc.), zweitens die Liberalisierung der inländischen Kapitalmärkte und drittens die Transformation der Wohlfahrtsstaaten (vgl. PTAK, R. 2011: 7).

1. Die Globalisierung habe einen internationalen Standortwettbewerb zur Folge. Aus Kostengründen werden Produktionen in Schwellen- und Entwicklungsländer verlagert, was eine Entwertung der Qualifikationen der Industrieländer nach sich ziehe. Um dieses Defizit auszugleichen müssen sich die Industrieländer nun durch technischen Fortschritt und Innovation auszeichnen. Dies ist der Grund, weshalb es Unternehmen auf eine Bildungsreform der Regierung absehen. Andernfalls werde die Vormachtstellung verloren gehen (vgl. PTAK, R. 2011: 8).

2. Die Finanzkrise stelle seit 2007/08 das Modell eines „finanzmarktgetriebenen kapitalistischen Akkumulationsmodells“ (PTAK, R. 2011: 8) in Frage. In den frühen 1970er-Jahren sei das fordistische Wachstumsmodell ins Stocken geraten. Diese Defizite haben durch die Liberalisierung der nationalen Kapitalmärke und der Schaffung eines internationalen Finanzmarktes beseitigt werden gesollt. Es habe eine Loslösung von der physisch-materiellen Wertschöpfung stattfinden gesollt. Um das System funktionsfähig zu halten, haben permanent finanzielle Mittel eingebracht werden gemusst. Nur die Eindämmung der Krisenanfälligkeit durch strengere Regulation und die Korrektur der Einkommensverteilung könne eine Überwindung des Finanzmarktkapitalismus mit sich bringen. Jedoch weißen alle Indikatoren darauf hin, dass es nicht zu den notwendigen Änderungen komme. Eine neue Privatisierung werde die Folge sein. Gerade der Bildungssektor werde das Interesse auf sich ziehen. Mit diesen Prozessen werde die wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit des Staates weiter eingeschränkt (vgl. PTAK, R. 2011: 8-10).

3. In der Umbauphase des Sozialstaates in den letzten 20 Jahren komme es immer weiter zur ungleichen Verteilung des Einkommens. Der „neue“ Sozialstaat betreibe zudem eine Minimalsicherungspolitik, welche diesen Dualismus weiter verhärte. Dennoch sei es gelungen den neoliberalen Grundgedanken der »Selbstverantwortung« in der Gesellschaft zu verankern. Die Idee des „vorsorgenden Sozialstaates“ (PTAK, R. 2011: 10) lehne materielle Gerechtigkeit größtenteils ab und ermögliche eher dem Einzelnen einen Platz in der Marktwirtschaft zu finden. Die Faktoren Ausbildung und Vermittelbarkeit auf dem Markt spielen eine große Rolle. Die Bildungsinstitutionen müssen somit die Kernkompetenzen, die Basis vermitteln. Bildung erlange in der Gesellschaft und der Marktwirtschaft einen immer höheren Stellenwert (vgl. PTAK, R. 2011: 10f).

Im Folgenden wird auf zwei weitere Aspekte eingegangen, um den Bildungssektor und dessen Veränderungen besser einordnen zu können. Es stelle sich die Frage, wer die handelnden Akteure seien und welche Tätigkeiten unternommen werden, um die Defizite auszugleichen. Der erste Akteur sei die EU, die mit ihrer Lissabon-Strategie und dem Bologna-Prozess den institutionellen Rahmen für die Bildungsreform gestellt habe. Zweitens folge die OECD, die aus den »alten« Industriestaaten bestehe. Die Arbeitgeberverbände BDA und BDI, das Institut der deutschen Wirtschaft und die Bertelsmann AG (größter europäischer Medien- und Bildungskonzern) stellen die nationalen Institutionen dar. Der Einfluss der Unternehmenslobbyisten habe sich im Jahre 2002 bei der gemeinsamen bildungspolitischen Erklärung der Wirtschaftsministerkonferenz, der Kultusministerkonferenz und der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft (BDI, BDA, DIHK, ZDH) gezeigt. Die Bildungsgewerkschaften und andere Akteure seien nicht anwesend gewesen. Egal ob es sich um Kindertagesstätten, Weiterbildungen oder Studiengebühren handle, es gehe um den Wettbewerb und die Stärkung privater Beteiligter. Alle Bildungssektoren seien zu permanenten Reformbaustellen geworden, die einen Dauerstresszustand auslösen, ohne dabei die Ergebnisse des Bildungsprozesses zu verbessern. Die bekannten Strukturprobleme des Bildungssystems seien dabei noch nicht einmal aufgearbeitet worden. Das Bildungswesen sei unterfinanziert. Gemessen am BIP haben die Bildungsausgaben 1995 6,9% eingenommen. Bis 2006 seien diese auf 6,2% gesunken. Die deutsche Bildungspolitik liege deutlich unter dem Durchschnitt der OECD. Eine Studie habe berechnet, dass ca. 40 Mrd. € pro Jahr mehr aufgebracht werden müssten. Außerdem sei die soziale Selektion ein prägnantes Problem. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt seien stark an den sozialen Status gebunden und erlangen eine immer größere Bedeutung, je höher die Qualifikationsanforderungen steigen. Das Bildungssystem sei gesellschaftlich vernachlässigt und finanziell unterversorgt, was sogar zur privaten Übernahme ehemals öffentlicher Schulen führen könne. Somit komme es zu einer Kommerzialisierung des „öffentlichen“ Bildungsguts. Dieser Vorgang verlaufe schleichend über institutionelle Zwänge, wie das internationale Handelsabkommen für Dienstleistungen oder der EU und OECD. Das „PISA-Regime“ (PTAK, R. 2011: 15) erstelle beispielsweise indirekt internationale Standards für Bildung, die nicht an den Staat gebunden seien, sondern von Organisationen und Agenturen festgelegt werden. In der Öffentlichkeit stehe somit die Privatisierung nicht zur Debatte (vgl. PTAK, R. 2011: 11-15).

Die öffentliche Bildung werde in ihren Grundsätzen in Frage gestellt und ökonomisch interessierte Akteure setzen einen marktwirtschaftlichen Umbau um. Viele Betroffene sehen, nach der jahrelangen Unterfinanzierung des Bildungssystems, in den „marktwirtschaftlichen Freiheits- und Effizienzversprechen“ (PTAK, R. 2011: 16) eine neue Hoffnung. Ein umfangreiches Bildungssystem könne jedoch nur entstehen, wenn die Beteiligten umfangreich daran teilhaben, mitwirken und es ausreichend finanzieren, im Sinne öffentlicher Bildung.

Anmerkung:

Der vorliegende Text ist eine Zusammenfassung des Originaltextes. Für genaueres Einarbeiten in das Thema wird dringend die vollständige Lektüre empfohlen, die weitaus tiefer geht, als es die Zusammenfassung vermag:

http://www.transcript-verlag.de/ts1751/ts1751.php

Literaturverzeichnis:

Ptak, R. (2011). In: Ingrid Lohmann et al. (Hrsg.): Schöne neue Bildung? Zur Kritik der Universität der Gegenwart. transcript Verlag. Bielefeld